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Verstopfung

Verstopfung – Ursachen und Therapie von Obstipation

Claudia Barredo
Claudia Barredo

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Die Obstipation wird im Volksmund auch „Verstopfung“ genannt und zählt zu den Zivilisationskrankheiten. Nur wenige Krankheitsbilder sind so bekannt wie die Verstopfung. Etwa jede:r zehnte Einwohner:in Deutschlands leidet an Verstopfungsbeschwerden. Dennoch ist es bei vielen Menschen ein schambesetztes Thema, sodass sich Betroffene häufig alleine mit ihren Beschwerden fühlen.

Dieser Artikel informiert Sie unter anderem über Verstopfungsursachen und -Therapie und darüber, was Sie selbst tun können, wenn Sie an einer Obstipation leiden. Außerdem sind Warnzeichen aufgeführt, an denen Sie erkennen können, ob der Gang zum Arzt oder zu einer Ärztin notwendig sein könnte.

Bei weiteren Fragen zu dieser Thematik ist Ihr behandelnder Hausarzt oder Ihre Hausärztin der bzw. die geeignete Ansprechpartner:in.

Inhalt

Die Definition von Obstipation

Bei einer Verstopfung kommt es zu verhärtetem Stuhl im Darm und/oder einer verlängerten Dauer zwischen den Toilettengängen. Zugrunde liegen können viele unterschiedliche Ursachen.

Je nach Dauer der Beschwerden spricht man von akuter oder chronischer Verstopfung. Bei der akuten Verstopfung hält die Symptomatik nur wenige Tage bis Wochen an. Bei der chronischen Verstopfung können die Beschwerden Monate bis Jahre lang anhalten oder über einen langen Zeitraum immer wiederkehren.

Die Verstopfung und ihre Erkennungsmerkmale

Jeder Mensch hat unterschiedliche Gewohnheiten beim Stuhlgang. Für den einen sind zwei Stühle pro Tag normal, für den anderen einer alle zwei Tage. Die Frage, ob Ihre Verdauung gesund und regelmäßig abläuft, können daher am besten Sie selbst beantworten. Verändern sich plötzlich Ihre Stuhlgewohnheiten maßgeblich, so sollten Sie aufmerksam werden.

Laut medizinischer Definition weist der Stuhl bei einer Verstopfung eine harte Konsistenz auf, und/oder der Toilettengang erfolgt seltener als drei Mal pro Woche. Bei einer deutlichen Verstopfung gehen unter starker Anstrengung nur noch kleine, harte Kügelchen Stuhl ab.

Die harte Konsistenz des Stuhls erfordert ein starkes Pressen beim Toilettengang. Zudem haben Betroffene häufig das Gefühl, der Darm entleere sich nicht vollständig. Diese Pressvorgänge und der Druck des verhärteten Stuhls auf die Darmwand können zu unangenehmen Bauchschmerzen und Blähungen führen.

Die Ursachen einer Verstopfung

Man unterscheidet zwischen der primären (funktionellen) und der sekundären Obstipation.

Die primäre (funktionelle) Obstipation kann folgende Ursachen haben:

  • Normal-Transit-Obstipation: Diese Form ist mit Abstand die häufigste. Die genauen Ursachen sind bislang ungeklärt. Der Darm ist ansonsten gesund und die Darmpassagezeit – die Zeit, die der Stuhl im Darm verbringt – ist normal.
  • Beckenbodendyssynergie: Hier handelt es sich um eine Koordinationsstörung der Beckenbodenmuskulatur.
  • Slow-Transit-Obstipation: Hier ist die Darmpassagezeit verlängert, der Stuhl braucht also länger, um den Darm zu passieren. Ursache ist meist eine Störung des Nervensystems des Darms. Im Volksmund wird dies häufig als Darmträgheit bezeichnet.

Die sekundäre Obstipation kann folgende Ursachen haben:

  • Eine ballaststoffarme Ernährung und/oder eine zu geringe Trinkmenge
  • Bewegungsmangel und Bettlägerigkeit (auch im Rahmen eines Krankenhaus- oder Pflegeheimaufenthaltes)
  • Medikamente (zum Beispiel Schmerzmittel der Opiatgruppe, wie Morphin oder Tramadol, außerdem Eisenpräparate, bestimmte Antidepressiva, Antihistaminika oder Epilepsiemedikamente)
  • Psychische Belastungen, Stress
  • Situationsbedingte Verstopfung (zum Beispiel durch eine Reise oder einen Krankenhausaufenthalt)
  • Zugrundeliegende, andere Erkrankungen (zum Beispiel Schilddrüsenunterfunktion, Multiple Sklerose oder Morbus Parkinson)
  • Mechanische Darmverengungen (zum Beispiel bei Morbus Crohn)

Besonders bei Opioid-haltigen Schmerzmitteln wie Morphin oder Fentanyl sowie bei längeren Krankenhausaufenthalten und Operationen ist heutzutage eine begleitende Obstipationsprophylaxe mit einem abführenden Medikament üblich. Falls Sie dennoch an Verstopfung leiden sollten, so teilen Sie dies Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem Arzt mit. Möglicherweise muss die Prophylaxe angepasst werden.

Wer von einer Obstipation betroffen sein kann

Prinzipiell kann eine Obstipation in jedem Lebensalter auftreten. Bei Senioren und Seniorinnen ab dem 65. Lebensjahr kommt sie jedoch etwas häufiger vor. Dies kann an einer vermehrten Medikamenteneinnahme liegen oder an häufiger vorkommenden Grunderkrankungen, die eine Obstipation begünstigen können. Außerdem lässt im höheren Alter das Durstempfinden nach. Durch zu wenig Trinken kann ebenfalls eine Verstopfung ausgelöst werden kann. Viele Senior:innen bewegen sich zudem im höheren Alter weniger, wodurch der Darm träger wird.

Die Gefahren einer Verstopfung

Ob eine Verstopfung gefährlich ist, hängt maßgeblich von der Ursache ab. Die meisten akuten Obstipationen sind auf körperlicher Ebene harmlos und können durch Trinken, Ballaststoffe, Bewegung und Laxantien gut behandelt werden.

Eine chronische Obstipation muss differenzierter betrachtet werden. Liegt keine Krankheit zugrunde, so ist die Verstopfung erst einmal nicht weiter gefährlich. Dennoch erzeugen die Beschwerden bei vielen Betroffenen einen starken Leidensdruck. Die andauernden Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit und Blähungen können viel Frust und sogar manifeste psychische Erkrankungen, wie eine Depression, auslösen. Hinzu kommt, dass Verstopfung häufig ein schambesetztes Thema ist, über das viele Menschen nur ungern sprechen.

Als Faustregel gilt: Halten die Verstopfungsbeschwerden länger als zwei Wochen an oder kehren immer wieder, so sollten Sie Ihren Hausarzt oder Ihre Hausärztin aufsuchen. Er oder sie kann abklären, ob eine Erkrankung die Ursache ist, die behandelt werden sollte.

Auf folgende Warnsignale sollten Sie bei jeder Form der Verstopfung achten:

  • Blut im Stuhl
  • Gewichtsverlust
  • Plötzlich aufgetretene Verstopfung ohne Stuhlgang über mehrere Tage
  • Ständiger Wechsel zwischen Verstopfung und Durchfall

Fallen Ihnen diese Symptome auf, so sollten Sie bei nächster Gelegenheit Ihre Hausärztin bzw. Ihren Hausarzt aufsuchen.

Treten zusätzlich Fieber, Übelkeit, Erbrechen, starke Bauschmerzen und/oder ein merklich aufgeblähter Bauch auf, so sollten Sie umgehend den Notruf 112 wählen. Dies sind Anzeichen eines akuten Darmverschlusses (Ileus), der lebensbedrohlich verlaufen kann.

Therapie bei Obstipation

Die Therapie richtet sich nach der Ursache. Liegt eine Krankheit zugrunde, so wird diese behandelt. Dadurch sollte auch die Verstopfung verschwinden. Sind Medikamente die Ursache, so kann Ihr Arzt bzw. Ihre Ärztin Ihnen begleitend ein Abführmittel als Obstipationsprophylaxe verschreiben.

Sowohl bei akuter als auch bei chronischer Verstopfung ohne auslösende Grunderkrankung gibt es Allgemeinmaßnahmen, die Sie auch zu Hause gut anwenden können. Diese beinhalten:

  • Eine ballaststoffreiche Ernährung und eine Trinkmenge von mindestens anderthalb bis zwei Litern Wasser pro Tag. Leiden Sie an Herz- oder Nierenerkrankungen, so sollten Sie die Trinkmenge vorher unbedingt mit Ihrem behandelnden Arzt oder Ihrer Ärztin absprechen.
  • Körperliche Bewegung. Ein Spaziergang an der frischen Luft von einer halben Stunde pro Tag kann bereits Verstopfungsbeschwerden vorbeugen und lindern.

Ihr Hausarzt oder Ihre Hausärztin kann Ihnen, wenn nötig, zusätzlich Medikamente verschreiben, um Ihren Stuhlgang anzuregen. Welche das sind, hängt von der Art Ihrer Obstipation ab. Ein beliebtes Mittel ist beispielsweise Laxatan M, das unter anderem das bewährte und gut wirksame Mittel Macrogol enthält.

Auch naturheilkundliche Verfahren können gegen harten Stuhlgang ergänzend angewandt werden. Der Erfolg dieser ist individuell sehr unterschiedlich. Die Einnahme von Probiotika kann bei funktioneller Obstipation (siehe oben), bei Verstopfung im Kindesalter und während der Schwangerschaft und bei einem Reizdarmsyndrom helfen. Ebenfalls möglich ist eine äußere Massage des Dickdarms. Die traditionelle chinesische Medizin kann ebenfalls Linderung verschaffen und eine Verstopfung lösen.

Wichtig ist dabei, dass Sie bei den oben genannten Warnzeichen eines Darmverschlusses die Notaufnahme Ihres örtlichen Krankenhauses aufsuchen, da bei Vorliegen eines akuten Darmverschlusses umgehend eine operative Versorgung notwendig ist.

Bei schwersten Formen der Obstipation, die auch durch Therapiemaßnahmen und über längere Zeit nicht verschwinden, sind bestimmte Operationen möglich. Dies stellt jedoch eine Ausnahme dar und ist in den allermeisten Fällen nicht notwendig.

Hausmittel gegen Verstopfung

Viele Menschen möchten bei einer Verstopfung nicht sofort zu einem Arzt oder einer Ärztin gehen. Dies ist in den meisten Fällen auch nicht nötig. Es gibt bewährte Mittel gegen Verstopfung, mit denen Sie Ihrem Darm etwas Gutes tun können. Diese können Sie unabhängig von der Ursache der Verstopfung anwenden. Falls die Obstipation jedoch länger als wenige Wochen andauert oder Sie öfter davon geplagt werden, sollten Sie Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt aufsuchen. Diese:r entscheidet, ob Sie möglicherweise ein Medikament zur Unterstützung benötigen.

Das beste Hausmittel gegen Verstopfung ist, viel zu trinken. Hierfür bieten sich stilles Wasser und Kräutertee an. Warmer Fenchel- oder Kamillentee beruhigt Ihren Darm und durch die zusätzliche Flüssigkeit wird der Stuhl weicher. Falls Sie dazu neigen, das Trinken zu vergessen, können Sie sich als Erinnerung stets eine Flasche Wasser auf den Tisch stellen.

Ein weiteres Hausmittel sind regelmäßige Spaziergänge. Bewegung hilft dabei, Ihre Verdauung anzuregen und den Darm in Schwung zu bringen. Zudem trägt regelmäßige Bewegung an der frischen Luft positiv zur Stimmung bei und regt den Appetit an. Falls es Ihnen schwerfällt, sich täglich aufzuraffen, könnten Sie sich mit einem Nachbarn oder einer Nachbarin verabreden. Vielleicht besitzt auch jemand einen Hund, den Sie einmal täglich auf seiner Runde begleiten können?

Ebenfalls altbewährt zur Vorbeugung und Behandlung von Verstopfung sind Ballaststoffe. Eine Portion Müsli oder eine Scheibe Vollkornbrot mit ganzen Körnern zum Frühstück können eine Verstopfung schnell beenden. Bei Zahnbeschwerden können Sie das Müsli vorher in Milch einweichen. Aber auch Obst und Gemüse enthalten Ballaststoffe. Um möglichst viele davon aufzunehmen, essen Sie Ihr Obst und Gemüse am besten gewaschen und mit Schale. Meiden Sie bei Verstopfung jedoch Bananen und geriebenen Apfel, da diese Verstopfung begünstigen.

Reichen diese Maßnahmen nicht aus, so können Sie auf Quellstoffe, wie Flohsamenschalen, Leinsamen oder Weizenkleie, zurückgreifen. Diese finden Sie meist in der Apotheke oder im Reformhaus. Wenden Sie diese jedoch maßvoll an und fragen Sie bei Unsicherheiten Ihren Hausarzt oder Ihre Hausärztin nach der richtigen Anwendung. Sie sollten mindestens zwei Liter Wasser täglich dazu trinken, damit sie die Wirkung der Samen entfaltet.

Und zu guter Letzt: Versuchen Sie, sich zu beruhigen und achten Sie nicht allzu verbissen auf die Verstopfung. Stress, Sorgen und Ärger sind für unseren Darm eine große Belastung. Dies merken viele Menschen bereits durch Verstopfung, Durchfall oder Übelkeit bei Nervosität und Stress oder durch Appetitverlust bei Kummer. Versuchen Sie, regelmäßig zu essen und zu schlafen und bauen Sie Entspannungspausen in Ihren Alltag ein. Fragen Sie sich selbst, was Sie entspannt. Ist es ein gutes Buch im Garten, eine Runde Spazieren im Wald oder Musikhören im Lieblingssessel? Durch Ablenkung und eine gesunde Lebensführung können Sie der Verstopfung effektiv vorbeugen.

Quellen:

Deutsche Familienversicherung: Verstopfung: Ursachen, Symptome & Behandlung

AOK: Verstopfung: 7 Expertentipps für eine gesunde Verdauung

Wissen in der Box: Verstopfung

Bei einer Verstopfung kommt es zu verhärtetem Stuhl im Darm und/oder einer verlängerten Dauer zwischen den Toilettengängen.

Bei der primären Verstopfung kann keine organische Ursache festgestellt werden.

Eine ballaststoffarme Ernährung und/oder eine zu geringe Trinkmenge, Bewegungsmangel, bestimmte Medikamente oder Stress können Ursache sein.

Prinzipiell kann eine Verstopfung in jedem Lebensalter auftreten. Bei Senioren ab dem 65. Lebensjahr kommt sie jedoch etwas häufiger vor.

Die meisten akuten Obstipationen sind auf körperlicher Ebene harmlos und können durch Trinken, Ballaststoffe, Bewegung und Laxantien gut behandelt werden.

Viel trinken, regelmäßige Spaziergänge, eine ballaststoffreiche Ernährung sowie Entspannungspausen im Alltag.

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