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Altersstarrsinn – Wie Angehörige damit umgehen können

Juliane Liebeskind
Juliane Liebeskind

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Das Älterwerden stellt für viele Menschen eine Herausforderung dar. Viele Dinge gehen einem nicht mehr so leicht von der Hand und die Selbstständigkeit lässt nach. Bei vielen älteren Menschen führt das zu mürrischen und manchmal auch aggressiven Reaktionen. Dieses Verhalten kann für Angehörige sehr belastend sein und wird auch als Altersstarrsinn bezeichnet.

Wieso es zu einer gewissen Gehässigkeit im Alter kommt sowie Tipps zum Umgang mit altersstarrsinnigen Angehörigen finden Sie im folgenden Artikel.

Inhalt

Die Definition von Altersstarrsinn

Wenn Menschen im Alter „schwierig“ werden, wird in diesem Zusammenhang schnell das Wort Altersstarrsinn verwendet. Vor allem erwachsene Kinder von Eltern in höherem Alter sehen sich mit dieser Problematik konfrontiert. Oft kommt das Gefühl von Machtlosigkeit auf, wenn die Eltern plötzlich keine Hilfe mehr annehmen wollen. Auch das Gefühl „gegen eine Wand zu reden“ gilt als Altersstarrsinn Beispiel. Der richtige Umgang mit Menschen mit Altersstarrsinn kann einen positiven Einfluss auf das Zusammenleben und die Lebensqualität der beteiligten Personen haben.

Die Entstehung von Altersstarrsinn

Ein Leben lang unabhängig zu sein ist für viele von uns selbstverständlich. Wenn diese Unabhängigkeit mit dem Alter abnimmt, kann das schnell als sehr frustrierend erlebt werden. Insbesondere die Verzweiflung darüber, dass viele Dinge nur noch langsam und nicht mehr so reibungslos funktionieren, ist bei vielen Menschen groß.

Das führt dazu, dass Menschen im Alter mitunter mürrisch, depressiv oder sogar aggressiv werden. Dabei handelt es sich um die klassischen Altersstarrsinn Symptome. Um Hilfe zu bitten oder diese anzunehmen, fällt vielen Betroffenen schwer. Häufig verschlimmert sich dieser Zustand auch, wenn die Betroffenen das Gefühl der Bevormundung bekommen. Das erhöht das Frustrationslevel und ein Entschärfen der Situation wird immer schwieriger. Daher sind die feinfühlige Kommunikation und der richtige Umgang mit Betroffenen besonders entscheidend.

Altersstarrsinn im medizinischen Kontext

Bei Altersstarrsinn handelt es sich nicht um eine medizinische Diagnose. Altersstarrsinn allein medizinisch zu betrachten ist daher nicht unbedingt die richtige Herangehensweise. Auch wenn das aggressive Verhalten der Menschen häufig behandlungsbedürftig erscheint, handelt es sich lediglich um eine natürliche Reaktion des Menschen auf Veränderung.

In jungen Jahren sind massive Veränderungen der Lebensumstände häufig gut zu tolerieren oder sogar erwünscht. Das Adaptieren an neue Situationen fällt den meisten Menschen nicht schwer. Im Alter wendet sich das Blatt und schon kleinste Veränderungen können zu großen Problemen führen. Die Reaktion darauf sind dann verbale Ausbrüche, Gehässigkeiten oder das Ablehnen von jeglichen Ratschlägen und Hilfsangeboten. Sich selbst einzugestehen, dass man Hilfe benötigt, ist ein schwerer Schritt und sollte nicht unterschätzt werden.

Altersstarrsinn – was tun?

Der Umgang mit einem Menschen, der Hilfe konsequent ablehnt oder Ratschläge einfach nicht hören mag, ist schwierig. Dennoch können Sie als Angehöriger oder Angehörige einiges tun, um die Situation für sich und den oder die Betroffene zu verbessern.

Manchmal kann es helfen sich in die Situation des oder der Betroffenen zu versetzen. Das Frustrationslevel ist oft groß, wenn man sich selbst nicht mehr zu helfen weiß. Es kann in manchen Fällen schon ausreichend sein, das Gespräch zu suchen und Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. Dabei ist es wichtig zu versuchen, das Gefühl von Bevormundung zu vermeiden.

Wenn die Kommunikation allein nicht mehr ausreicht, kann es sinnvoll sein eine:n Vermittler:in einzsuchalten. Eine außenstehende Person kann die Lage oft ohne Emotionen betrachten und eine aufgeheizte Situation entschärfen. Hilfe diesbezüglich kann durch einen Pflegedienst oder auch von ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen erfolgen. Eine dritte, nicht involvierte Person kann sich in die Lage beider Parteien hineinversetzen und vermittelnd tätig sein. Der Hausarzt oder die Hausärztin kann diese Position ebenso einnehmen und eventuell wertvolle Tipps zum Umgang mit Altersstarrsinn geben.

Übersicht über das Hilfsangebot

Wenn Menschen altersstarrsinnig werden, ist dies in den meisten Fällen keine abrupte Veränderung. Oft handelt es sich um einen langwierigen Prozess, in dem sich die oder der Betroffene langsam verändern. Irgendwann ist die charakterliche Veränderung deutlich spürbar.

Da es sich bei Altersstarrsinn nicht um eine medizinische Diagnose handelt, gibt es auch keine Medikamente oder Therapie, die einen solchen Zustand verbessern oder dessen Voranschreiten aufhalten können. Dennoch ist es hilfreich immer im Gespräch zu bleiben und zu versuchen, der jeweils anderen Position mit Verständnis entgegenzutreten.

Trotzdem kann der Umgang mit dem oder der Betroffenen irgendwann ermüdend werden und die Situation ausweglos erscheinen. Dann kann man als Angehöriger eines Betroffenen mit Altersstarrsinn Hilfe beantragen. Es kann zum Beispiel eine dritte, unbeteiligte Person eingeschaltet werden. Diese kann sowohl ein:e Mediator:in, ein:e Ärzt:in oder auch eine ausgebildete Pflegekraft sein. Die unparteiische Person kann vermittelnd und schlichtend wirken. Beraten Sie sich gerne mit Ihrem Arzt oder Ärztin des Vertrauens oder wenden Sie sich an den lokalen Pflegedienst. Auch die Kirche hat oft vermittelnde Hilfskräfte und kann im Streitfall versöhnend tätig werden.

Der Unterschied zwischen Altersstarrsinn und Demenz

Auch wenn es sich bei Altersstarrsinn per se nicht um eine medizinische Diagnose handelt, kann diese jedoch der Vorbote für eine beginnende Demenz sein. Wenn Betroffene feststellen, dass sie zunehmend vergesslich werden, ist dies eine höchst frustrierende Situation und kann zu aggressivem Verhalten führen. Dennoch wäre es falsch, bei Altersstarrsinn unmittelbar von einer beginnenden Demenz auszugehen.

Wenn Sie zunehmende Vergesslichkeit und verändertes Verhalten bei einem oder einer Angehörigen feststellen, beraten Sie sich am besten mit Ihrem Arzt oder Ärztin des Vertrauens. Diese:r kann beratend und vermittelnd tätig werden und gegebenenfalls eine Diagnostik einleiten, um festzustellen, ob es sich um Altersstarrsinn oder Demenz handelt. Denn auch bei einer diagnostizierten Demenz gibt es zahlreiche medizinische Möglichkeiten, den Prozess zu verlangsamen.

Quellen:

Sozialverband VdK Deutschland e.V.: Das Alter stimmt nicht jeden milde

Wissen in der Box: Altersstarsinn

Als „altersstarrsinnig“ bezeichnet man ältere Menschen, die zunehmend mürrisch oder sogar aggressiv werden und keine Ratschläge mehr annehmen wollen.

Altersstarrsinn entsteht häufig dann, wenn die Selbstständigkeit eines Menschen im Alter abnimmt und in der Folge das Frustrationslevel steigt.

Nein, Altersstarrsinn ist keine medizinische Diagnose. Der Prozess ist eine natürliche Reaktion eines Menschen auf Veränderungen im Alter.

Am wichtigsten ist es im Gespräch zu bleiben und gegebenenfalls eine vermittelnde und unparteiische dritte Person einzuschalten.

Als Angehörige:r von einem altersstarrsinnigen Menschen können Sie vermittelnde Hilfe beim Pflegedienst, einem Ärzt:innen oder bei der Kirche bekommen.

Altersstarrsinn kann in manchen Fällen auf eine beginnende Demenz hinweisen. Hier kann der Hausarzt am besten beraten und gegebenenfalls eine Diagnostik einleiten.