Metabolisches Syndrom

Metabolisches Syndrom – Ursache, Diagnose und Behandlung

Charlotte Weidenbach
Charlotte Weidenbach

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In Deutschland und anderen westlichen Industriestaaten ist der Genuss von zu viel Nahrung häufig eine Begleiterscheinung des Wohlstands. Ein immer häufiger auftretendes Metabolisches Syndrom ist eine der Folgen dieser Entwicklung.

Das Metabolische Syndrom wird auch als Wohlstandssyndrom bezeichnet. Vom Metabolischen Syndrom spricht man, wenn verschiedene Faktoren, die durch ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel entstehen, zusammenkommen. Beim Metabolischen Syndrom ist das Risiko für Herz-Kreislauf-Komplikationen und viele weitere Krankheiten erhöht.

Wir informieren Sie über die Ursachen, die Diagnose und die Behandlung des Metabolischen Syndroms.

Inhalt

Die Definition des Metabolischen Syndroms

Das Metabolische Syndrom ist keine eigene Erkrankung. Es handelt sich um eine bestimmte Konstellation aus mehreren Erkrankungen beziehungsweise krankhaft veränderten Werten (Syndrom). Die Bezeichnung leitet sich von Metabolismus (Stoffwechsel) ab – das Metabolische Syndrom ist also eine Kombination aus unterschiedlichen Stoffwechselstörungen.

Für die Definition des Metabolischen Syndroms müssen mehrere Kriterien erfüllt sein. Ausgangskriterium ist die Adipositas: Menschen mit Metabolischem Syndrom sind übergewichtig oder fettleibig mit einem BMI von über 30 kg/m². Bei einem geringeren BMI kann trotzdem ein Metabolisches Syndrom vorliegen: Ab einem Taillenumfang von über 80 cm bei Frauen oder über 94 cm bei Männern spricht man von Stammfettsucht. Das Bauchfett ist nachgewiesenermaßen besonders schädlich und deshalb für die Definition des Metabolischen Syndroms von Bedeutung.

Weiterhin müssen mindestens zwei der folgenden Punkte vorliegen:

Diabetes Typ 2 oder hohe Blutzuckerwerte

Adipositas und Diabetes Typ 2 oder Prädiabetes (mit noch nicht behandlungsbedürftigen, aber zu hohen Zuckerwerten) gehen sehr oft miteinander einher.

Hohe Triglyzerid-Werte im Blut

Triglyzeride sind eine bestimmte Art von Fetten, die sich bei zu hohen Anteilen im Blut an den Gefäßinnenwänden ablagern und zu Arteriosklerose führen. Die Erkrankung wird Hypertriglyzeridämie genannt.

Niedrige HDL-Werte im Blut

Das HDL wird auch als „gutes“ Cholesterin bezeichnet und ist bei ungesunder Ernährung und Bewegungsmangel oft vermindert. Wenn wir viel HDL im Blut haben, kann das vor Arteriosklerose schützen.

Bluthochdruck

Wenn Sie unter arterieller Hypertonie leiden oder Blutdrucksenker einnehmen, ist ein wichtiges Kriterium für das Metabolische Syndrom erfüllt.

Ursachen für ein Metabolisches Syndrom

Die wichtigste Ursache für das Metabolische Syndrom ist die in der heutigen Wohlstandsgesellschaft zunehmend ungesunde Ernährung und der Bewegungsmangel, die zu einem gestörten Stoffwechsel führen. Manche Menschen leiden auch unter einer genetisch bedingten Stoffwechselstörung. Beides führt zu Fettleibigkeit, der Adipositas. Bei langjährigem Übergewicht kommt es zu metabolischen Veränderungen, die in der oben beschriebenen Kombination als Metabolisches Syndrom bezeichnet werden.

Metabolisches Syndrom und Stoffwechselveränderungen

Im Rahmen des Metabolischen Syndroms finden Stoffwechselveränderungen statt, die diesem Syndrom seinen Namen gegeben haben. Die Basis für die Entwicklung eines Metabolischen Syndroms ist das Bauchfett, das auch viszerales Fett genannt wird. Die Fettzellen schütten natürlicherweise zahlreiche Hormone, Botenstoffe und Entzündungsmediatoren aus.

Wenn Sie jedoch aufgrund von ungesunder Ernährung und/oder genetischen Faktoren zu viel Bauchfett anlagern, kommt das extrem komplexe, natürliche Gleichgewicht durcheinander. So sind zum Beispiel Sättigungs- und Hungergefühle verändert, was zu einem Teufelskreis mit immer weiterer Gewichtszunahme führen kann. Außerdem sind die Mechanismen des Fett- und Zuckerstoffwechsels vielfältig miteinander verbunden. Langjähriges Übergewicht führt zu einer Insulinresistenz und damit zu Diabetes.

Diagnosestellung des Metabolischen Syndroms

Für die Diagnosestellung des Metabolischen Syndroms müssen die Definitionskriterien erfüllt sein. Im Prinzip kann jede Ärztin und jeder Arzt die Diagnose stellen. Wenn Sie übergewichtig oder adipös sind und unter weiteren Erkrankungen leiden, fragen Sie Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt, ob bei Ihnen ein metabolisches Syndrom vorliegen könnte.

Das wichtigste Symptom beim Metabolischen Syndrom ist das hohe Körpergewicht beziehungsweise ein zu großer Bauchumfang. Bluthochdruck und hohe Blutzucker- oder Blutfettwerte verursachen meist keine Beschwerden. Deshalb sollten Ärzt:innen bei Übergewichtigen diese Werte regelmäßig kontrollieren.

Wie ein Metabolisches Syndroms behandelt werden kann

Das A und O beim Metabolischen Syndrom ist die Gewichtsabnahme. Wenn Sie es schaffen, Ihren Lebensstil konsequent umzustellen, kann sich Ihr Körpergewicht normalisieren. In diesem Fall kommt es häufig automatisch zu einer Verbesserung der anderen krankhaften Werte. Die beiden wichtigsten Bestandteile der Therapie des Metabolischen Syndroms sind deshalb Ernährung und Bewegung. Wenn die Lebensstiländerung keinen Erfolg bringt, profitieren manche Patient:innen von einer Adipositas OP.

Bei sehr schlechten Werten, also zum Beispiel einem deutlich erhöhten Blutdruck oder Blutzucker, müssen diese medikamentös behandelt werden. Bei der Therapie des Metabolischen Syndroms ist es wichtig, die Werte regelmäßig neu zu bestimmen und zu reevaluieren. Sie sollten also regelmäßig beim Hausarzt Blutdruckmessungen und Blutentnahmen durchführen lassen und Gewichtszu- und -abnahmen dokumentieren. Das Metabolische Syndrom ist bei einer erfolgreichen Lebensstiländerung mit Gewichtsreduktion heilbar.

Folgen des Metabolischen Syndroms

Die Kombination aus Fettleibigkeit, hohen Blutfettwerten, gestörtem Zuckerstoffwechsel und Bluthochdruck wird auch als tödliches Quartett bezeichnet. Das Metabolische Syndrom wurde definiert, weil bei Personen mit dieser Risikokonstellation das Risiko für Folgeerkrankungen erhöht ist. Die Folgen des Metabolischen Syndroms ähneln den Folgen von Adipositas.

Wenn Sie unter dem Metabolischen Syndrom leiden, sind Sie besonders gefährdet, eine Arteriosklerose zu entwickeln. Dadurch steigt das Risiko für Durchblutungsstörungen. Mit dem hohen Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen geht auch eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für potenziell tödliche Komplikationen wie Herzinfarkte und Schlaganfälle einher. Entsprechend ist die Lebenserwartung beim Metabolischen Syndrom reduziert.

Außerdem haben Menschen mit Metabolischem Syndrom bei Infektionskrankheiten ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf. So zählen Sie als Patient bzw. Patientin mit Metabolischem Syndrom bei einer Grippe- oder Corona-Infektion zur Risikogruppe und sollten sich in besonderer Weise schützen.

Quellen:

Amboss – Wissen für Mediziner

Buch: Gerd Herold. Innere Medizin (2020); Herold Verlag Köln

AWMF: Leitlinie „Prävention und Therapie der Adipositas“

AWMF: Leitlinie „Chirurgie der Adipositas und metabolischer Erkrankungen“

Wissen in der Box: Metabolisches Syndrom

Es ist eine Kombination aus verschiedenen Erkrankungen, die häufig zusammen auftreten. Als wichtigster Faktor wird Übergewicht oder Adipositas betrachtet.

Es entsteht durch eine ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel. Manche Betroffene haben zudem eine genetische Veranlagung.

Darunter versteht man alle Stoffwechselstörungen, die sich bei einem Metabolischen Syndrom entwickeln können.

Die Diagnose erfolgt meist beim Hausarzt oder bei der Hausärztin. Er oder sie kann die Diagnose anhand des BMI in Kombination mit einer Blutdruckmessung sowie einer Blutentnahme stellen.

Die Therapie beinhaltet insbesondere eine Lebensstiländerung mit dem Ziel der Gewichtsabnahme. Außerdem gehört eine medikamentöse Einstellung der krankhaften Blutdruck-, Blutzucker- und Blutfettwerte zur Behandlung.

Die Folgen sind schwerwiegend. Durch Komplikationen wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle ist die Lebenserwartung bei Betroffenen reduziert.