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Multiple Sklerose

Multiple Sklerose – Symptome, Verlauf und Therapie

Charlotte Weidenbach
Charlotte Weidenbach

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Die Multiple Sklerose, abgekürzt MS, ist eine chronische Erkrankung des zentralen Nervensystems, deren Ursachen bislang weitestgehend unverstanden sind. Nervenentzündungen im Gehirn und Rückenmark verursachen die unterschiedlichen MS Symptome. Bei der MS Krankheit werden mehrere Verlaufsformen unterschieden. In den meisten Fällen kommt es zu schubförmigen Verschlechterungen der Symptome, die durch die Therapie nicht immer vollständig verschwinden. Multiple Sklerose ist nicht heilbar, ihr Fortschreiten kann jedoch durch eine konsequente Therapie verlangsamt werden.

Wir informieren Sie in diesem Artikel über die Ursachen und die Behandlung von MS. Zu den Symptomen, dem Verlauf und der Definition eines MS-Schubes finden Sie tiefergehende Informationen auf weiteren Seiten dieser Ratgeber-Reihe, die weiter unten im Text verlinkt sind.

Inhalt

MS – Definition

Die MS ist eine Krankheit des zentralen Nervensystems. Zum zentralen Nervensystem werden das Gehirn und das Rückenmark gezählt. Dort kommt es bei der Multiplen Sklerose zu Entzündungen. Der Fachbegriff für die MS ist „Encephalomyelitis disseminata“, was etwa mit „verstreuter Entzündung von Gehirn und Rückenmark“ übersetzt werden kann. Die MS ist eine chronische Erkrankung, die derzeit nicht heilbar ist.

Lange Zeit können MS Patient:innen häufig noch gut ihren Alltag alleine bewältigen. Im späteren Verlauf der MS Krankheit brauchen die Betroffenen zunehmend Hilfe von anderen. Haben Sie oder eine:r Ihrer Angehörigen die Diagnose Multiple Sklerose erhalten, sind Hausärzt:innen und Neurolog:innen die besten Ansprechpartner:innen für alle Fragen zur Krankheit.

Häufigkeit der Multiplen Sklerose

Die Multiple Sklerose ist die häufigste chronische neurologische Erkrankung, die schon bei jungen Menschen auftreten kann und zu langfristigen Einschränkungen führt. In Deutschland gibt es aktuell mehr als 120 000 Erkrankte. Weltweit gibt es über 2,5 Millionen MS Patient:innen.

Als Autoimmunerkrankung gehört die MS zu einer großen Gruppe von Erkrankungen, die heutzutage zunehmend häufiger diagnostiziert werden.

Multiple Sklerose Ursachen

Die MS Ursachen sind trotz intensiver Forschung immer noch weitestgehend unbekannt. Wahrscheinlich kommt es aufgrund von teils genetischen, teils umweltbedingten Faktoren zur Entstehung von sogenannten autoreaktiven Immunzellen, die sich fälschlicherweise gegen das eigene Immunsystem richten. Diese verursachen eine Entzündung im zentralen Nervensystem und zerstören Nervenzellen, die beispielsweise für Bewegungen, Koordination, Sehen und Sensibilität zuständig sind.

Zumindest teilweise wird für die zunehmende Häufigkeit der heutige Lebensstil mit schädigenden Umweltfaktoren verantwortlich gemacht.

Risikofaktoren für Multiple Sklerose

Die MS betrifft hauptsächlich die europäische, hellhäutige Bevölkerung beziehungsweise deren Nachkommen und tritt deshalb insbesondere in Europa, Nordamerika, Neuseeland und Australien auf. Insgesamt sind Frauen deutlich häufiger betroffen als Männer.

An der Entstehung von Autoimmunerkrankungen wie der MS beteiligte Umweltfaktoren sind Rauchen, Übergewicht und ungesunde Ernährung. Aber auch bestimmte Virusinfektionen und Vitamin-D-Mangel erhöhen das MS-Risiko.

Wahrscheinlich ist die MS vererbbar. Geschwister und Kinder von MS-Patient:innen haben ein im Vergleich mit der Allgemeinbevölkerung bis zu zwanzigfach erhöhtes Risiko für MS.

MS Symptome

In der Regel treten die ersten Multiple Sklerose Symptome zwischen dem 20. und dem 40. Lebensjahr auf. Aber auch früher oder später kann eine MS Diagnose erfolgen.

Eines der ersten Symptome bei MS ist meist eine Entzündung des Sehnervs (Optikusneuritis) mit Sehstörungen und Augenschmerzen. Aber auch Sensibilitätsstörungen und extreme Abgeschlagenheit, die sogenannte Fatigue, können das erste Anzeichen für MS sein.

Der Verlauf von MS ist entweder durch eine schubförmige oder kontinuierliche Zunahme der Symptome gekennzeichnet. Auch neue Symptome können hinzukommen.

Weitere häufige Anzeichen von MS sind:

Multiple Sklerose Arten

Es gibt drei unterschiedliche Verlaufsformen der MS Krankheit.

Die häufigste Form ist die schubförmig remittierende MS, die man meist aus dem Englischen mit RRMS (relapse-remitting MS) abkürzt. Bei dieser Form kommt es zu MS Schüben in unterschiedlichen Abständen mit Verschlechterung der bestehenden MS Symptomatik oder dem Auftreten neuer Symptome.

Aus der RRMS kann sich die sekundär progrediente MS (SPMS) entwickeln, bei der der Verlauf zunächst schubförmig und später kontinuierlich fortschreitend ist.

Die dritte, seltenste Form ist die primär progrediente MS (PPMS). Betroffene haben nur selten eine schubförmige Symptomatik und leiden hauptsächlich an einer kontinuierlichen Zunahme der Symptome. Die PPMS ist die einzige MS Verlaufsform, von der etwa gleich viele Männer wie Frauen betroffen sind.

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MS Diagnose

Die MS Diagnostik besteht zunächst aus einer ausführlichen Erhebung der Krankheitsgeschichte (Anamnese). Dabei ist es wichtig, dass Sie dem Arzt oder der Ärztin auch von kleineren Auffälligkeiten berichten, die möglicherweise schon nicht mehr vorhanden sind. Außerdem werden Sie gründlich körperlich untersucht. Nach diesem klinischen Eindruck kann für eine:n erfahrene:n Arzt bzw. Ärztin oftmals schon der Verdacht auf die Multiple Sklerose Diagnose bestehen.

Die weitere Diagnostik beinhaltet eine Bildgebung des Gehirns mit Magnetresonanztomografie (MRT), in der der Arzt oder die Ärztin die entzündlichen Herde erkennen kann. Zusätzlich erfolgt die Entnahme von Nervenwasser (Liquor), in dem die MS-typischen Antikörper nachgewiesen werden. Außerdem wird die elektrische Reizleitung im Nervensystem gemessen, um die Schwere der Erkrankung und deren Verlauf zu erfassen.

Für die Abgrenzung zu anderen Erkrankungen erfolgen außerdem eine Urin- und Blutdiagnostik. Es gibt keine speziellen Blutwerte, die bei der MS auffällig sind und die Diagnose sichern könnten. Die weitere Diagnostik dient also nur der Absicherung der MS Diagnose und dem Ausschluss anderer möglicher Erkrankungen.

Multiple Sklerose Therapie

Bei der MS Behandlung werden drei Bestandteile unterschieden: Die Therapie eines aktiven MS Schubs, die Therapie zur Verbesserung des MS Verlaufs und die symptomatische Therapie.

Für die Schubtherapie ist das wichtigste MS Medikament hochdosiertes Methylprednisolon. Es ist ein Cortisol, das die Entzündung im Gehirn unterdrückt. Methylprednisolon wird in der Regel im Krankenhaus stationär intravenös verabreicht, so dass eine Überwachung der Symptome erfolgen kann. Methylprednisolon darf nicht gegeben werden, wenn der oder die MS Patient:in einen akuten Infekt hat oder andere Ausschlusskriterien vorliegen. In diesem Fall – oder wenn die Cortisoltherapie nicht ausreichend wirksam ist – wird eine sogenannte Plasmapherese durchgeführt, bei der bestimmte Bestandteile aus dem Blut herausgefiltert werden können, die die MS mit verursachen.

Für die langfristige MS Behandlung ist die Immunmodulation von Bedeutung: MS Medikamente zur Verbesserung des Verlaufs verändern die Funktionsweise des Immunsystems. Dadurch kann die Häufigkeit von Schüben abnehmen und das Fortschreiten der Erkrankung langsamer werden. Die wichtigsten MS Medikamente sind Interferone und Glatirameracetat.

Die dritte Therapiesäule umfasst alles, was die Symptome von MS gezielt verbessert. Die symptomorientierte Behandlung von MS Patient:innen beinhaltet unter anderem Physiotherapie, Logopädie, Ergotherapie und Psychotherapie sein. Außerdem werden Medikamente, die Verkrampfungen der Muskulatur lösen und die Gehfähigkeit verbessern, verschrieben.

Bei der Pflege von MS Betroffenen ist es also besonders wichtig, unterschiedliche Therapieansätze zu verfolgen und auf mehreren Ebenen mit den Patient:innen zu arbeiten. Das Fortschreiten der Erkrankung kann bei vielen Betroffenen durch eine gute Multiple Sklerose Therapie verlangsamt werden.

MS Prognose und Mutiple Sklerose Verlauf

Die MS Krankheit ist nicht heilbar, allerdings kann die Multiple Sklerose Prognose bei einer guten Wirksamkeit der Therapie verbessert werden. Außerdem sprechen einige Faktoren für einen günstigen Verlauf bei MS, bei anderen ist eine schnellere Verschlechterung wahrscheinlicher. Dies sind jedoch immer statistische Angaben, die sich individuell unterscheiden können.

Ein günstiger Verlauf ist wahrscheinlich, wenn die Erkrankung vor dem 35. Lebensjahr und nur mit leichten Sensibilitätsstörungen beginnt. Auch kurze Schübe, deren Symptome sich vollständig zurückbilden und ein langer Erhalt der Gehfähigkeit sind prognostisch günstig. Außerdem sprechen bei der MS Diagnostik nur geringgradig auffällige MRT-Befunde und gute Nervenleitungsgeschwindigkeiten für eine bessere Prognose.

Etwa die Hälfte der MS Patient:innen braucht zehn Jahre nach Erkrankungsbeginn eine Gehhilfe. Ungefähr nach 25 Jahren ist ein Drittel der Betroffenen nicht mehr gehfähig und zwei Drittel sind nicht mehr arbeitsfähig.

Die Lebenserwartung von MS Erkrankten ist Studien zufolge etwa 6 bis 7 Jahre geringer als die der Durchschnittsbevölkerung.

Quellen:

Amboss: Multiple Sklerose

DGN / KKNMS: Leitlinie zur Diagnose und Therapie der MS

Karl Masuhr, Marianne Neumann: Duale Reihe Neurologie, 6. Auflage, Thieme Verlag.

Wissen in der Box: Multiple Sklerose

MS ist eine chronisch-entzündliche, nicht heilbare Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems.

In Deutschland leiden rund 120.000 Menschen an MS. Weltweit sind es über 2,5 Millionen.

Die konkreten Ursachen sind bislang unbekannt. Vermutlich ist eine Kombination aus genetischen und umweltbedingten Faktoren der Auslöser für die Entstehung von MS.

Häufig kommt es zunächst zu Sehstörungen und Augenschmerzen sowie zu Lähmungserscheinungen an Händen und Füßen und Kopfschmerzen.

MS wird in drei Verlaufsgruppen unterteilt: schubförmig remittierende MS, sekundär progrediente MS und primär progrediente MS.

Die MS Diagnostik besteht üblicherweise aus Anamnese, MRT, Entnahme von Nervenwasser, Blut und Urin sowie der Messung von Reizleitungen im Nervensystem.

Die Lebenserwartung von MS Erkrankten ist durchschnittlich sechs bis sieben Jahre geringer als die der Durchschnittsbevölkerung.

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