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Nervenkrankheiten

Nervenkrankheiten – Arten, Ursachen, Symptome & Therapie

Claudia Barredo
Claudia Barredo

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Nervenkrankheiten bzw. Neurologische Erkrankungen sind vielfältig und sie können in jedem Alter vorkommen. Bestimmte Krankheiten, wie Multiple Sklerose, Meningitis und Epilepsie, treten häufig im jungen Erwachsenenalter oder sogar im Kindesalter auf. Die Demenz und die Parkinson-Krankheit sind typischerweise Erkrankungen des höheren Alters. Die Polyneuropathie ist in unserer westlichen Gesellschaft sehr verbreitet und tritt vor allem im mittleren und höheren Alter auf. Aufgrund dieser Vielfalt kennt fast jeder Mensch in seinem persönlichen Umfeld mindestens eine Person, die an einer neurologischen Krankheit leidet.

Dieser Artikel dient dazu, Ihnen einen Überblick über das umfangreiche Gebiet der neurologischen Erkrankungen zu geben. Bei weiteren Fragen zu dieser Thematik ist Ihr behandelnder Hausarzt bzw. Ihre Hausärztin oder Neurolog:in der oder die geeignete Ansprechpartner:in.

Inhalt

Überblick über die Nervenkrankheiten

Es existieren unendlich viele verschiedene neurologische Erkrankungen. Laut der deutschen Gesellschaft für Neurologie sind die zehn häufigsten neurologischen Erkrankungen in Deutschland:

  • Schlaganfall (Hirninfarkt)
  • Hirnblutungen
  • Schädel-Hirn-Trauma (früher: Gehirnerschütterung)
  • Parkinson
  • Multiple Sklerose
  • Hirnhautentzündungen (Meningitis)
  • Epilepsie
  • Kopfschmerzen, Migräne
  • Polyneuropathie
  • Gehirntumore

Die Einteilung von Nervenkrankheiten in Gruppen

Neurologische Krankheiten können grob in verschiedene Gruppen eingeteilt werden. Die folgende Tabelle soll Ihnen einen Überblick einer möglichen Gruppierung, einschließlich einiger bekannter Beispiele, geben.

GruppeBeispiele
Bewegungsstörungen

Parkinson-Krankheit

Chorea Huntington (Veitstanz)

Entzündliche ErkrankungenMultiple Sklerose (MS)
KopfschmerzenMigräne
DemenzenAlzheimer-Demenz
EpilepsienRolando-Epilepsie

West-Syndrom
InfektionenHirnhautentzündung (Meningitis)
Neuromuskuläre ErkrankungenMyasthenia gravis
Zerebrovaskuläre Erkrankungen (die Blutgefäße des Gehirns und Rückenmarks betreffend)

Schlaganfall

Hirnblutung

Erkrankungen der peripheren NervenPolyneuropathie
Motoneuron-KrankheitenAmyotrophe Lateralsklerose (ALS)
Neoplastische (neuformende) ErkrankungenGehirntumoren

Neben diesen Gruppierungen sind auch andere Einteilungen möglich. Die Gruppe der degenerativen Nervenerkrankungen zum Beispiel schließt unter anderem die Parkinson-Krankheit, Alzheimer-Demenz und ALS ein.

Die häufigsten Symptome von Nervenkrankheiten

Die Symptome, die bei Nervenkrankheiten auftreten können, sind sehr vielfältig. Im Folgenden wird eine Auswahl aufgeführt.

  • Schmerzen: Kopfschmerzen, zum Beispiel bei Migräne, oder Rückenschmerzen, zum Beispiel bei einem Bandscheibenvorfall.
  • Muskuläre Beschwerden: Muskelschmerzen, -schwäche oder -bewegungen, die Sie nicht beabsichtigt haben. Auch eine Muskelstarre oder -steife kann vorkommen.
  • Sinneswahrnehmungsstörungen: Zum Beispiel Taubheit, Kribbeln oder Stechen der Haut.
  • Veränderungen der Wahrnehmungen der Sinnesorgane: Doppelbilder, Geruchs- und/oder Geschmacksverlust, optische oder akustische Halluzinationen.
  • Schlafstörungen
  • Veränderungen des Bewusstseins: Zum Beispiel Bewusstlosigkeit, Krampfanfälle oder Koma.
  • Veränderungen der geistigen Fähigkeiten: Wortfindungsstörungen, gestörtes Sprachverständnis, Gedächtnisverlust, Konzentrationsstörungen, Vergessen, wie man Alltagsaufgaben durchführt.
  • Schwindel
  • Undeutliche Sprache
  • Änderungen des Verhaltens und der Emotionen. Dies können Mitbewohner:innen, Partner:innen oder Familienmitglieder, die Sie lange und gut kennen, meist am besten beurteilen.

Die Symptome können von harmloseren, häufig auch bei Gesunden auftretenden Beschwerden wie Kopfschmerzen bis hin zu alarmierenden Erscheinungen wie die Unfähigkeit, Alltagstätigkeiten auszuführen, reichen.

Falls Ihnen neue Symptome bei sich oder einer oder einem Angehörigen auffallen, die auf Erkrankungen des Nervensystems hindeuten können, so ist Ihre behandelnde Hausärztin bzw. Ihr Hausarzt der oder die geeignete Ansprechpartner:in.

Rufen Sie jedoch in folgenden Situationen sofort den Notruf 112:

  • Plötzliche, stärkste Kopfschmerzen: Diese können auf eine Hirnblutung hinweisen.
  • Lähmungen der Arme oder Beine, wenn Sie oder umstehende Menschen das Gefühl haben, Ihr Gesicht sähe ungewohnt schief und unsymmetrisch aus oder bei Sprechschwierigkeiten: Ein Schlaganfall könnte dahinterstecken.
  • Plötzliche Rückenschmerzen und Lähmung bzw. vollständiger Kraftverlust eines Beines oder Armes: Möglich ist ein Bandscheibenvorfall. Dies gilt auch, wenn Sie plötzlich Ihren Urin oder Stuhl nicht mehr wie gewohnt halten können.
  • Wenn Sie oder jemand im Familien- oder Freundeskreis zum ersten Mal einen epileptischen Anfall erleidet. Der typische generalisierte Grand-Mal-Anfall äußert sich durch Muskelzuckungen und Muskelstarre. Auch der Verlust von Urin oder Stuhl ist möglich.
  • Bei Bewusstlosigkeit, die länger als wenige Sekunden dauert und nicht durch zu schnelles Aufstehen, zu weniges Trinken, Aufregung oder langes Stehen verursacht wurde.
  • Beim Vorfinden einer bzw. eines Angehörigen, Partner:in oder Mitbewohner:in in einem akut deliranten Zustand.

Treten bei Ihnen die oben beschriebenen akuten Symptome auf, fahren Sie keinesfalls selbst in die nächste Notaufnahme. Die Fahrtüchtigkeit ist bei den meisten akuten Nervenerkrankungen nicht mehr gegeben.

So erkennen Sie neurologische Ausfälle

Je nachdem, welcher bestimmte Teil des Nervensystems betroffen ist, kann es zu ganz unterschiedlichen neurologischen Ausfällen kommen. Ist zum Beispiel ein Nerv des Armes beschädigt, so können möglicherweise bestimmte Finger nicht mehr gestreckt oder gebeugt werden.

Wird durch einen Schlaganfall ein Abschnitt des Gehirns nicht mehr durchblutet, der normalerweise die Kontrolle darüber hat, welche Muskeln einer Gesichtshälfte bewegt werden, so wirkt diese Gesichtshälfte schlaff und kann nicht mehr bewegt werden. Ist eine Region von einem Schlaganfall betroffenen, die die Sprache steuert, so kann der oder die Betroffene möglicherweise nicht mehr deutlich sprechen, oder auch Sprache nicht mehr verstehen.

Holen Sie sich immer ärztlichen Rat, sobald Sie bei sich oder einer anderen Person den Verdacht auf einen neurologischen Ausfall haben.

So verhalten Sie sich am besten bei neurologischen Auffälligkeiten

Viele neurologische Krankheiten sind heutzutage wesentlich besser behandelbar als früher. Gegen die Parkinson-Krankheit und gegen Multiple Sklerose gibt es mehr Therapieformen. Und auch die Epilepsie stellt nicht mehr denselben Kontrollverlust dar wie einst.

Vermuten Sie bei sich eine Nervenkrankheit, zum Beispiel, weil oben genannte Symptome vorliegen, so ist als erstes Ihr:e Hausärzt:in der bzw. die geeignete Ansprechpartner:in. Er oder sie wird Sie gründlich untersuchen und entscheiden, ob der Verdacht begründet ist. Falls ja, kann sie Sie an eine:n Neurolog:in überweisen, der bzw. die die weitere Diagnostik durchführen kann. Zögern Sie nicht, sich frühzeitig an Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt zu wenden, anstatt Beschwerden monate- oder gar jahrelang auszuhalten. Die Behandlungsaussichten sind meist besser, je früher mit der Therapie begonnen wird.

Außerdem kann es helfen, Angehörigen, Partner:innen oder Mitbewohner:innen von der Erkrankung zu erzählen. Bei vielen neurologischen Krankheiten werden Sie zumindest zeitweise Hilfe benötigen. Die psychische Belastung ist ebenfalls nicht zu unterschätzen. Lassen Sie sich jedoch nicht alles abnehmen, auch wenn Ihr Umfeld Sie schonen und unterstützen möchte. Für alle Betroffene egal welcher neurologischen Krankheit ist es sowohl für Psyche als auch für die körperliche Situation wichtig, all das selbstständig zu tun, was selbstständig geht.

Angehörigen mag es häufig schwerfallen, zuzusehen und Tätigkeiten nicht abzunehmen, die anstrengend oder mühselig erscheinen. Damit tun Sie jedoch niemandem einen Gefallen, sich selbst nicht, und dem bzw. der Betroffenen nicht. Dies bedeutet nicht, dass Sie jemandem, der Hilfe braucht, nicht die Treppe hinaufhelfen. Aber wenn beispielsweise normales Besteck aufgrund einer Polyneuropathie nicht mehr benutzt werden kann, suchen Sie lieber gemeinsam Lösungsstrategien. Besorgen Sie zum Beispiel dickeres Besteck, das der oder die Betroffene benutzen kann, anstatt das Fleisch vorzuschneiden. Dies erhält der oder dem Betroffenen die Autonomie und entlastet zudem Sie als Angehörige:n.

Die Behandlung von neurologischen Erkrankungen

Auch wenn die Therapie abhängig von der jeweiligen Diagnose ist, gibt es einige Gemeinsamkeiten bei der Therapie von Nervenkrankheiten. Bei den meisten neurologischen Krankheiten besteht die Therapie aus den folgenden Bestandteilen.

  • Stehen Medikamente zur Verfügung, so werden diese eingesetzt.
  • Besonders bei Bandscheibenvorfällen, Hirnblutungen und Gehirntumoren spielt die Operation eine wichtige Rolle in der Therapie.
  • Gehirntumore können, je nach Tumor, Bestrahlungs- und Chemotherapie erhalten.
  • Bei speziellen Krankheiten, unter anderem der Parkinson-Krankheit oder der Epilepsie, kann die tiefe Hirnstimulation Teil der Therapie sein.
  • Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Physio- und Ergotherapie. Ihr Ziel ist es, die Betroffenen nach einer akuten Krankheit wieder auf die Beine zu bringen oder, bei fortschreitender Nervenschädigung, die Alltagsfunktionen zu erhalten und Muskeln zu kräftigen. Viele Physio- und Ergotherapeut:innen kennen zudem häufig praktische Tipps für den Alltag, um aufkommende Schwierigkeiten zu erleichtern und die Selbstständigkeit zu erhalten. Dies kann eine spezielle Technik des Treppensteigens oder auch des Essens sein.
  • Vielen Betroffenen tut auch eine begleitende psychologische Betreuung oder eine Psychotherapie gut. Der Verlust von Alltagskompetenz oder auch der Arbeitsfähigkeit und der Kontrollverlust über den eigenen Körper kann viele Ängste schüren. Dies gilt für die Betroffenen selbst, aber auch für nahe Angehörige. Dieser Aspekt wird häufig vernachlässigt oder von Betroffenen und Angehörigen nicht wahrgenommen, da die körperlichen Beschwerden oder die medizinische Versorgung im Vordergrund stehen. Lehnen Sie eine angebotene psychologische Betreuung oder ein Beratungsgespräch daher nicht vorschnell ab, sondern denken Sie einige Tage darüber nach, bevor Sie sich entscheiden.

Leider sind viele Nervenkrankheiten noch immer nicht heilbar, da sich Nerven, anders als andere Körperzellen, nur schwer regenerieren. Dies ist zum Beispiel bei der Alzheimer-Demenz und bei der Parkinson-Krankheit der Fall. Durch eine gute Behandlung kann das Fortschreiten jedoch im Idealfall verlangsamt werden.

Wie Sie bestimmten Nervenerkrankungen vorbeugen können

Das Problem an den vorbeugenden Maßnahmen gegenüber vielen Nervenkrankheiten liegt in der Unbekanntheit der Ursachen. Bei einigen der häufigen Nervenkrankheiten wie MS und Alzheimer sind die Ursachen noch nicht vollständig bekannt. Auch weniger bekannte Nervenkrankheiten wie zum Beispiel die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), an der unter anderem Stephen Hawking litt, hat in den allermeisten Fällen eine unbekannte Ursache.

Bei anderen Nervenkrankheiten können gewisse vorbeugende Maßnahmen helfen. In der Regel ist ein gesunder Lebensstil sowie die Vermeidung von Nervenkrankheiten auslösenden weiteren Vorerkrankungen die beste vorbeugende Maßnahme.

Epileptische Anfälle können unter anderem durch Alkoholmissbrauch oder -entzug oder auch Drogenmissbrauch begünstigt oder verursacht werden. Drogenabstinenz sowie maximal mäßiger Alkoholkonsum könnten daher einen schützenden Einfluss haben. Allerdings können auch starke Müdigkeit durch zu wenig Schlaf, Fieber oder Unterzuckerung einen epileptischen Anfall verursachen. Es ist daher kaum möglich, das Risiko vollständig zu vermeiden.

Schlaganfälle passieren häufig auf der Basis von Arteriosklerose. Durch die Vermeidung dieser Erkrankung durch eine gesunde Ernährung und ausreichende körperliche Bewegung oder, wenn nötig, fettsenkende Medikamente kann das Risiko gesenkt werden. Auch Vorhofflimmern des Herzens ist ein wichtiger Risikofaktor für einen Schlaganfall. Hier kann eine blutverdünnende Therapie das Risiko senken.

Eine sehr verbreitete neurologische Erkrankung, der vorgebeugt werden kann, ist die Polyneuropathie. Diese äußert sich vor allem durch Gefühllosigkeit an Händen und Füßen. Die Polyneuropathie kann viele verschiedene Ursachen haben. Die häufigsten Ursachen in der westlichen Gesellschaft sind jedoch Alkoholmissbrauch und Diabetes mellitus. Durch die Vermeidung dieser beiden Faktoren kann daher das Risiko, eine Polyneuropathie zu entwickeln, deutlich gesenkt werden.

Quellen:

Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Die zehn häufigsten neurologischen Erkrankungen

Neurologienetz: Neurologische Erkrankungen

Wissen in der Box: Nervenkrankheiten

Bei einem neurologischen Anfall fällt eine Körperfunktion weg, die normalerweise durch das Nervensystem gesteuert wird. Durch den Defekt eines Gehirnabschnittes oder eines Nervs kann dieser seine spezifische Aufgabe nicht mehr ausführen.

Die Behandlung hängt ganz entscheidend von der Art der Krankheit ab. Es gibt daher keine pauschale Therapie für Nervenkrankheiten, sondern jede Krankheit und jede:r Betroffene wird individuell behandelt.

Vermuten Sie bei sich eine Nervenkrankheit, so ist als erstes Ihr:e Hausärzt:in der oder die geeignete Ansprechpartner:in. Außerdem kann es helfen, Angehörigen, Partner:innen oder Mitbewohner:innen von der Erkrankung zu erzählen.

Den meisten neurologischen Erkrankungen, wie zum Beispiel der Multiplen Sklerose oder der Alzheimer-Demenz, kann man, außer durch einen ohnehin anzustrebenden gesunden Lebensstil, nicht gezielt vorbeugen.