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Altersdepression

Altersdepression – Anzeichen, Diagnose und Behandlung

Finja Berresheim
Finja Berresheim

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Depressionen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen und können in jedem Alter auftreten. Betreffen sie Menschen im fortgeschrittenen Alter, bezeichnet man das häufig als Altersdepression. Die typischen Beschwerden mit gedrückter Stimmung, Interessensverlust und Antriebslosigkeit können dabei den Alltag von Betroffenen stark einschränken. 

Eine frühe Diagnose und gezielte Behandlung des Krankheitsbilds ist somit für die Verbesserung der Lebensqualität von Betroffenen entscheidend.

Haben Sie bei sich oder Ihrem Angehörigen Beschwerden dieser Art bemerkt, können Sie sich im Folgenden über die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten einer Altersdepression informieren.

Inhalt

Was genau ist eine Altersdepression und was sind ihre Ursachen? 

Eine Depression ist eine psychische Erkrankung, die ungefähr 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung in Deutschland betrifft. Meist tritt die Erkrankung ab einem Alter von 30 Jahren auf und betrifft mehr Frauen als Männer. 

Treten Depressionen im Alter auf, spricht man von einer Altersdepression. Hierbei zeigen sich einige Besonderheiten im Vergleich zu Betroffenen im jüngeren Alter. 

Die Ursachen einer Altersdepression sind jedoch denen einer Depression im jüngeren Alter ähnlich. 

Die Entstehung der Erkrankung ist meist sowohl auf genetische Faktoren und körperliche Veränderungen, als auch auf Einflüsse aus dem Umfeld zurückzuführen. 

Zu den wichtigsten Risikofaktoren für die Entstehung einer Depression gehören: 

  • Genetische Veranlagung 
  • Hormonelle Einflüsse
  • Veränderungen im Gehirnstoffwechsel (Neurotransmitter)
  • Persönlichkeitsfaktoren 
  • Traumatische und belastende Erlebnisse (Disstress)

In den meisten Fällen ist die Entwicklung einer Depression auf eine Kombination aus den oben genannten Faktoren zurückzuführen. Es gibt jedoch auch körperliche Erkrankungen, die ursächlich für eine Depression sein können. Andersherum können sich Depressionen auch psychosomatisch auswirken und körperliche Beschwerden hervorrufen.

Körperliche Krankheitsbilder sollten zunächst immer ausgeschlossen werden, da hier eine Behandlung der Grunderkrankung die depressiven Symptome lindern kann. 

Zu den organischen Ursachen einer depressiven Störung können unter anderem gehören: 

  • Schilddrüsenunterfunktion
  • Veränderungen im Calcium-, Vitamin-B12- oder Folsäure-Haushalt
  • Blutarmut 
  • Morbus Parkinson
  • Demenz
  • Krebserkrankungen 

Es ist nachvollziehbar, dass zum Beispiel die Belastung durch eine Krebserkrankung die Gemütslage negativ beeinflusst. Haben Sie aber das Gefühl, dass die depressiven Symptome stark ausgeprägt sind, ist der Hausarzt erster Ansprechpartner für depressive Patienten.

Welche Anzeichen lassen auf eine Depression im Alter schließen?

Des Weiteren gleichen die Symptome einer Altersdepression denen von jüngeren Betroffenen. 

Zu den wichtigsten Anzeichen einer depressiven Erkrankung gehören vor allem eine gedrückte Stimmung sowie ein verminderter Antrieb und Interessensverlust an jeglichen Dingen.

Sorgen und Ängste hingegen beziehen sich bei der Altersdepression meist auf körperliche Beschwerden. Im Rahmen einer Depression werden diese als besonders belastend und bedrohlich wahrgenommen. 

Bestehen die Symptome jedoch länger als zwei Wochen und sind die meiste Zeit des Tages vorhanden, könnte eine Depression die Ursache sein. 

Außerdem berichten Betroffene einer Altersdepression meist zusätzlich von folgenden Symptomen

  • Reduziertes Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl 
  • Konzentrationsprobleme 
  • Appetitlosigkeit
  • Schlafstörung (vor allem frühes Erwachen oder Probleme beim Einschlafen)
  • Nachlassendes sexuelles Verlangen
  • Suizidgedanken und Selbstverletzung 

Besonders Suizidgedanken und -handlungen sind immer ernst zu nehmen und deuten auf eine schwere Depression. 

Ungefähr 80 Prozent der Betroffenen haben Suizidgedanken, darunter nehmend sich 2 Prozent das Leben. Des Weiteren geht die Altersdepression bei Männern dabei mit einem besonders stark erhöhten Suizidrisiko einher. 

Sind Sie selbst oder Angehörige von einer Depression oder Suizidgedanken betroffen, legen wir Ihnen ans Herz, sich frühzeitig professionelle Hilfe zu suchen. Für depressive Patienten gibt es Notfallnummern: 

Beispielsweise der Telefon-Seelsorge, welche Sie 24 Stunden, 7 Tage die Woche anrufen können. Für Sie ist vor allem wichtig zu wissen, dass Sie mit diesen depressiven Gedanken nicht allein sind und dass mit Hilfe Heilung möglich ist.

Haben Sie Angehörige bei denen eine Depression bekannt ist, suchen Sie das Gespräch. Nicht immer sprechen Betroffene offen über ihre Depression. Aber einfach zu wissen, dass jemand da ist und sich mit einem unterhält, bedeutet ihnen oft viel. Außerdem können Sie dabei helfen, bei Bedarf eine professionelle Anlaufstelle ausfindig zu machen. Im Rahmen einer Psychotherapie spielen verständnisvolle Angehörige eine wichtige Rolle, das Krankheitsbild ernst zu nehmen und dem Patienten mit Depression bei der Therapie zu begleiten.

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Wie wird die Altersdepression diagnostiziert? 

Haben Sie bei sich oder einem Ihrer Angehörigen den Verdacht auf eine Altersdepression, zögern Sie nicht Ihre behandelnde Ärztin anzusprechen

Bei Depressionen handelt es sich vor allem um ernstzunehmende Erkrankungen, die sich auch auf psychosomatisch auf körperliche Beschwerden auswirken können und diese verschlechtern. 

Die frühzeitige Diagnose und Therapie der Ursachen ist somit von entscheidender Bedeutung. Hierbei ist auch die Abgrenzung zu organischen Ursachen der depressiven Beschwerden entscheidend. 

Gerade bei älteren Menschen beziehen sich die Sorgen und Ängste im Rahmen einer Altersdepression häufig auf körperliche Beschwerden. Diese werden dann meist als schlimmer und quälender empfunden, als sie eigentlich sind. Eine Altersdepression als primäre Ursache wird somit bei älteren Betroffenen meist zunächst übersehen. Die Abgrenzung zu organischen Ursachen, wie einer Demenz ist dabei gerade bei der Altersdepression sehr wichtig.  

Hierfür wird die Diagnose einer Depression vor allem anhand der Symptome gestellt, wofür unter anderem ein Test für Altersdepressionen verwendet wird. Anschließend führt der behandelnde Arzt ein ausführliches Gespräch mit dem Betroffenen um weitere Krankheiten auszuschließen.

Um organische Ursachen für eine Depression auszuschließen, wird der Hausarzt je nach Beschwerden einige weitere Untersuchungen durchführen. 

Außerdem können zur Diagnostik einer Depression und zum Ausschluss anderer organischer Ursachen noch folgende Symptome gehören: 

  • Ausführliches Gespräch
  • Körperliche und neurologische Untersuchung 
  • Neurologische Testungen (evtl. durch einen Facharzt der Neurologie)
  • Blutuntersuchung zur Bestimmung der Schilddrüsen-, Nieren- und Leberwerte
  • Bildgebung des Kopfes 
  • EEG (Ableitung der Hirnströme)

Ergeben die weiterführenden Untersuchungen letztendlich keine Hinweise auf eine organische Ursache, wird die behandelnde Ärztin die Diagnose einer Depression und Therapieoptionen mit dem Patienten besprechen.

Wie unterscheidet man eine Altersdepression von Demenz?

Vor allem die Abgrenzung zu demenziellen Erkrankungen ist gerade bei der Altersdepression von entscheidender Bedeutung. Eine Altersdepression kann sich in einigen Fällen wie eine Demenz zeigen und nennt sich dann Pseudodemenz. Die kognitiven Defizite im Rahmen einer Depression sind hierbei jedoch auf Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen zurückzuführen und nicht auf eine Demenz. 

Zur Abgrenzung der beiden Erkrankungen kommen vor allem bestimmte Tests zur Anwendung. Dazu gehören vor allem kognitive Leistungstests wie der Demenz-Detektionstest (DemTect) und der Mini-Mental-Status-Test (MMST). Diese Tests können erste Hinweise auf eine demenzielle Entwicklung geben. 

Beim MMST und DemTect werden verschiedene Bereiche wie die Orientierung, Merkfähigkeit und Erinnern sowie Rechnen, Schreiben und Zeichnen getestet. 

Diese weisen typischerweise bei Betroffenen mit Demenz Defizite auf und können somit ein erster Hinweis auf die Erkrankung sein. In der Diagnostik werden also häufig erst Hinweisen auf eine Demenz nachgegangen um diese ausschließen zu können.

Des Weiteren können depressive Symptome sehr gut mit der geriatrischen Depressionsskala als Test für Altersdepressionen erfasst werden. Hier werden in einer Kurzfassung 15 Fragen gestellt. Dabei handelt es sich um die Erfassung verschiedener Gefühlslagen, welche typisch für eine Depression im Alter sind. 

Dazu gehören unter anderem Fragen wie: 

  • Sind Sie mit Ihrem Leben zufrieden?
  • Haben Sie viele Ihrer Interessen und Aktivitäten aufgeben?
  • Haben Sie das Gefühl, Ihr Leben sei unausgefüllt? 
  • Ist Ihnen oft langweilig?

Dennoch kann eine Abgrenzung der beiden Erkrankungen trotzdem schwierig bleiben. Allerdings gibt es häufig Hinweise auf eine depressive Erkrankung vor allem in der Vorgeschichte des Patienten. Das bedeutet, dass hier depressive Episoden in der Vergangenheit analysiert werden und des weiteren eine Verdachtsdiagnose unterstützen. 

Ein rascher Beginn der kognitiven Defizite als auch detaillierte Beschreibungen der Betroffenen zu den kognitiven Beschwerden stützen die Diagnose einer Altersdepression. Patienten mit demenziellen Erkrankungen stellen Ihre kognitiven Defizite hingegen meist als unbedeutend dar. 

Eine Demenz kann auch zusammen mit einer Depression auftreten, die aber häufig noch zusätzlich die demenzielle Entwicklung verschlechtert. Hier ist die Therapie beider Erkrankungen für die Verbesserung der Lebensqualität von entscheidender Bedeutung. 

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es? 

Die Behandlung der Altersdepression setzt sich hier aus verschiedenen Bereichen zusammen. 

So gehören zur Therapie der Altersdepression vor allem: 

  • Medikamentöse Therapie 
  • Psychotherapie 
  • Verbesserungen der Stressfaktoren im Umfeld

Depressionen werden in erster Linie psychotherapeutisch behandelt. Meist wird eine Verhaltenstherapie empfohlen, die in der Regel von einem niedergelassenen Psychologen durchgeführt wird. Hier wird versucht die Denk- und Verhaltensweisen des betroffenen Menschen, die die Depression mit bedingen, zu verändern. 

Leiden Sie oder Ihre Angehörigen unter einer Depression, sollten Sie sich bitte zeitnah eine behandelnde Psychotherapeutin suchen. Nehmen Sie sich für die Therapie genügend Zeit und vereinbaren Sie zunächst eine Probesitzung. Nur wenn Sie sich Ihrem Psychotherapeuten öffnen können und bei Ihm wohlfühlen, ist eine erfolgreiche Therapie des Krankheitsbildes möglich. 

Auch eine medikamentöse Therapie kann neben der psychotherapeutischen Behandlung unterstützend auf den Heilungsprozess wirken. Gerade bei schweren Depressionen ist dabei eine Medikation sehr wichtig. 

Jedoch ist bei älteren Patienten mit Depressionen nicht jede antidepressive Medikation geeignet. Meist bestehen aufgrund des Alters einige Vorerkrankungen und die Betroffenen nehmen hierfür bereits einige Medikamente ein. Deshalb können Wechselwirkungen zwischen den Substanzen auftreten. Auch Nebenwirkungen treten bei älteren Patienten häufiger auf und können schwerwiegender sein als erwartet, weshalb eine genaue Auswahl der Medikation besonders wichtig ist. 

Die wichtigsten Antidepressiva in der Behandlung der Altersdepression sind vor allem Folgende: 

  • Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI): Wie Citalopram, Sertralin und Fluoxetin
  • Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SSNRI): wie Duloxetin und Venlafaxin 
  • Mirtazapin

Die genannten Medikamente wirken vermutlich über eine Erhöhung der Verfügbarkeit der Botenstoffe im Gehirn

Die Wirkung der Antidepressiva tritt meist nach 4 bis 6 Wochen ein. Auch nach Abklingen der Beschwerden ist eine weitere Behandlung zur Erhaltung notwendig. 

Ihr behandelnder Arzt wird regelmäßig die Nebenwirkungen und Behandlungserfolge Ihrer Medikation mit Ihnen besprechen. Auch Anpassungen der Therapie und Medikation sind üblich.

Was können Angehörige bei einer Altersdepression tun? 

Depressionen sind nicht nur für Betroffene sondern auch Angehörige sehr belastend. Deshalb ist eine frühzeitige Diagnostik und Behandlung dabei der erste Schritt, um den Leidensdruck für Sie und Ihren Angehörigen zu reduzieren. 

Bemerken Sie bei sich selbst oder Ihrem Angehörigen depressive Beschwerden, zögern Sie deshalb nicht dies anzusprechen und frühzeitig einen Arzt aufzusuchen. Diesen können Sie auf die depressiven Symptome ansprechen und sich eine erste Einschätzung des Krankheitsbildes holen.

Eine wichtige Hilfestellung kann hier auch die Unterstützung beim ersten Arzttermin sein. Begleiten Sie Ihren Angehörigen bzw. lassen Sie sich bei diesem Schritt begleiten, wenn es gewünscht ist. 

Depressionen gehen zudem mit einem erhöhten Risiko für einen Suizid einher. Nehmen Sie deshalb Suizidgedanken oder Suiziddrohungen von Angehörigen immer ernst und suchen Sie einen Arzt auf.  

Auch als Angehörige von Menschen mit Depressionen ist die Erkrankung eine schwierige Situation. Benötigen Sie selbst Hilfe und Unterstützung, zögern Sie nicht Ihre Belastungen und Sorgen mit Ihrem Arzt zu besprechen. Hier können auch Selbsthilfegruppen für Angehörige zum Ausstauch von Problemen, aber auch von schönen Momenten hilfreich sein. Manchmal kann aber auch für Sie eine Psychotherapie unterstützend wirken. 

 

Quellen: 

Berger, M. (2018). Psychische Erkrankungen – Klinik und Therapie. Elsevier.

Volz, A. (2018). MEX Das Mündliche Examen – Psychiatrie. Elsevier. 

https://next.amboss.com

https://www.deutsche-depressionshilfe.de