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Delirium

Delirium – Ursachen, Symptome und Behandlung

Claudia Barredo
Claudia Barredo

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Das Delirium wird auch „Delir“, „akutes Delir“ oder „akuter Verwirrtheitszustand“ genannt. Etwa 30 bis 40 Prozent der Patient:innen in einem Krankenhaus, die älter als 65 Jahre sind, entwickeln in Deutschland ein Delirium. Besonders gefährdet für dieses Krankheitsbild sind Demenzkranke. Prinzipiell kann aber jeder Mensch unter bestimmten Umständen ein Delir entwickeln, unabhängig vom Alter und von eventuellen Vorerkrankungen. Tritt ein Delir auf, so ist eine schnelle und richtige Behandlung maßgeblich für die Heilung.

Trotz der Häufigkeit ist das Delir ein recht unbekanntes Krankheitsbild. Eher wenige Menschen wissen, wie es zu einem Delir kommt, wie man ein Delir sicher erkennen und wie man den Betroffenen am besten helfen kann.

Dieser Artikel dient dazu, Sie und Ihre Angehörigen darüber zu informieren, was ein Delir ist und was zu tun ist, wenn Sie selbst oder ein:e Angehörige:r ein Delir erleidet.

Inhalt

Delirium – Definition

Ein Delirium bezeichnet eine plötzliche Funktionsstörung des Gehirns. Es handelt sich nicht um ein psychisches, sondern um ein körperliches (somatisches) Geschehen mit einer Bewusstseinsstörung. Ein akutes Delir stellt immer eine Notfallsituation dar, die intensivmedizinisch behandelt werden muss. Es kann lebensbedrohlich verlaufen und bedarf so schnell wie möglich einer ärztlichen Versorgung.

Die Symptome eines Deliriums sind sehr vielfältig. Zur Diagnosestellung müssen jedoch Störungen in allen vier folgenden Bereichen vorliegen:

  • Bewusstsein und Aufmerksamkeit: Menschen mit einem Delirium sind häufig desorientiert und leiden an einer Bewusstseinsstörung. Sie wissen beispielsweise nicht mehr, wo sie sind, welches Datum vorliegt oder weswegen sie sich am entsprechenden Ort befinden. Zudem fällt es ihnen oft schwer, ihre Aufmerksamkeit längere Zeit auf ein Thema oder einen Gegenstand zu richten.
  • Denkvermögen (Kognition): Häufig liegen bei den Patienten Gedächtnisstörungen, vor allem im Kurzzeitgedächtnis, vor. Zudem können Betroffene scheinbar abrupt Gesprächsthemen wechseln, und Gedankengänge reißen ab. Möglich sind auch Scheinwahrnehmungen (Halluzinationen), bei denen Betroffene Dinge sehen oder hören, die nicht wirklich vorhanden sind.
  • Psychomotorik: Menschen mit einem Delirium können entweder starke geistige und körperliche Unruhe empfinden, oder auch antriebslos und verlangsamt wirken.
  • Schlaf-Wach-Rhythmus: Der Tagesrhythmus kann umgekehrt sein, sodass Betroffene tagsüber schlafen und nachts wach sind. Schlafstörungen kommen bei dieser Krankheit häufig vor.

Zusätzlich können emotionale Symptome auftreten, welche das Verhalten des Patient:innen verändert. Betroffene können sich verstärkt aggressiv und reizbar, aber auch ängstlich, stark verunsichert oder panisch verhalten. Möglich ist auch Euphorie, eine scheinbar unangemessene Begeisterung.

Ausschlaggebend ist außerdem, dass die Symptome neu und plötzlich auftreten, sich also nicht schleichend entwickelt haben.

Delir Formen

Prinzipiell kann jede Erkrankung oder Verletzung zu einem Delirium führen. Meist kommt es erst zu einer plötzlichen Veränderung der Lebensumstände oder des Ortes, und anschließend zu einer körperlichen Belastung, die ein Delir auslöst. Beispiele hierfür finden Sie unten in der Tabelle.

Das „postoperative Delir“ (früher: „Durchgangssyndrom“) stellt eine Sonderform des Deliriums mit besonderen Ursachen dar. Es entwickelt sich meist innerhalb der ersten Tage nach einer Operation. Die Symptome sind dieselben wie oben angegeben. Auch hier sind ältere oder demenzkranke Personen stärker gefährdet. Man kann dem postoperativen Delirium vorbeugen, indem beispielsweise früh auf Seh- und Hörhilfen geachtet wird, und indem reger Kontakt zu vertrauten Besuchern besteht. So werden Veränderungen im Verhalten schneller erkannt.

Ursachen für ein Delirium

Jeder Mensch kann unter bestimmten Umständen ein Delir entwickeln. Höheres Alter oder eine bestehende Demenz, aber auch Alkoholmissbrauch oder Drogenkonsum, erhöhen das Risiko. 

Ein Delir wird immer durch körperliche oder psychische Stressfaktoren ausgelöst. Oft wirken mehrere Faktoren zusammen. Die Ausgangslage ist häufig eine Ausnahmesituation für den Menschen: Ein Krankenhausaufenthalt, eine Operation oder ein plötzlicher Umzug ins Pflegeheim. Kommen hierzu nun ein oder mehrere weitere Stressfaktoren, so kann dies zu einem Delir führen.

Die folgende Tabelle gibt Ihnen einen Überblick über mögliche Stressfaktoren:

Art des Stressfaktors

Beispiele

Körperliche Stressfaktoren

z.B. Austrocknung durch zu wenig Trinken, Harnverhalt, Blutzuckerschwankungen, Infektionen, Fieber, Herzinfarkt, Schlaganfall, Verletzung

Psychische Stressfaktoren

z.B. Schmerzen, Schockerlebnisse, häufiger Personalwechsel, Schlafstörungen

Auch Medikamente können die Ursache und Auslöser eines Deliriums sein. Diese sollten allerdings nur von einem Arzt oder einer Ärztin im Krankenhaus abgesetzt werden.

Delirium bei Demenzpatienten 

Demenzpatienten und -patientinnen sind besonders gefährdet, ein akutes Delir zu entwickeln. Dies liegt einerseits an strukturellen Veränderungen des Gehirns bei Demenzpatient:innen, andererseits an Verhaltensweisen, die ein Delir verursachen können. Beispielsweise kann ein:e Demenzpatient:in tagelang vergessen zu trinken oder seine bzw. ihre Medikamente einzunehmen, was gegebenenfalls zu einem Delir führen kann. 

Umgekehrt kann ein Delir zu einer Verschlechterung der Demenz führen. Dies könnte zum Beispiel die Pflegebedürftigkeit eines Menschen bedeuten, der zuvor noch selbstständig oder mit etwas Hilfe zu Hause leben konnte. 

Mitunter kann es schwierig sein, ein Delir bei einem Demenzpatienten oder einer Demenzpatientin zu erkennen, da die Symptome der Demenz denen eines Delirs ähneln können. 

Folgende Fragen sollen Ihnen bei der Unterscheidung helfen, sobald Sie bei Ihrem oder Ihrer Angehörigen oder Bekannten die oben genannten Symptome bemerken. 

  • Haben die Symptome plötzlich begonnen, oder kam es sehr schnell zu einer Verschlechterung der Beschwerden?
  • Gab es kürzlich eine Ausnahmesituation, einen Ortswechsel, eine Operation oder eine Krankheit des Betroffenen?
  • Weiß der oder die Betroffene nicht mehr, welches Jahr vorliegt, an welchem Ort er oder sie sich befindet, oder wer Sie sind?
  • Verhält er oder sie sich anders als sonst? Kommt er oder sie Ihnen unruhig, aggressiv, ängstlich, oder auch auffällig ruhig oder bewegungslos vor?
  • Erzählt der oder die Betroffene von Dingen, die er oder sie hört oder sieht, die Sie nicht hören oder sehen können?

Können Sie eine oder mehrere dieser Fragen mit „Ja“ beantworten, so sollten Sie augenblicklich den Notruf 112 wählen.

Auch bei Menschen, die nicht an Demenz leiden, können diese Fragen zur Erkennung eines akuten Delirs äußerst hilfreich sein. Prinzipiell sind in diesen Fällen die Symptome eines Delirs jedoch recht eindrücklich und leichter zu bemerken, da sie akut auftreten und für den jeweiligen Menschen untypisch erscheinen.

Die Gefahr eines Deliriums

Ein Delir stellt einen Notfall dar und geht mit einer hohen Sterblichkeit einher, sofern nicht schnell darauf reagiert wird. Viele sogenannte Deliranten müssen auf der Intensivstation behandelt werden. Dies kann durch die zugrundeliegende körperliche Ursache, wie zum Beispiel eine akute Krankheit, aber auch durch selbstgefährdendes Verhalten des oder der Betroffenen geschehen.

In der Akutsituation des Delirs sind viele Betroffene nicht mehr vollständig orientiert und können eventuelle Beschwerden häufig nicht mehr mitteilen. Außerdem kann das Gleichgewicht und die Gehfähigkeit beeinträchtigt sein, was zu Stürzen führen kann. Betroffene können in Panik oder Verwirrung versuchen, aus einem Gebäude zu flüchten, ohne zu wissen, wo sie sich befinden. Weitere Umstände wie Umherirren oder Festgehaltenwerden, aber auch Nahrungs- und Flüssigkeitsmangel, können das Delir zusätzlich verschlimmern.

Auch langfristig kann ein Delir schwerwiegende Folgen haben. Es handelt sich um eine starke Belastung für das gesamte Gehirn. Je länger das Delir anhält, desto höher ist das Risiko, dass der Betroffene langfristige Folgen, wie beispielsweise Gedächtnisstörungen, zurückbehält. Auf lange Sicht erhöht ein Delir zudem die Wahrscheinlichkeit, an einer Demenz zu erkranken.

Delirium – Behandlung

Ohne angemessene Behandlung kann ein Delir lebensbedrohlich verlaufen. Sollten Sie Ihren Angehörigen oder Bekannten in einem deliranten Zustand vorfinden, so ist unverzüglich der Notarzt zu verständigen. 

Anschließend ist zu empfehlen, ruhig mit dem Betroffenen zu sprechen und eine möglichst stressfreie Atmosphäre zu schaffen, bis ein Arzt vor Ort ist. Dies kann schwerfallen, da es sich auch für Angehörige häufig um eine Schocksituation handelt. Eine ruhige Atmosphäre hilft sowohl Ihnen als auch dem Betroffenen, die Ruhe zu bewahren. Denken Sie daran, dass sich ein Delir mit der richtigen, zügigen Behandlung in der Regel innerhalb von Tagen oder Wochen vollständig zurückbildet.

Die wichtigste Maßnahme ist die Behandlung der Ursache. Nicht unbedingt notwendige Dauermedikamente werden im Krankenhaus abgesetzt, falls diese das Delir verursachen könnten. So können mögliche negative Auswirkungen des Entzugs der Medikamente überwacht werden. Hat der Betroffene lange Zeit nicht gegessen, getrunken oder Wasser gelassen, so wird dies behandelt. Auch mögliche neue Medikamente können notwendig werden.

Die Umgebung kann maßgeblich dabei helfen, einem Delir vorzubeugen oder die Heilung zu verbessern. Eine ausreichende und ausgewogene Ernährung, Fenster, Uhren und Kalender im Zimmer, ein ruhiger Raum ohne nächtliche Störungen und der regelmäßige Kontakt zu vertrauten Personen haben bereits einen schützenden und sehr positiven Effekt.

Bei sehr starken Symptomen wie Panikreaktionen, starker Unruhe oder Aggressivität können zudem vorübergehend zum Beispiel beruhigende Medikamente eingesetzt werden. Sie können helfen, die Beschwerden zu lindern und für eine schnellere Heilung zu sorgen. 

Quellen:

MSD Manual: Delirium

AOK: Verwirrt nach der OP: Wenn das Aufwachen ein Alptraum ist

Wissen in der Box: Delirium

Ein Delirium ist eine plötzliche Funktionsstörung des Gehirns. Es kommt zu Störungen bei Bewusstsein, Denkvermögen, Psychomotorik und dem Schlaf-Wach-Rhythmus.

Meist wir ein Delirium durch eine Veränderung der Lebensumstände ausgelöst. Eine Sonderform bildet das postoperative Delir.

Körperliche oder psychische Stressfaktoren gelten grundsätzlich als Ursachen für eine Delir. Personen im höheren Alter, aber auch Demenzpatienten sind anfällig für ein Delir.

Die Symptome eines Delirs und Demenz sind sehr ähnlich. Die beiden Krankheiten können sich gegenseitig beeinflussen. Patienten sollten gut beobachtet werden. 

Durch ein Delir kann der bzw. die Patient:in in seinem Mitteilungsvermögen, Gleichgewicht und Orientierung eingeschränkt werden.

Die betroffene Person benötigt zunächst ein gewohntes ruhiges Umfeld. Der oder die Arzt:in ermittelt und behandelt dann die Ursachen des Delirs