MDK Begutachtung

MDK Begutachtung

Die Pflege ist ein wichtiges Thema in unserer Gesellschaft, da bereits über drei Millionen Menschen Pflegebedürftig sind und es jeden jederzeit treffen kann. Die Ursachen für eine Pflegebedürftigkeit sind hierbei vielfältig: ein Unfall oder die Folge des älter Werdens, können zur Pflegebedürftigkeit führen.

Was passiert, wenn ganz plötzlich diese Pflegebedürftigkeit eintritt? Wichtig ist es, schnellstmöglich zu handeln und einen Pflegegrad zu beantragen. Die Einordnung in einen Pflegegrad ist notwendig für die finanzielle Unterstützung und gilt als die Grundlage, um soziale Leistungen in Anspruch zu nehmen.

Beantragen Sie einen Pflegegrad, spielt besonders der MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkasse) eine entscheidende Rolle. Vor allem dient die MDK Begutachtung als Grundlage der Einordnung in einen der fünf verfügbaren Pflegegrade. Was genau bei diesem Besuch auf Sie oder ihren Angehörigen zukommt und wie Sie den Besuch entspannt gestalten, verraten wir Ihnen hier.

Inhalt

Was ist der MDK?

Der MDK steht für Medizinischer Dienst der Krankenkasse und ist ein sozialmedizinischer Beratungs- und Begutachtungsdienst, der objektiv anhand vorgegebenen Kriterien bewertet. Es wird sichergestellt, dass alle Pflegebedürftigen zu gleichen Bedingungen Leistungen aus der Pflegeversicherung erhalten. Im Sozialgesetz ist allen Betroffenen garantiert, dass der MDK fachlich unabhängig handelt. Außerdem sind Gutachter nur ihrem ärztlichen und pflegefachlichen Gewissen unterworfen.

Entscheidend zu wissen ist, dass das Gutachten die Grundlage zur Einordnung in einen Pflegegrad bildet. Das MDK verfolgt vor allem das Ziel zu klären, inwieweit der Betroffene pflege- und hilfsbedürftig ist, um die medizinisch notwendige Leistungen zu ermöglichen.

Zunächst müssen Sie für sich oder einen Angehörigen bei der Pflegekasse den Antrag auf Pflegegrad stellen. Dabei müssen Sie keinen bestimmten Pflegegrad angeben, den Sie anstreben.

Haben Sie oder ein Angehöriger bereits einen anerkannten Pflegegrad, ist der jedoch Ihrer Meinung aber nicht (mehr) ausreichend hoch, können Sie einen Antrag auf Anpassung des Pflegegrades stellen.

Vorbereitung der MDK Begutachtung

Zusammenfassend finden Sie im Folgenden unsere Checkliste zum vergleichen, damit Sie alle Unterlagen zur Hand haben. Das vereinfacht und beschleunigt den Prozess:

  • Fragen, die Sie dem Gutachter stellen möchten
  • Berichte des behandelnden Arztes
  • Namen und Kontaktdaten der behandelnden Ärzte
  • Krankenhausentlassungsberichte, die maximal drei Jahre zurück liegen
  • Eine Liste aller einzunehmender Medikamente
  • Falls Sie darüber verfügen: Den Behindertenausweis
  • Sofern bereits vorhanden: Die Pflegedokumentation oder Pflegetagebuch
  • Kontaktdaten der Person, die bisher für die Pflege zuständig war
  • Eine Liste der Hilfsmittel, die Sie bereits nutzen

Wie wird die MDK Begutachtung durchgeführt?

Haben Sie einen Termin vereinbart und fragen sich, ob Sie alle notwendigen Unterlagen besitzen? Machen Sie sich vor dem Termin vor allem Gedanken zu folgenden Fragen:

  • Welche Schwierigkeiten in der Bewältigung des Alltags hab ich?
  • Wobei brauch ich oder wünsche ich mir Unterstützung?
  • Was kann ich selbstständig erledigen? 

Sofern Sie bereits durch ein Familienmitglied oder einen anderen Angehörigen gepflegt werden, bitten Sie ihn an diesem Termin teilzunehmen. Zudem sind diese Personen für Sie eine enorme Unterstützung und können ebenfalls Ihr aktuelles Befinden genau beurteilen.

Falls Sie Medikamente zu sich nehmen, halten Sie diesbezüglich ihren Medikamentenplan bereit. Ebenfalls ist es ratsam, Arzt- und Krankenhausberichte vor Ort zu haben. Ist dies nicht der Fall, brauchen Sie die Unterlagen allerdings nicht extra beantragen. Im Endeffekt ist ein Gutachter auch ohne Dokumente in der Lage ihren medizinischen Allgemeinzustand zu bewerten, aber sie unterstützen und erleichtern die Beurteilung. Zu guter Letzt, wenn Sie ein Pflegetagebuch führen, halten Sie für den Begutachtungstermin bereit.

Die Pflegekasse wird einen Mitarbeiter des Medizinischen Dienstes (MDK) zu Ihnen nach Hause schicken, um anhand eines Kriterienkatalogs Ihren Pflegegrad zu bestimmen. Ausschlaggebend sind dabei die Fähigkeiten in fünf Lebensbereichen (Module). Die Module enthalten weitere Unterkriterien, die jeweils anhand der vorliegenden Einschränkung mit einem Punktwert bewertet werden.

Außerdem fließen die sechs Module unterschiedlich stark in die Gesamtbewertung ein:

  • Mobilität (10%)
  • Kognitive und kommunikative Fähigkeiten +
  • Verhaltensweisen und psychische Problemlagen (15%)
  • Selbstversorgung (40%)
  • Bewältigung von und selbständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen (20%)
  • Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte (15%)

Sehen Sie im Folgenden die Bedeutung der Punkte der MDK Einschätzung.

Übersicht der MDK Einschätzung in Punkten

Pflegegrad 1 ab 12,5 bis unter 27 Punkte

Pflegegrad 2 ab 27 bis unter 47,5 Punkte

Pflegegrad 3 ab 47,5 bis unter 70 Punkte

Pflegegrad 4 ab 70 Punkte bis unter 90 Punkte

Pflegegrad 5 ab 90 bis unter 100 Punkte

MDK Begutachtungskriterien

Was wird bei dem Gutachten geprüft?

Vergessen Sie vor allem nicht, dass der Besuch vom MDK keine zu bestehende Prüfung ist. Sie sollten sich daher nicht unter Druck setzen und das Gefühl haben sich mit überraschend guten Leistungen präsentieren zu müssen. Ziel dieses Besuchs ist es, ihren tatsächlichen pflegerischen Bedarf zu ermitteln. Um dies zu ermöglichen, machen Sie stets alle Angaben wahrheitsgemäß. Deshalb seien Sie realistisch in der Selbstdarstellung und verharmlosen oder verschweigen Sie zum Beispiel keine Probleme. Zudem sind die Folgen von Verharmlosung oder Verschwiegenheit die Einstufung in einen niedrigeren Pflegegrad. Sie werden im Zuge dessen nicht die erforderliche finanzielle und pflegerische Unterstützung erhalten, die Sie besonders benötigen.

Wie bereits erwähnt, sind für die Bewertung sechs Lebensbereiche wichtig, da sie Aufschluss über die Selbstständigkeit der Pflegebedürftige geben. Unter dem Begriff Pflegebedürftigkeit sind hierbei die verschiedene Lebensbereiche (Module) zu verstehen. Zu klären ist die Frage, ob der Pflegebedürftige noch dazu in der Lage seinen Alltag selbstständig zu bewältigen oder ob Hilfe benötigt wird sind. In der folgenden Tabellen finden Sie die sechs Module näher beschrieben:

1 Mobilität

Ist die Person in der Lage verschiedene Körperhaltungen einzunehmen?

Hat der Betroffene Schwierigkeiten bei Bewegungsabläufen?

Hat die Person in irgendeiner Position Schmerzen?

2 Kognitive & kommunikative Fähigkeiten

Erkennt der Pflegebedürftige Personen wieder und kann sich an Gesprächen beteiligen?

Erkennt die Personen Gefahren und kann sie einschätzen?

Wie gut ist seine örtliche und zeitliche Orientierung?

3 Verhaltensweisen & psychische Problemlage

Bestehen Verhaltensauffälligkeiten?

Wie oft kommen Unruhezustände oder Stimmungsschwankungen vor?

4 Selbstversorgung

Ist der Pflegebedürftige in der Lage eigenständig Körperpflege zu betreiben?

Hat er Probleme beim An- oder Auskleiden?

5  Umgang mit Krankheit & Therapie

Wie oft benötigt die Person Unterstützung bei der Einnahme von Medikamenten?

Kann er eigenständig Wunden versorgen und Termine erledigen?

6 Gestaltung des Alltags & Pflege sozialer Kontakte

Wie selbstständig gestaltet die Person ihren Alltag?

Ist sie in der Lage soziale Kontakte zu pflegen?

Was folgt nach dem Termin mit dem MDK?

Nachdem der Besuch des Gutachters beendet ist, wird das Gutachten an die Pflegekasse weitergeleitet und der Pflegegrad ermittelt. Letztendlich wird der entsprechende Pflegegrad zugeordnet. Damit Sie Planungssicherheit haben, entscheidet die Pflegekasse bereits direkt nach Eingang des Gutachtens über ihren Pflegegrad. Dafür erhalten sie schriftlich den Bescheid über die Zuordnung und eine Kopie des Gutachtens.

Wird Ihr Antrag abgelehnt, legen Sie innerhalb eines Monats Widerspruch ein. Oder sind Sie mit der Entscheidung oder mit dem Gutachten nicht zufrieden, weil die Einstufung zu niedrig ist, ist ein formloser Widerspruch möglich.

Übersicht über die Pflegegrade

Hier finden Sie zu den einzelnen Pflegegraden umfassende Informationen über den Anspruch und die Möglichkeiten, die nach der Anerkennung durch den MDK entstehen. Auch einen Überblicksartikel, der die einzelnen Pflegegrade gegenüberstellt, finden Sie nachfolgend:

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