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Dysphagie

Schluckbeschwerden (Dysphagie) - Wenn das Schlucken erschwert ist

Finja Berresheim
Finja Berresheim

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Bei Dysphagie handelt es sich um verschiedene Arten von Schluckbeschwerden bzw. Schluckstörungen. Aber was heißt das genau?

Jeder Mensch schluckt durchschnittlich bis zu 2000 Mal am Tag. Dabei handelt es sich um einen hochkomplexen neurologischen Vorgang an dem zahlreiche Strukturen beteiligt sind. Der Schluckvorgang gliedert sich in verschiedene Phasen und kann durch vielfältige Veränderungen im Bereich der einzelnen zusammenwirkenden Einheiten gestört sein. In diesen Fällen kann es zum Auftreten von Schluckstörungen, auch Dysphagien genannt, kommen.

Dysphagien können mit dem Risiko einer Fehl- und Unterernährung einhergehen und weitreichende Folgen haben, sodass eine frühzeitige Diagnostik und Therapie erstrebenswert ist.

Merken Sie bei sich selber oder bei einem oder einer pflegebedürftigen Angehörigen, dass mit dem Schlucken etwas nicht stimmt oder die Nahrungsaufnahme eingeschränkt wird, suchen Sie Ihren Hausarzt oder Ihre Hausärztin auf.

Inhalt

Wie der Schluckvorgang funktioniert

Bei einer Dysphagie ist der Schluckakt gestört, der normalerweise in drei Schritten erfolgt:

1

Zunächst wird in der oralen Phase in der Mundhöhle die Nahrung zerkleinert und mit Speichel vermischt. Der Nahrungsbrei gelangt Richtung Rachen und löst die eigentlichen Schluckbewegungen, den Schluckreflex, aus.

2

Im Rachen gelangt die Nahrung über die Muskulatur zur Speiseröhre. Die Luftröhre wird von Kehldeckel und Stimmlippen verschlossen, um sich vor dem Verschlucken zu schützen. Die Speiseröhre wiederum wird beim Atmen vom oberen Schließmuskel verschlossen.

3

In der letzten Phase wird der Speisebrei über Muskelbewegungen zum Magen transportiert. Am Ende der Speiseröhre öffnet sich der untere Schließmuskel. Schließt sich der Muskel wieder, ist der Schluckakt beendet. Gesteuert wird das Ganze von speziellen Zentren im Großhirn und im Stammhirn.

Dysphagie – Definition

Der Begriff Dysphagie ist der Fachbegriff für Schluckstörungen verschiedenster Ursachen. Die Symptome können beim Essen, Trinken und Schlucken von Speichel auftreten. Meist treten sie als Symptom verschiedenster Erkrankungen auf.

Die beim Schluckakt beteiligten Strukturen sind bei der Dysphagie in ihrer Funktion oder ihrem Zusammenspiel verändert und führen so zu Beschwerden im Schluckprozess. Dabei können Dysphagien sowohl mit Schmerzen verbunden sein als auch schmerzlos auftreten. In der Folge können sie zu maßgeblichen Einschränkungen im Bereich der Nahrungsaufnahme führen.

Die Behandlungsmöglichkeiten bei Schluckstörungen

Bei Dysphagie gibt es verschiedene Behandlungsoptionen. Die richtige Behandlung hängt von der konkreten Ursache ab. Bösartige Wucherungen etwa werden in der Regel operativ entfernt, meist in Kombination mit einer Bestrahlung und einer Chemo-Therapie. Gutartige Wucherungen können bei einer Speiseröhren-Spiegelung behandelt werden, z.B. mit Laser, Stents oder aufblasbaren Ballons. In einigen Fällen können bei Dysphagie auch Medikamente eingesetzt werden.

  •  Patient:innen können Beschwerden lindern, indem sie nachts bis etwa 20 Grad hochgelagert auf der linken Seite schlafen.
  •  Nehmen Sie kleine Bisse zu sich und kauen Sie lange. 
  •  Der Verzicht auf Alkohol und Nikotin kann das Risiko senken.
  •  Einige Patient:innen müssen die Speisen auch pürieren oder passieren.
  •  Bei Sodbrennen und Dysphagie sollten Patienten frühzeitig zum Arzt gehen.
  •  Bei Flüssigkeiten können Pulver zum Eindicken helfen.

Die Ursachen einer Dysphagie

Schluckstörungen können verschiedenste Ursachen haben. Dabei kann man Dysphagien je nach Entstehungsursache in oropharyngeale und ösophageale Schluckstörungen unterteilen.

Oropharyngeale Schluckstörungen

Oropharyngeale Schluckstörungen entstehen meist durch regionale Veränderungen oder neurologische Störungen. Dazu gehören vor allem folgende Ursachen:

  • Entzündliche Veränderungen beispielsweise starke Vergrößerung und Entzündung der Rachenmandeln
  • Bösartige Veränderungen im Bereich des Mundes und Rachens
  • Neurologische Störungen beispielweise Schlaganfälle oder Hirnblutungen, Demenzen, Schädel-Hirn-Traumata, Hirnhautentzündungen, Multiple Sklerose

Ösophageale Schluckstörungen

Ösophageale Schluckstörungen hingegen sind meist durch Veränderungen der Speiseröhre bedingt. Besonders wichtige Ursachen könne dabei folgende sein:

  • Gutartige Neubildungen im Bereich der Speiseröhre
  • Bösartige Neubildungen beispielsweise Speisenröhrenkrebs
  • Veränderungen außerhalb der Speiseröhre beispielsweise Aortenaneurysmen, Vergrößerungen der Schilddrüse, Tumoren im Brustraum

Typische Ursachen für Schluckstörungen im Alter sind dabei vor allem Demenzerkrankungen, Bewegungsstörungen, Antriebsstörungen sowie Presbyphagien. Darunter versteht man altersbedingte Veränderungen der Strukturen, welche am Schluckakt beteiligt sind. Dazu gehören unter anderem Zahnverlust, ein verlangsamter Schluckreflex, ein altersbedingter Abbau der entsprechenden Muskulatur sowie reduzierter Speichelfluss und damit trockene Schleimhäute.

Schluckstörungen bei Demenzen treten sehr häufig als Symptom auf, entwickeln sich aber meist erst im späteren Verlauf der Erkrankung.

Pflegen Sie einen oder eine Angehörige:n bei dem oder der ein oder mehrere der obenstehenden Symptome auftreten, sprechen Sie den zuständigen Hausarzt oder die zuständige Hausärztin an.

Des Weiteren ist hier auch die funktionelle Dysphagie zu nennen. Patient:innen mit dieser Form der Schluckstörung haben ein Fremdkörpergefühl ohne eine nachweisbare Ursache, welche die Schluckbehinderung erklären könnte. Beim aktiven Schlucken von Nahrung oder Flüssigkeiten kommt es zu einer Verbesserung der Schluckstörung. In Ruhe hingegen besteht ein ausgeprägtes Fremdkörper- und Engegefühl. Bei der funktionellen Dysphagie handelt sich um eine Ausschlussdiagnose.

Die Symptome einer Schluckstörung

Eine Dysphagie kann mit verschiedenen Beschwerden einhergehen. Dabei unterscheiden sich diese auch im Hinblick auf die Ursache der Schluckstörung. Typische Symptome einer Schluckstörung können dabei folgende sein:
  • Schmerzen beim Schlucken
  • Druck- oder Engegefühl
  • Aufstoßen von Nahrung
  • Unter- und Mangelernährung
  • Gewichtsverlust
  • Dehydratation
Schmerzen beim Schlucken, werden auch als Odynophagie bezeichnet. Diese können sich beispielsweise durch Sodbrennen äußern. Auch kann es zu einem unangenehmen Druck- oder Engegefühl während des Schluckaktes kommen. Des Weiteren kommt es bei Dysphagien häufig zum Aufstoßen von Nahrung in den Mund- und Rachenraum. Dies kann für Betroffene sehr unangenehm sein und auch das Risiko einer Aspiration von Nahrungsbestandteilen in die Atemwege erhöhen. Eine Dysphagie kann somit auch eine Lungenentzündung begünstigen. Im Verlauf einer Schluckstörung kann es bei nicht ausreichender Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme zu einer Unter- oder Mangelernährung kommen. Dies kann mit einem ausgeprägten Gewichtsverlust verbunden sein. Diese Entwicklung kann zusätzlich durch eine Appetitminderung der Betroffenen verstärkt werden. Im Rahmen der reduzierten Flüssigkeitsaufnahme kann es auch zu einer Dehydrierung kommen. Hier sind vor allem ältere Patienten gefährdet, da deren Durstgefühl meist ebenfalls vermindert ist. Auch hohe Außentemperaturen oder zusätzliche Infekte können einen erhöhten Flüssigkeitsbedarf bedingen und den Effekt negativ verstärken.

Leiden Sie oder Ihre Angehörigen unter einer Schluckstörung sollten Sie besonders auf eine ausreichende Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme achten. Im Rahmen der Pflegemaßnahmen bei Schluckstörungen ist die Gewährleistung eines ausreichenden Flüssigkeitshaushaltes von entscheidender Bedeutung.

Die Diagnose einer Dysphagie

Bei Verdacht auf eine Schluckstörung sollte Ihr erster Ansprechpartner Ihr Hausarzt oder Ihre Hausärztin sein.

Bei akutem Auftreten einer Schluckstörung oder weiteren Symptomen zögern Sie jedoch nicht den Notruf zu wählen. Hier können ernste Krankheiten wie ein Schlaganfall ausgeschlossen werden.

Ihr Hausarzt bzw. Ihre Hausärztin wird bei Ihnen zunächst eine ausführliche Anamnese und körperliche Untersuchung durchführen. Dabei liegt hier der Fokus auf Fragen hinsichtlich relevanter Vorerkrankungen und Risikofaktoren sowie der Erfassung der Beschwerden und dem zeitlichen Verlauf. Anschließend erfolgt eine fokussierte körperliche Untersuchung. Hierbei wird vor allem der Mund- und Rachenraum untersucht sowie der Schluck- und Kauvorgang bewertet. Meist kann Ihr Hausarzt bzw. Ihre Hausärztin dann bereits eine erste Einordnung der Beschwerden vornehmen. Gegebenenfalls wird er oder sie Sie anschließend an spezialisierte Fachärzt:innen zur genaueren Diagnostik und Therapie überweisen.

Liegen bei Ihnen Hinweise auf eine oropharyngeale Schluckstörung vor, können durch weitere diagnostische Verfahren die Ursachen gefunden werden.

Bei Verdacht auf entzündliche Veränderungen sowie gutartige oder bösartige Neubildungen im Bereich des Mund- und Rachenraumes wird meist eine Untersuchung durch Ärzt:innen der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde notwendig. Diese haben besondere Spiegelmöglichkeiten wie beispielsweise Larnygoskope, um die entsprechenden Regionen besser einsehen zu können.

Gibt es Hinweise auf mögliche Veränderungen oder Engstellen kann in einigen Fällen auch eine Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel hilfreich sein. Diese wird während des Schluckaktes durchgeführt und kann die Diagnostik unterstützen.

Bei Verdacht auf neurologische Ursachen wie beispielsweise einen Schlaganfall kann zudem eine Bildgebung des Kopfes und neurologische Diagnostik notwendig werden.

Bei Verdacht auf eine ösophageale Schluckstörung sollte hingegen eine Spiegelung der Speiseröhre und gegebenenfalls des Magens erfolgen. Hierbei können Veränderungen der Schleimhaut entdeckt und Proben zur genaueren Untersuchung entnommen werden.

Auch hier kann eine Röntgenuntersuchung der Speiseröhre mit Kontrastmittel sinnvoll sein.

Der Wasserschluck-Test

Nützlich ist auch der Wasserschluck-Test, bei dem die Patient:innen einige Schlucke trinken und dann anschließend sprechen sollen. Dabei kann eine Veränderung der Stimme, ein übermäßiger Würgereflex, starker Husten oder Austritt des Wassers durch die Nase festgestellt werden. Außerdem kann der Arzt oder die Ärztin mit einem Screening mit einer beweglichen Sonde den Schluckakt nachvollziehen. Zudem wird er oder sie die Lymphknoten auf mögliche Wucherungen überprüfen. In einzelnen Fällen kann auch eine Spiegelung der Speiseröhre sowie des Magens oder auch Röntgenaufnahmen notwendig sein.

Die Therapiemöglichkeiten einer Dysphagie

Ziel der Dysphagie Behandlung ist der Erhalt der Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme sowie die Prävention möglicher Komplikationen und Folgeerscheinungen. Aus diesem Ziel heraus ergibt sich ein multiprofessioneller Ansatz.

Die Therapie von Schluckstörungen stützt sich dabei vor allem auf die Behandlung der Grunderkrankung und Vermeidung einer Verschlimmerung (Progredienz) sowie Entwicklung von Komplikationen.

Hierbei ist meist auch eine Behandlung durch Logopäd:innen und Sprachtherapeut:innen sinnvoll. Durch gezielte Übungen der entsprechenden Muskulatur ist es in einigen Fällen möglich, die Schluckfähigkeit zu verbessern oder eine Progredienz zu verhindern. Durch spezielle Lagerungen und Haltungsänderungen kann zudem eine Erleichterung der Nahrungsaufnahme erreicht und die Beschwerden reduziert werden.

Sind Sie oder Ihr:e Angehörige:r von Schluckstörungen betroffen, nehmen Sie alle Angebote des Therapeut:innenteams wahr. Durch eine Einweisung ist es zum Beispiel möglich, dass Sie eigenständig bestimmte Lagerungen und Haltungsänderungen durchführen oder bei Angehörigen anleiten können, die die Schluckstörung verbessert.

In Absprache mit den Therapeut:innen und Ärzt:innen kann zudem ein adäquater und individueller Ernährungsplan angesetzt werden, welcher den Organismus trotz Schluckstörung mit genügend Nährstoffen versorgt. Hierbei ist es ebenfalls möglich auf spezielle hochkalorische Getränke oder Puddings zur Ergänzung zurückzugreifen. Auch eine Andickung der Getränke oder anderer Speisen ist möglich, um ein Verschlucken zu vermeiden und den Schluckakt zu unterstützen.

Bei älteren Patient:innen kann auch eine Anfeuchtung der Schleimhäute bei reduziertem Speichelfluss hilfreich und erleichternd sein. Dies können Sie beispielsweise durch einfache Pflegemaßnahmen wie angefeuchtete Mundpflegestäbchen vornehmen. Das Anfeuchten beugt zudem schmerzhaften Rissen der Schleimhäute vor.

Bei schmerzhaften Schluckstörungen ist eine medikamentöse Behandlung ergänzend zur Dysphagietherapie möglich. Falls die Beschwerden mit Sodbrennen einhergehen, ist beispielsweise die Einnahme von Säureblockern in vielen Fällen hilfreich. Diese reduzieren die Produktion der Magensäure und verhindern somit ein Aufsteigen der Säure in die Speiseröhre. Auch das Vermeiden fettiger Mahlzeiten und von spätem Essen sowie eine aufrechte Körperhaltung können die Symptomatik positiv beeinflussen.

Dysphagie – Die vorbeugenden Maßnahmen

Dysphagien sind auf vielfältige Erkrankungen zurückzuführen. Einige dieser ursächlichen Erkrankungen sind dabei mit spezifischen Risikofaktoren assoziiert.

Dazu gehören unter anderem übermäßiger Nikotin- und Alkoholkonsum. Gerade im Hinblick auf die Entstehung bösartiger Tumoren im Mund-, Rachen- und Speiseröhrenbereich ist hier eine Risikoreduktion zu verzeichnen. Konsumieren Sie selbst oder Ihr Angehöriger regelmäßig Alkohol oder Rauchen Sie und haben den Wunsch aufzuhören, können Sie sich hierzu von Ihrem Hausarzt beraten und unterstützen lassen.

Zudem kann eine gesunde und ausgewogene Ernährung sowie regelmäßige Bewegung das Risiko, beispielsweise für einen Schlaganfall, senken. Bereits regelmäßige Spaziergänge können hier einen entscheidenden Beitrag leisten und sind für Sie und Ihre Angehörigen in jedem Alter gesund. Gegenseitig können Sie sich hierfür gut motivieren und gemeinsam eine schöne Zeit verbringen.

Zur Vorbeugung der Komplikationen von Schluckstörungen ist eine frühzeitige Diagnostik und Therapie zur Unterstützung der noch vorhandenen Schluckfunktion entscheidend.

Quellen:

  • Herold, G. (2016). Herold Innere Medizin 2018.
  • Hahn, J. M. (2010). Checkliste Innere Medizin. Georg Thieme Verlag.
  • Motzko, M. & Weinert, M. (2005). Dysphagie-Ursachen, Diagnostik und Behandlung. Ernärhung & Medizin, 20(03), 133-136.
  • Piper, W. (2012). Innere Medizin. Springer-Verlag.

Wissen in der Box: Dysphagie

Die Dysphagie ist eine Störung des Schluckvorgangs.

Bösartige Wucherungen werden in der Regel operativ entfernt. Gutartige Wucherungen können bei einer Speiseröhren-Spiegelung behandelt werden.

Man kann sie je nach Entstehungsursache in oropharyngeale und ösophageale Schluckstörungen unterteilen.

Es sind Störungen, die durch regionale Veränderungen oder neurologische Störungen entstehen.

Diese sind durch Veränderungen der Speiseröhre bedingt.

Schmerzen beim Schlucken, Druck- oder Engegefühl, Aufstoßen von Nahrung, Dehydratation oder Gewichtsverlust.

Eine Behandlung durch Logopäd:innen oder Sprachtherapeut:innen ist sinnvoll. Zudem könnte ein individueller Ernährungsplan hilfreich sein.