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Thromboseprophylaxe

Thromboseprophylaxe – Ziele, Übungen und Maßnahmen

Claudia Barredo
Claudia Barredo

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Die Thromboseprophylaxe kommt erst einmal als sperriges Wort daher. Jedoch ist ein sehr großer Teil der Menschen in der zweiten Lebenshälfte tagtäglich damit konfrontiert. Denn sie nehmen umgangssprachlich als Blutverdünner bezeichnete Medikamente. Menschen bekommen sie aus den unterschiedlichsten Gründen verschrieben: Wegen eines Herzinfarktes in der Vergangenheit oder eines sonstig erhöhten Thromboserisikos.

Dieser Artikel dient dazu, etwas Licht in die vielen Medikamente zur Blutverdünnung zu bringen. Außerdem informiert er Sie über zusätzliche Maßnahmen zur Vorbeugung von Thrombosen und gibt Ihnen Hinweise, wie Sie eine Thrombose bei sich erkennen können.

Bei weiteren Fragen zum Thema der Thromboseprophylaxe hilft Ihnen Ihre behandelnde Hausärztin oder Ihr Hausarzt gerne weiter.

Inhalt

Die Definition von Thromboseprophylaxe

Der Begriff „Thromboseprophylaxe“ besteht aus zwei Worten. Eine Prophylaxe bezeichnet eine vorbeugende Maßnahme. Unter einer Thrombose versteht man ein Blutgerinnsel, das in einer Vene steckenbleibt und diese verstopft. Dadurch kann das Blut hinter dem Blutgerinnsel nicht mehr abfließen und staut sich, zum Beispiel im Bein. Das schmerzt und weitet die betroffene Vene stark aus.

Eine Thromboseprophylaxe ist also zusammengefasst eine vorbeugende Maßnahme, um die Entstehung eines Blutgerinnsels zu verhindern.

Blutgerinnsel entstehen dadurch, dass das Blut zusammenklumpt und nicht mehr weiterfließt. Ursachen hierfür können eine veränderte Zusammensetzung des Blutes sein, zum Beispiel durch zu wenig Flüssigkeit. Erbliche Leiden der Blutgerinnung oder Medikamente können ebenso Thrombosen begünstigen. Aber auch eine Immobilisation, also fehlende körperliche Bewegung, kann Thrombosen verursachen.

Um dies zu verhindern bekommen Menschen, die ein erhöhtes Risiko für eine Thrombose haben, oft gerinnungshemmende Medikamente, auf die wir weiter unten näher eingehen.

Feststellung einer Thrombose

Eine Thrombose entsteht am häufigsten in den Beinvenen. Typische Symptome beinhalten:

  • Schwellung des betroffenen Beines
  • Dumpfer Schmerz, der häufig etwas nachlässt, wenn das Bein hochgelagert wird
  • Dunklere, bläulich-lila Verfärbung der Haut
  • Überwärmung der Haut des betroffenen Beines
  • Schwere- und/oder Spannungsgefühl im Bein

Eine Thrombose in einer Armvene ist weitaus seltener. Die Symptome sind jedoch dieselben.

Eine Thrombose kann manchmal durchaus nur geringe Symptome verursachen. Die folgenden Risikofaktoren für eine Thrombose erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass bei Beschwerden tatsächlich eine Thrombose bei Ihnen vorliegen könnte:

  • Sie hatten bereits in früheren Jahren eine Thrombose.
  • Sie haben sich in den letzten Stunden/Tagen weniger bewegt als sonst. Dazu zählen nicht nur Krankenhausaufenthalte und Bettlägerigkeit, sondern auch lange Flug-, Bus- oder Autoreisen.
  • Sie leiden an einer erblich bedingten Gerinnungsstörung. Zu diesen zählen zum Beispiel die Faktor-V-Leiden-Mutation, der Protein-S- und der Protein-C-Mangel.
  • Übergewicht
  • Höheres Lebensalter
  • Eine aktive Krebserkrankung
  • Schwangerschaft, einschließlich Wochenbett
  • Eine Hormontherapie mit Östrogen, zum Beispiel bei hormonellen Verhütungsmitteln (der „Pille“) oder einer Hormonersatztherapie im Rahmen von Wechseljahresbeschwerden. Das Risiko einer Thrombose erhöht sich stark, wenn Sie zusätzlich rauchen.

Liegen mehrere Risikofaktoren bei Ihnen vor, so erhöht sich das Risiko entsprechend.

Unabhängig davon, ob bei Ihnen Risikofaktoren für eine Thrombose bekannt sind oder nicht, sollten Sie bei deutlichen Beschwerden die nächstgelegene Rettungsstelle aufsuchen. Liegt tatsächlich eine tiefe Beinvenenthrombose vor, so kann daraus eine Lungenarterienembolie entstehen, die lebensgefährlich verlaufen kann.

Wichtigkeit der Thromboseprophylaxe

Die Thrombose einer Vene ist in erster Linie schmerzhaft und störend für die Betroffenen. In vielen Fällen bildet sich das Blutgerinnsel von alleine wieder zurück und verursacht keine weiteren Probleme. Mitunter kommt es jedoch vor, dass die betroffene Vene durch das Gerinnsel erkrankt, ausleiert und sich schwere Fälle von Krampfadern bilden. Dies nennt sich „postthrombotisches Syndrom“. Bei Beinvenen kommt dies sogar in bis zu der Hälfte der Fälle vor.

Die gefürchtetste Komplikation einer Thrombose ist jedoch eine Embolie. Diese bedeutet den Verschluss eines arteriellen Gefäßes. Das dahinterliegende Gewebe kann nicht mehr mit Sauerstoff versorgt werden und beginnt abzusterben. Embolien entstehen meist aus vorangehenden Venenthrombosen. Daher wird manchmal auch von Thrombembolieprophylaxe gesprochen. Der Thrombus löst sich aus der Vene, gelangt in das Herz und von dort aus in die Arterien des Körpers. Die bekanntesten Embolien betreffen die Lungenarterien und die Gehirnarterien. Lungenembolien liegt meist eine tiefe Beinvenenthrombose zugrunde. Bei einem Hirninfarkt oder auch Schlaganfall genannt, bildet sich der Thrombus häufig direkt im Herzen, zum Beispiel bei einem Vorhofflimmern.

Die Ziele der Thromboseprophylaxe sind, diese gefährlichen Komplikationen einer Thrombose zu verhindern.

Risiken einer medikamentösen Thromboseprophylaxe

Möglicherweise wundern Sie sich, weshalb nicht alle Menschen mit Risikofaktoren eine Thromboseprophylaxe erhalten. Dies liegt daran, dass eine Thromboseprophylaxe auch Risiken birgt und eine Abwägung erforderlich ist. Sie erhöht immer der Blutungsrisiko, sodass man, wenn man sich stößt oder schneidet, stärker blutet. Dies ist gewollt und in vielen Fällen sehr sinnvoll, da so das Blut verdünnt und eine Thrombose unwahrscheinlicher wird. Dennoch muss im Alltag und besonders bei Verletzungen aufgepasst werden, da Wunden länger bluten und blaue Flecken leichter entstehen können.

Daher spielt die Thromboseprophylaxe auch bei der Pflegeplanung eine Rolle, da pflegende Personen besonders bei Unfällen auf die verstärkte Blutungsneigung achten müssen. Besonders bei einem Sturz auf den Kopf ist Vorsicht geboten. Nehmen Sie einen Blutverdünner ein und stürzen, so sollten Sie anschließend immer einen Arzt aufsuchen, damit eine Blutung im Schädel ausgeschlossen werden kann.

Maßnahmen zur Vorbeugung einer Thrombose

Die Thromboseprophylaxe besteht aus mehreren Teilen.

Einen Teil der Prophylaxe stellen Medikamente dar. Sie werden umgangssprachlich auch „Blutverdünner“ genannt. Beispiele für handelsübliche Präparate sind Marcumar, Xarelto oder Clexane (siehe unten). Je nach Wirkstoff können sie in Tablettenform geschluckt oder unter die Haut gespritzt werden. Zur kurzfristigen Thromboseprophylaxe, zum Beispiel nach einer Operation, wird meist Heparin, zum Beispiel Clexane, eingesetzt. Menschen, bei denen längerfristig eine Blutverdünnung notwendig ist, bekommen häufig Tabletten verschrieben.

Einen weiteren Teil der Thromboseprophylaxe bilden Kompressionsstrümpfe. Hierbei handelt es sich um besonders feste, enge Strümpfe, die mindestens bis unter die Knie angezogen werden. Es gibt auch Kompressionsstrümpfe, die das ganze Bein bedecken. Von unten nach oben üben sie einen bestimmten Druck auf das Bein aus. Dadurch wird der Rückfluss des Blutes aus den Füßen zum Herzen erleichtert und das Blut staut sich weniger in den Beinvenen.

Diese Maßnahme beugt Blutgerinnseln vor. Kompressionsstrümpfe sollten bei Vorbeugung einer Thrombose optimalerweise im Sanitätshaus individuell angepasst werden und sitzen wie eine zweite Haut. Dies kann zu Beginn etwas ungewohnt und unangenehm sein, aber die meisten Menschen gewöhnen sich rasch daran. Falls sich Ihre Kompressionsstrümpfe auch nach einer Gewöhnungsphase unangenehm anfühlen oder Ihnen sogar Schmerzen bereiten, so suchen Sie Ihr nächstgelegenes Sanitätshaus auf. Möglicherweise benötigen Sie eine andere Größe. Aufgrund ihrer praktischen Anwendung sind Kompressionsstrümpfe auch als Thromboseprophylaxe während eines längeren Fluges geeignet.

Eine der wesentlichsten Maßnahmen der Thromboseprophylaxe ist körperliche Bewegung. Bewegungsmangel oder sogar eine vollständige Immobilisation sind Hauptrisikofaktoren für eine Thrombose. Dies liegt daran, dass durch Bewegung die Muskeln an den Beinen kontrahieren und die Venen dabei unterstützen, das Blut zurück zum Herzen zu pumpen. Ein täglicher Spaziergang oder auch Haus- und Gartenarbeit, bei denen Sie sich bewegen, hilft Ihnen bei der Thrombosevorbeugung.

Einsatz von Medikamenten zur Thromboseprophylaxe

Mittlerweile gibt es immer mehr Medikamente in den Leitlinien zur Thromboseprophylaxe. Diese haben das Ziel, bei den geringstmöglichen Nebenwirkungen die bestmögliche Wirkung zu erzielen.

Allgemein bekannt ist das Aspirin. Gemeinsam mit Wirkstoffen wie Clopidogrel, Prasugrel oder Ticagrelor gehören sie zu den Thrombozytenaggregationshemmern. Dies bedeutet, dass sie das Zusammenkleben der Blutplättchen verhindern.

Ein klassisches Medikament ist das Heparin und seine verwandten Wirkstoffe. Hierzu zählen unter anderem Handelspräparate wie Clexane, Fragmin oder Innohep. Die Heparinpräparate haben den Nachteil, dass sie nicht in Tablettenform verfügbar sind, sondern selbstständig, meist täglich, unter die Haut gespritzt werden müssen. Dies kann für einige Patient:innen unangenehm sein. Heparin wird meist als Thromboseprophylaxe nach einer OP eingesetzt.

Bereits etwas ältere, aber noch immer bewährte Medikamente sind die Vitamin-K-Hemmer. Hierzu zählen Handelspräparate wie Marcumar oder Coumadin. Vitamin K ist ein Vitamin, das für die Blutgerinnung notwendig ist, sodass durch die Hemmung dieses Vitamins die Gerinnung verlangsamt werden kann.

Die modernsten Medikamente sind die neuen oder auch direkten oralen Antikoagulantien. Hierzu zählen zum Beispiel Xarelto, Eliquis oder Lixiana. Sie greifen gezielt in bestimmte Schritte der Blutgerinnung ein und verhindern sie auf diese Art.

Welches dieser Medikamente Ihnen Ihr Arzt oder ihre Ärztin verschreibt, hängt von vielen Dingen ab. Dazu gehören zum Beispiel der Grund und die Dauer der Gerinnungshemmung, Ihr sonstiger Gesundheitszustand sowie Ihr Lebensstil und Ihre Hobbys. Bestimmte Medikamente bewirken zum Beispiel ein höheres Blutungsrisiko als andere, wirken jedoch bei bestimmten Krankheiten besser. Oft hat eine Ärztin bzw. ein Arzt mit bestimmten Medikamenten gute Erfahrungen bei anderen Patient:innen gemacht. Falls Sie Genaueres zu Ihrem gerinnungshemmenden Medikament wissen möchten, so hilft Ihnen Ihr behandelnder Arzt oder Ihre Ärztin gerne weiter.

Einer Thrombose selbst vorbeugen

Bei manchen Erkrankungen ist es kaum möglich, das Risiko für eine Thrombose vollständig zu senken. Dies ist zum Beispiel bei künstlichen Herzklappen, Vorhofflimmern, bei einer Krebserkrankung oder auch während einer Schwangerschaft der Fall. Sie können jedoch unabhängig davon einer Thrombose sehr effektiv vorbeugen, da am Ende das Zusammenspiel mehrerer Risikofaktoren entscheidend ist.

Wesentliche Vorbeugungsmaßnahmen sind die Vermeidung von starkem Übergewicht und regelmäßige körperliche Bewegung. Hier spielen nicht die kleinen Wohlfühlpolster eine Rolle, sondern manifeste Dickleibigkeit mit einem Body Mass Index über 30. Dies erhöht das Risiko einer Thrombose stark. Körperliche Bewegung aktiviert die Muskeln, die wiederum den Rückfluss des Blutes zum Herzen unterstützen. Ein leichtes Übergewicht ist hier recht unproblematisch, solange man körperlich ausreichend aktiv ist.

Eine der effektivsten Vorbeugemaßnahmen ist der Rauchstopp. Rauchen fördert die Bildung von Arteriosklerose und verengt dadurch den Durchmesser der Blutgefäße. In einem verengten Gefäß kann leichter ein Blutgerinnsel stecken bleiben.

Besonders bei Krankheiten und nach Operationen ist eine frühzeitige Beendigung der Bettruhe vorbeugend für Thrombosen. Ein klassisches Beispiel ist die Thromboseprophylaxe nach einer Hüftoperation, bei der oft bereits am Tag nach der OP die ersten Schritte unternommen werden. Die behandelnden Ärzt:innen erklären die postoperativen Behandlungsschritte genauer.

Und zu guter Letzt: Wenden Sie die medizinische Thromboseprophylaxe korrekt an. Falls Sie Tabletten, Spritzen oder Kompressionsstrümpfe bekommen, so stellen Sie sicher, dass Sie die Anwendung richtig verstanden haben. Wie oft pro Tag soll die Tablette genommen werden? Wie funktioniert das mit der Spritze genau? Und wie viele Stunden pro Tag sollten die Kompressionsstrümpfe getragen werden? Zögern Sie nicht, bei Ihrem Arzt bzw. Ihrer Ärztin oder im Sanitätshaus so lange nachzufragen, bis Sie wirklich alles verstanden haben. Nur dann können die Maßnahmen auch effektiv wirken.

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Quellen:

Thromboseportal: Arten und Folgen von Thrombosen

Gesundheitsinformation: Was sind Gerinnungshemmer und worauf muss man achten?

Wissen in der Box: Thromboseprophylaxe

Darunter versteht man die Vorbeugung einer Thrombose - einem Blutgerinnsel, das in einer Vene steckenbleibt und diese verstopft.

Typische Symptome beinhalten: Schwellung des betroffenen Beines, Verfärbung der Haut oder ein Spannungsgefühl im Bein.

Es ist wichtig, um Komplikationen, wie zum Beispiel eine Embolie, zu vermeiden.

Dies liegt daran, dass eine Thromboseprophylaxe auch Risiken birgt und eine Abwägung erforderlich ist.

Die Thromboseprophylaxe besteht aus mehreren Teilen. Medikamente, Kompressionsstrümpfe sowie körperliche Bewegung.

Aspirin, Heparin,  Vitamin-K-Hemmer sowie die direkten oralen Antikoagulantien.

Vermeidung von starkem Übergewicht, körperliche Bewegung und Rauchstopp ist wichtig, um einer Thrombose vorzubeugen.