Zusammenhang von Wechseljahren und Blasenschwäche

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Elisabeth Vatareck

Mikrobiologin und Medizinjournalistin

Inhaltsverzeichnis

In den Wechseljahren ändert sich Vieles im Körper einer Frau. Der Hormonhaushalt stellt sich um und die Menstruation bleibt schließlich aus. Typische Beschwerden wie Hitzewallungen, Schlafstörungen oder Schweißausbrüche sind in aller Munde. Neben diesen bekannten Symptomen bekommen viele Frauen jedoch auch Probleme beim Wasserhalten.

Inkontinenz ist ein sehr unangenehmes Thema, über das kaum eine Frau gerne spricht. Dadurch sind Blasenprobleme als klassisches Symptom der Wechseljahre weniger bekannt. Urologen schätzen jedoch, dass bis zu zwei Drittel der Frauen in den Wechseljahren unter Blasenschwäche leiden.

Für Blasenprobleme in der Menopause muss sich keine Frau schämen. Wenn Sie während der Wechseljahre Probleme mit einer Harninkontinenz haben, müssen Sie daher keinerlei Scheu haben, einen Arzt oder eine Ärztin aufzusuchen. Die Beschwerden können meist mit einfachen Therapiemaßnahmen effektiv gelindert werden.

So entsteht eine Blasenschwäche in den Wechseljahren

Die durch Wechseljahre bedingte Inkontinenz hängt in erster Linie mit einer Umstellung der Hormone zusammen. Diese bringt einige Veränderungen mit sich, die ungünstige Auswirkungen auf die Blase und den Beckenboden haben können.

In den Wechseljahren geht die Produktion der weiblichen Hormone Östrogen und Gestagen zurück. Das geschieht, weil die Eierstöcke langsam aufhören zu arbeiten, da der Vorrat an Eizellen erschöpft ist. Im Durchschnitt geschieht dies im Alter zwischen 47 und 51 Jahren. Der Hormonpegel im Blut sinkt und das hat vielfältige Auswirkungen auf die Gesundheit.

Auswirkungen auf Blase und Harnröhre

Zunächst reagiert der weibliche Körper durch den gesunkenen Östrogenspiegel sensibler auf verschiedene Reizstoffe im Urin. Sie können dadurch einen gesteigerten Harndrang auslösen.

Der verringerte Östrogenpegel führt außerdem dazu, dass der pH-Wert im weiblichen Genitaltrakt steigt und die Schleimhäute schlechter durchblutet werden. Sie werden dünner, trockener und weniger elastisch und sind dadurch empfindlicher. Keime und Krankheitserreger haben dann leichtes Spiel, sodass die Gefahr für Harnwegsinfektionen und Blasenentzündungen steigt. Treten solche Infektionen häufiger auf, begünstigen sie zusätzlich eine Blasenschwäche.

Auswirkungen auf umliegende Muskulatur und Gewebe

Östrogen- und Gestagenmangel beeinflussen auch Muskeln, die entscheidend für die Kontinenz sind. Schließmuskel und Beckenbodenmuskulatur, sowie umliegende Bindegewebe werden durch den Mangel an Hormonen geschwächt. Es kann dadurch zu einer leichten Senkung von Blase und Gebärmutter kommen.

Solch eine Senkung begünstigt häufig eine Blasenschwäche. Das Absinken der Blase führt zu einer Krümmung der Harnröhre und der Blasenschließmuskel wird stärker belastet. Auf Dauer kann der Schließmuskel dieser Belastung nicht mehr standhalten und es kommt zur Inkontinenz.

Östrogen ist weiterhin ein wichtiger Faktor für die Regulierung des Schließdrucks am Blasenschließmuskel. Bei einem Mangel kommt es daher zu Beeinträchtigungen, sodass ungewollt Urin austreten kann.

Heilen einer Blasenschwäche 

In den Wechseljahren ist Blasenschwäche normal, aber sie verschwindet nicht von alleine. In den allermeisten Fällen ist sie jedoch mit einer geeigneten Therapie heilbar. Ihr Arzt bzw. Ihre Ärztin hilft Ihnen dabei, die individuell richtigen Maßnahmen gegen die Inkontinenz zu finden.

Der Mangel an weiblichen Hormonen ist der Hauptauslöser für Inkontinenz in den Wechseljahren. Urologen empfehlen daher in der Regel eine Behandlung mit Östrogenen. Lokale Darreichungsformen wie Zäpfchen oder Salben gelten als verträglich und bergen kein großes Risiko. Die Durchblutung der Blase wird damit verbessert und das Gewebe elastisch gehalten.

Sportarten, die den Beckenboden stärken, wie Fahrradfahren, Schwimmen oder Yoga, sind ein weitere Therapiemaßnahme. Auch direkte Beckenbodenübungen werden von Urologen empfohlen.

Natürliche und homöopathische Mittel gegen Wechseljahren Blasenschwäche

Bestimmte pflanzliche Arzneimittel können Wechseljahr Inkontinenz lindern. Bärentraubenblätter und Brunnenkresse-Extrakt beispielsweise haben eine antibakterielle Wirkung. Die Ausbreitung schädlicher Keime kann durch den Einsatz dieser Hilfsmittel beschränkt werden. Außerdem haben Bärentraubenblätter eine harnregulierende Wirkung. Das kann sich vorteilhaft auf die Blasenprobleme während der Wechseljahre auswirken.

Darüber hinaus kann eine Behandlung mit Soja-Isoflavonen helfen. Sie wirken im Körper ähnlich wie Östrogene und können daher gezielt in den Wechseljahren gegen Blasenprobleme eingesetzt werden.

Für Freunde der Homöopathie gibt es Mittel, die gegen Inkontinenzbeschwerden eingesetzt werden können. Dazu gehören Causticum Hahnemanni, Xerophyllum oder Kalium phosphoricum, die gegen unterschiedliche Beschwerden helfen sollen. Um bei Interesse das für Sie richtige Mittel zu finden, können Sie sich von einem Homöopathen beraten lassen.

Vorgebeugen einer Wechseljahren Blasenschwäche 

Sich über die in den Wechseljahren auftretende Blasenschwäche  zu informieren ist der erste Schritt, ihr entgegen zu wirken. Wenn Sie mit diesem Wissen auf einige Grundregeln achten und Ihre Blasen- und Beckenbodenmuskulatur stärken, kann dadurch das Risiko für Blasenprobleme während der Wechseljahre verringert werden.

Der zentrale Faktor ist Ihr Lebensstil: Eine ausgewogene Ernährung mit vielen Ballaststoffen und Vitaminen, genügend Flüssigkeit und regelmäßige Bewegung tun dem gesamten Körper und damit auch der Blase gut.

Gezieltes Training der Blase hilft ebenfalls bei der Vorbeugung der Inkontinenz. Die Blase sollte beim Toilettengang weder über- noch unterfordert werden. Im Klartext heißt das, dass ein Toilettengang nicht zu lange hinausgezögert werden sollte, die Blase aber auch nicht zu oft entleert werden sollte.

Ist die Blase zu voll, kann die Muskulatur auf Dauer überdehnt werden. Wird sie dagegen zu häufig entleert, kann bereits eine geringe Menge Urin zu einem starken Harndrang führen. Hier sollte daher ein gesundes Maß der Mitte gefunden werden.

Darüber hinaus wirken Gymnastikübungen zur Stärkung des Beckenbodens nicht nur als Therapie gegen Blasenschwäche. Sie dienen auch zur Vorbeugung einer Blasenschwäche.

Anlaufstellen, Informationen und Aufklärung

Wenn Sie in den Wechseljahren Probleme mit Ihrer Blase haben, sollten Sie sich nicht zurückziehen. Es handelt sich um ein ganz natürliches Symptom der Menopause, unter dem viele andere Frauen ebenfalls leiden. Auch Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin ist das bekannt und Sie müssen sich nicht schämen, mit ihr oder ihm darüber zu sprechen. Die folgenden Tipps können Ihnen dabei helfen, mit Ihren Wechseljahrbeschwerden im Unterleib umzugehen.

  • Informieren Sie sich über das Zusammenhängen Wechseljahre und Blasenschwäche. Das Wissen darüber ist die beste Maßnahme, um den Beschwerden vorzubeugen oder sie zu lindern.
  • Gehen Sie offen mit dem Thema um und sprechen Sie zum Beispiel mit Ihren Freundinnen und der Familie über Ihre Probleme. Eventuell haben sie bereits ähnliche Beschwerden erlebt und können Ihnen von ihren Erfahrungen berichten.
  • Holen Sie sich Rat bei Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin. Er oder sie wird Ihnen eine individuell angepasste Therapie vorschlagen, um die Symptome wirksam zu lindern. Insbesondere die Ärzt:innen der Fachrichtungen Gynäkologie und Urologie sind auf die Beschwerden der Inkontinenz bei Frauen während der Wechseljahre spezialisiert.
  • Auf den Seiten der Deutschen Kontinenz Gesellschaft finden Sie Informationen zum Thema Blasenschwäche, sowie Beratungsstellen, an die Sie sich wenden können.

Quellen:

Phytodoc: Reizblase und Blasenschwäche

Legendre, Guillaume, et al. „Menopause, hormone treatment and urinary incontinence at midlife.“ Maturitas1 (2013): 26-30.

Cody, June D., et al. „Oestrogen therapy for urinary incontinence in post‐menopausal women.“ Cochrane Database of Systematic Reviews10 (2012).

Inkontinenz-Frau-Info: Homöopathie bei Inkontinenz – Die alternative Behandlung

Wissen in der Box: Blasenschwäche Wechseljahre

In den Wechseljahren entsteht eine Blasenschwäche meist  aufgrund einer Umstellung der Hormone. Diese Veränderungen bringen ungünstige Auswirkungen auf die Blase und den Beckenboden mit sich.

Es kann ein gesteigerter Harndrang ausgelöst werden, der pH-Wert im weiblichen Genitaltrakt steigt und die Schleimhäute werden schlechter durchblutet. Somit steigt die Gefahr auf Harnwegsinfektionen und Blasenentzündungen.

Schließmuskel und Beckenbodenmuskulatur, sowie umliegende Bindegewebe werden durch den Mangel an Hormonen geschwächt. zudem wird der Blasenschließmuskel stärker belastet.

Eine  Blasenschwäche ist mit einer geeigneten Therapie heilbar. Darunter fallen Behandlungen mit Östrogenen, Zäpfchen oder Salben. Auch Sportarten, die den Beckenboden stärken sind eine weitere Therapiemaßnahme.

Bestimmte pflanzliche Arzneimittel können Wechseljahren Inkontinenz lindern. Bärentraubenblätter und Brunnenkresse-Extrakt  oder eine Behandlung mit Soja-Isoflavonen können helfen. Zu homöopatischen Mitteln gehören Causticum Hahnemanni, Xerophyllum oder Kalium phosphoricum.

Eine ausgewogene Ernährung, genügend Flüssigkeit und regelmäßige Bewegung sowie Gymnastikübungen zur Stärkung des Beckenbodens können eine Blasenschwäche vorbeugen. Auch ein gezieltes trainieren der Blase ist hilfreich.