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Pflegegeld 2021 – Anspruch, Höhe & Antrag

Uta Leyke
Uta Leyke

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In Deutschland wird ein Großteil der Pflegebedürftigen zu Hause von Angehörigen, Freund:innen oder Nachbar:innen gepflegt. Das ist von der Gesundheitspolitik auch gewünscht, damit das ohnehin schon schwer ausgelastete Kranken- und Pflegesystem nicht weiter belastet wird. Um die pflegenden Angehörigen zu entlasten und für ihren Aufwand zu entschädigen, gibt es das Pflegegeld. Durch die monatlich von der Pflegekasse überwiesene Geldleistung können Pflegebedürftige ihre pflegenden Angehörigen oder Freund:innen entlohnen oder anderweitige Hilfsleistungen in Anspruch nehmen.

Welche Leistungshöhe Ihnen oder eine:m Ihrer pflegebedürftigen Angehörigen zusteht und an welche Bedingungen die Auszahlung geknüpft ist, stellen wir Ihnen in diesem Artikel vor.

Inhalt

Definition und Voraussetzung – Pflegegeld

Das Pflegegeld ist eine Geldleistung der Pflegeversicherung, die nach Paragraph 37 des 11. Sozialgesetzbuch (§37 SGB XI ) allen Pflegebedürftigen ab Pflegegrad 2 zusteht. Mit diesem Geld steht es den Pflegebedürftigen frei, die körperbezogenen Pflegemaßnahmen und weitere Betreuungsmaßnahmen sowie Hilfe im Haushalt selbst zu organisieren.

Neben dem Pflegegrad von mindestens Pflegegrad 2 gibt es weitere Voraussetzungen, die für einen Pflegegeldanspruch erfüllt sein müssen:

  • Der oder die Pflegebedürftige muss grundsätzlich zu Hause gepflegt werden. Auch bei zeitweiser Unterbringung in der Kurzzeitpflege gelten Pflegebedürftige als zu Hause gepflegt.
  • Die Pflege muss durch Angehörige, Freund:innen oder Nachbar:innen durchgeführt werden, die das nicht beruflich machen

Eine Ausnahme von der letzten Voraussetzung stellt die sogenannte Kombinationspflege dar, bei der sowohl ein professioneller ambulanter Pflegedienst als auch pflegende Angehörige an der Pflege beteiligt sind. Hierbei darf der für den Pflegedienst zur Verfügung stehende Betrag nicht aufgebraucht werden, wie Sie auf unserer Informationsseite über die Kombinationsleistung in der Pflege genauer nachlesen können.

Die Pflegekassen überweisen den Betrag zu Beginn des Monats auf das Konto der pflegebedürftigen Person oder deren Bevollmächtigte:n. Die Höhe des Geldes richtet sich dabei nach dem Pflegegrad des bzw. der Betroffenen. Obwohl oft gesagt wird, dass das Pflegegeld für Angehörige bestimmt ist, ist das nicht per se der Fall. Das Geld wird dem oder der Pflegebedürftigen auf sein oder ihr eigenes Konto überwiesen und ist dafür bestimmt, die pflegenden Angehörigen zu entlasten.

Daher können mit dem monatlichen Betrag auch weitere Hilfen zum Beispiel für den Haushalt oder auch Betreuungsangebote bezahlt werden. Es obliegt also dem bzw. der Pflegebedürftigen, welchen Anteil des Geldes er oder sie den pflegenden Angehörigen als Aufwandsentschädigung zukommen lässt.

Der Anspruch auf Pflegegeld

Ein Anspruch auf Pflegegeld besteht in Deutschland für alle Menschen mit Pflegegrad 2 bis 5, die zu Hause gepflegt werden. Grundvoraussetzung für den Anspruch ist also der anerkannte Pflegegrad sowie die häusliche Pflege.

Sind Sie oder ein:e Angehörige:r von zunehmenden Einschränkungen der Selbständigkeit, sei es durch eine Erkrankung, einen Unfall oder Alterserscheinungen bedingt, betroffen, könnte ein Pflegegrad vorliegen. Um dies prüfen zu lassen, können Sie sich an Ihre zuständige Pflegekasse wenden, die Ihrer Krankenkasse angegliedert ist. 

Ein formloser Pflegegradantrag genügt um ein Pflegegradgutachten der Pflegeversicherung anzufordern. Hierzu besucht ein:e Mitarbeiter:in des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) die betroffene Person bei sich zu Hause und bewertet den Grad der Pflegebedürftigkeit anhand eines umfassenden Bewertungskataloges. Ausführliche Informationen zu dieser Bewertung haben wir Ihnen in unserem Artikel zur MDK Begutachtung bereitgestellt.

Der Ausgang eines solchen Gutachtens hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Sobald Sie aber mindestens Pflegegrad 2 anerkannt bekommen, haben Sie Anspruch auf Pflegegeld sowie verschiedene weitere Pflegeleistungen.

Hier finden Sie Informationen zu den einzelnen Pflegegraden

Pflegegeld Tabelle – Höhe des Pflegegeldes in 2021

Die Pflegegeld Höhe hängt vom Pflegegrad ab: Das Pflegegeld bei Pflegegrad 3 ist höher als bei Pflegegrad 2. Das Pflegegeld von Pflegegrad 4 und Pflegegrad 5 sind jeweils höher als die vorhergehende Stufe, wobei der Zuwachs zur jeweiligen Vorstufe unterproportional ist. 

Folgende monatlichen Beträge gelten für das Pflegegeld 2021. Ursprünglich war im Rahmen der Pflegereform 2021 eine Pflegegeld Erhöhung vorgesehen, die allerdings wieder verworfen wurde.

* Pflegebedürftige mit Pflegegrad 1 haben keinen Anspruch auf Pflegegeld. Die Pflegeversicherung zahlt aber bei allen Pflegegraden, so auch bei Pflegegrad 1, monatlich einen Entlastungsbetrag von 125 Euro, der wie das Pflegegeld frei verwendet kann.

Pflegegeld Tabelle 2021

Auszahlung und Auszahlungstermine

Die Pflegekassen setzen die Pflegegeld Auszahlungstermine in der Regel zu Beginn des Monats an. Das Geld wird dabei direkt an den oder die Pflegebedürftige:n überwiesen. Es sei denn diese:r hat eine andere Person per Vorsorgevollmacht berechtigt, das Geld zu erhalten und zu verwalten.

Bei erstmaligem Antrag auf Pflegegrad kann das Pflegegeld sogar rückwirkend bis zu dem Zeitpunkt des Eingangs des Pflegegradantrags ausgezahlt werden. Daher unser Tipp: Stellen Sie den Antrag so früh wie möglich.

Die Pflegegeld Versteuerung

Als Aufwandsentschädigung für pflegende Angehörige und für die Bezahlung weiterer Hilfen ist das Pflegegeld steuerfrei. Sowohl für den oder die Pflegebedürftige:n, als auch für die pflegenden Angehörigen. Es handelt sich hier ja nicht um einen echten Lohn, sondern um eine Aufwandsentschädigung. Erhalten Sie als pflegende:r Angehörige:r also regelmäßig Geld von einem oder einer pflegebedürftigen Angehörigen, muss das Pflegegeld nicht versteuert werden.

Pflegebedürftige brauchen keine Rechenschaft über die Verwendung des Geldes ablegen. Eine Ausnahme stellt allerdings der Fall dar wenn die Pflegeversicherung der Meinung ist, dass das Pflegegeld für eine regelwidrige Nutzung verwendet wird. Zum Beispiel kann nicht eine professionelle Pflegekraft extra Aufgaben übernehmen und für diese mit einer Zahlung auf die Hand vergütet werden.

Pflegegeld bei Krankenhausaufenthalt

Ob Pflegegeld auch während einem Krankenhausaufenthalt gezahlt wird, ist eine schwer zu beantwortende Frage, die gesetzlich nicht klar geregelt ist. Hier müssen verschiedene Einzelfaktoren mit beachtet werden:

  • Wie lange dauert der Krankenhausaufenthalt?
  • Wie regelmäßig ist ein Krankenhausaufenthalt notwendig?
  • Welcher Pflegegrad liegt vor?
  • Welche Pflegeaufgaben übernehmen die Angehörigen auch während des Krankenhausaufenthalts?

Am besten wenden Sie sich im Fall eines Krankenhausaufenthalts an die Pflegeversicherung. Auf jeden Fall sollten Sie den Krankenhausaufenthalt melden um zu vermeiden, dass Sie im Nachhinein etwas zurückzahlen müssen.

Gesetzlich geregelt ist hingegen die Weiterzahlung des halben monatlichen Pflegegeldes, während der oder die Pflegebedürftige sich zum Beispiel wegen Urlaubs der Pflegeperson in Kurzzeitpflege befindet. Daher ist die Chance nicht schlecht, dass die Pflegeversicherung auch bei einem Krankenhausaufenthalt des oder der Pflegebedürftigen weiter Teile des Pflegegeldes zahlt.

Pflegegeld Rückforderung

Wenn der Verdacht einer Veruntreuung des Pflegeleistung besteht und sich der Verdacht bestätigt, hat die Pflegeversicherung das Recht, ausgezahltes Pflegegeld zurückzufordern.

Ebenso wird die Pflegekasse eventuell genau wissen wollen, welche Pflegetätigkeiten während eines Krankenhausaufenthalts weiterhin von pflegenden Angehörigen durchgeführt werden.

Pflegegeld ohne Pflegeperson

Haben Sie einen anerkannten Pflegegrad von mindestens 2, steht Ihnen normalerweise dann Pflegegeld zu, wenn Sie keinen ambulanten Pflegedienst für Ihre Pflege engagiert haben. 

Nutzen Sie einen ambulanten Pflegedienst, können Sie dennoch Anspruch auf einen anteiligen Betrag haben, wenn der Pflegedienst nicht das gesamte zur Verfügung stehende Budget für die Pflegeleistungen aufbraucht. Im Rahmen der sogenannten Kombinationspflege kann der Anteil am übrigen Pflegesachleistungsbudget trotz Pflegedienst in anteiliges Pflegegeld umgewandelt werden.

Die Auszahlung ist nicht an eine feste Pflegeperson gebunden. Solange Sie in geeigneter Weise selbst sicher stellen, dass die benötigte Pflege und Betreuung gewährleistet ist, können Sie auch Pflegegeld ohne Pflegeperson beziehen. Wie Sie das Geld verwenden, ist ebenso Ihnen überlassen.

Das Landespflegegeld in Bayern

Einen Sonderfall der Pflegegeldleistung gibt es im Bundesland Bayern. Seit Mai 2018 gibt es dort das Landespflegegeld. Bayern gewährt es zusätzlich zum allgemeinen Pflegegeld. Grundsätzlich ist das Landespflegegeld als Anerkennung für pflegende Angehörige gedacht und beträgt 1000€ pro Jahr.

Als sogenannte Fürsorgeleistung ist es eine nicht steuerpflichtige Einnahme. Bayern hat dafür ein Landesamt für Pflege eingerichtet. Grundsätzlich gilt, Antragssteller beantragen das Landespflegegeld einmalig. Der Anspruch überträgt sich automatisch auf die folgenden Pflegejahre.

Voraussetzungen für das Landespflegegeld

  • Es muss mindestens ein Pflegegrad 2 oder höher vorliegen
  • Der oder die Pflegebedürftige muss zum Zeitpunkt der Antragsstellung den Hauptwohnsitz in Bayern haben
  • Zur Zeit ist das Landespflegegeld auf das Bundesland Bayern begrenzt

Sie haben die Möglichkeit das Landespflegegeld bei den Finanzämtern, den Landratsämtern und beim Zentrum für Familie und Soziales in Bayern zu beantragen.

Quellen:

Bundesgesundheitsministerium: Pflegegeld

Pflegeberatung für Deutschland: Das Pflegegeld – Welche Leistungen können Pflegebedürftige in den einzelnen Pflegegraden beziehen?

Wissen in der Box: Pflegegeld

Darunter versteht man eine Pflegeleistung der Pflegeversicherung, die allen Pflegebedürftigen ab Pflegegrad 2 zusteht.

Alle Menschen mit Pflegegrad 2, 3, 4, oder 5, die zu Hause gepflegt werden.

Die Höhe des Betrags ist abhängig vom Pflegegrad und ist umso höher, je höher der Pflegegrad ist.

In der Regel wird es zu Beginn des Monats direkt an den oder die Pflegebedürftige:n überwiesen.

Ja, es ist sowohl für den bzw. die Pflegebedürftige als auch für die pflegenden Angehörigen steuerfrei.

Dies hängt von verschiedenen Einzelfaktoren ab und sollte am besten mit der Pflegeversicherung abgesprochen werden.

Bei Bestätigung des Verdachtes einer Veruntreuung oder einer Überzahlung kann es zu einer Rückforderung kommen.

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