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Knieprothese – Was Sie über ein neues Knie wissen sollten

Charlotte Weidenbach
Charlotte Weidenbach

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Ist bei starkem Kniegelenksverschleiß die Behandlung mit Schmerzmitteln nicht mehr ausreichend, wird eine Knieprothese sinnvoll. Die Kniegelenk-OP ist eine der häufigsten Operationen in Deutschland, die bei Personen ab 55 Jahren zunehmend notwendig wird. Da das natürliche Kniegelenk jedoch komplexe Funktionsanforderungen hat, ist es mit einem künstlichen Kniegelenk nicht immer möglich den gesamten Bewegungsumfang wieder herzustellen. 

Für viele Betroffene mit Arthrose ist der Eingriff jedoch nicht zu umgehen und trägt zu einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität bei. 

Wir informieren Sie über die unterschiedlichen Knieprothese-Arten sowie den Ablauf einer Knieprothese OP. Außerdem erklären wir Ihnen, was Sie in der Zeit nach der OP beachten müssen und wie Sie die Lebensdauer der Knieprothese erhöhen.

Inhalt

Was genau ist eine Knieprothese?

Eine Knieprothese ist ein künstliches Kniegelenk, das bei nicht mehr anders zu behandelndem Verschleiß des Kniegelenks eingesetzt wird. Sie ersetzt insbesondere die beschädigten Knorpelflächen an Oberschenkel- und Unterschenkelknochen durch künstliche Gleitflächen. 

In der Regel ermöglicht eine Knieprothese wieder die natürlichen Bewegungen ohne Schmerzen. Dabei wird so wenig wie möglich vom gesundem Gewebe entfernt.

Welche unterschiedlichen Arten von Knieprothesen gibt es?

Es gibt mehrere Arten des Kniegelenkersatzes:

Teilgelenkprothese

Wenn neben den verschlissenen Gelenkanteilen ausreichend gesundes Gewebe im Kniegelenk vorhanden ist, wird eine Teilgelenkprothese eingesetzt. Die Teilgelenkprothese ersetzt also nur den beschädigten Anteil des Knies, meistens den inneren Teil des Kniegelenks.

Die in diesem Fall eingesetzte Teilprothese wird Hemischlitten genannt. Seltener erfolgt der Einsatz einer Teilprothese zwischen Kniescheibe (Patella) und Oberschenkelknochen (Femur), die patellofemorale Knieprothese. 

Knie-Totalendoprothese

Wenn der Knorpel insgesamt stark beschädigt ist, wird eine Knie-Totalendoprothese, Knievollprothese oder kurz Knie-TEP, vorgezogen. Die Knie-TEP wird ungekoppelt als sogenannte Oberflächenersatzprothese eingesetzt, wobei die gesamte knorpelige Oberfläche künstlich ersetzt und mit den gesunden körpereigenen Bändern verbunden wird. Bei zusätzlich geschädigten Bandstrukturen erfolgt der Einsatz einer gekoppelten Knie-TEP. Diese ist zwar sehr stabil, aber kann den natürlichen Bewegungsumfang des Kniegelenks weniger gut nachahmen. 

Stehen Sie oder ein Verwandter vor einer Knieoperation, wird der behandelnde Arzt Sie über die passende Knieprothese aufklären.

Bei welchen Symptomen und Erkrankungen kommt eine Knieprothese in Betracht?

Die wichtigste Erkrankung, bei der ein künstliches Knie oft die letzte Therapieoption darstellt, ist die Arthrose. Die Symptome der Arthrose sind hauptsächlich Knie– und Beinschmerzen, die zunächst in Bewegung auftreten und später auch in Ruhe zunehmen. 

Wenn Sie oder ein Angehöriger eine stark fortgeschrittene Arthrose und trotz intensiver, nicht-operativer Therapie mindestens 3 Monate lang Schmerzen haben, kann ein neues Knie die Lebensqualität möglicherweise verbessern. Der behandelnde Arzt wird Sie darüber informieren und mit Ihnen gemeinsam überlegen, ob eine Operation die gewünschten Verbesserungen bewirkt. 

Weiterhin ist es möglich, dass Rheuma beziehungsweise eine rheumatische Erkrankung im Kniegelenk zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führt. Langfristig entstehen auch hier in manchen Fällen therapieresistente Beschwerden, so dass ein Kniegelenkersatz sinnvoll ist. 

Deutlich seltener ist ein Einsatz eines neuen Kniegelenks wegen meist gutartigen (benignen) notwendig. Oder seltener beim bösartigen (malignen) Knochentumoren, zum Beispiel dem Osteochondrom oder dem Osteoklastom.

Welche Erfahrungen machen Patienten mit einem künstlichen Kniegelenk?

Das künstliche Kniegelenk ist ein äußerst anspruchsvoller Gelenkersatz, an dem gleichzeitig hohe Erwartungen anhaften. Etwa 80 Prozent der Patienten mit Knieprothese erleben eine Verbesserung ihrer Lebensqualität durch ein neues Knie. Sie haben also deutlich weniger oder gar keine Schmerzen mehr. Außerdem sind sie im Alltag wieder mobiler und können sogar wieder sportliche Aktivitäten aufnehmen. 

Allerdings geht mit dem künstlichen Kniegelenk auch eine gewisse Einschränkung der Beweglichkeit einher. Insbesondere gekoppelte Knie-TEPs ermöglichen nicht die gleichen Bewegungen wie ein natürliches Knie. Die modernen Knieprothesen versuchen zwar mehr und mehr, die natürlichen Bewegungsumfänge zu imitieren, dennoch kann sich das neue Knie am Anfang unter Umständen ungewohnt anfühlen. 

Dennoch haben die meisten Patienten mit Arthrose vor der Operation durch die starken Schmerzen so starke Einschränkungen in ihrer Beweglichkeit, dass nach der Knieprothese-OP trotz eines möglicherweise ungewohnten Gefühls die Lebensqualität deutlich steigt. Ungekoppelte Knie-TEPs oder Teilprothesen haben zwar einen annähernd natürlichen Bewegungsumfang, dafür sind sie aber nicht so lange haltbar. In der Regel werden sie früher ausgetauscht. 

Was wird bei einer Knieprothese-OP genau gemacht?

Die Durchführung der Knieprothesen-OP erfolgt in Teil– oder Vollnarkose sowie mit einer Spinalanästhesie. Sie dauert etwa ein bis zwei Stunden.

Bei der klassischen OP-Methode wird mit einem Schnitt an der Vorderseite des Knies das Gelenk eröffnet. Die minimalinvasive Methode wird heutzutage zunehmend eingesetzt, da sie deutlich weniger Gewebe beschädigt und kleinere Narben hinterlässt. Stark übergewichtige Patienten werden jedoch nicht minimalinvasiv operiert. Außerdem lässt sich nicht jeder Prothesentyp minimalinvasiv einsetzen. 

Vor der Operation wird zur OP-Planung ein Röntgenbild, manchmal auch MRT (Magnetresonanztomographie) oder CT (Computertomographie) Bilder des Knies gemacht. 

Während der OP werden die Knochen, an denen die Prothese ansetzt, vorbereitet. Die endgültige Fixierung der Prothesenteile am Knochen erfolgt entweder mit oder ohne Zement, was je nach Prothesenart und Knochenstruktur des Patienten vom Operateur entschieden wird. Nach der OP bleiben Patienten etwa zehn Tage im Krankenhaus.

Die Kosten für eine Knieprothese-OP hängen von vielen verschiedenen Faktoren ab. Sie liegen zwischen 7 000 und 16 000 Euro. Wenn der Arzt eine eindeutige medizinische Indikation stellt, werden die Kosten von der Krankenkasse übernommen. Fragen Sie hierzu bei Bedarf unbedingt beim Behandler sowie bei der zuständigen Krankenkasse nach, bevor Sie einen Operationstermin vereinbaren. 

Gibt es eine Altersobergrenze für ein neues Knie?

Eine Altersobergrenze für die Knieprothese gibt es nicht. Im Gegenteil operieren Ärzte eher ungern Patienten unter 60 Jahren. Bei dieser Patientengruppe ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Knieprothese im Laufe des Lebens wieder verschleißt und eine Erneuerung notwendig ist.

Wenn Sie oder Ihr Angehöriger unter Knieproblemen leiden, fragen Sie Ihren Orthopäden, ob eine Knieprothese sinnvoll ist. Patienten mit vielen Vorerkrankungen und extremem Übergewicht sowie einer geringen Lebenserwartung werden meist nicht operiert. Auch wenn der Betroffene durch die Operation selbst oder die Narkose ein hohes Risiko hat, wird die Operation nicht durchgeführt. 

Mit welchen Auswirkungen muss ich nach der Knie-OP rechnen?

Nach der Knie-OP werden Sie in den ersten zehn Tagen unter physiotherapeutischer Anleitung die ersten Bewegungen ohne Gewichtsbelastung mit dem neuen Knie machen. In den ersten zwei Wochen sind Wundschmerzen normal, die mit Schmerzmitteln nach Anweisung des Arztes zu behandeln sind. 

Nach dem Krankenhausaufenthalt folgt eine etwa dreiwöchige Reha, in der das neue Knie erstmals belastet wird. Hier zeigen die Behandler Ihnen Übungen mit leichter Belastung zur Stärkung der Muskulatur und Training des Gleichgewichts. Ziel ist es schnell wieder fit in den Alltag zurückzukehren. 

Erst nach etwa drei Monaten ist sportliches Training wieder möglich. Neben positiven Effekten für die Muskulatur und die Knochen und Bänder, hilft Sport auch bei der Gewichtsabnahme und trägt zum psychischen Wohlbefinden bei. 

Empfehlenswert sind gleichmäßige Belastungen wie Walking, Gymnastik, Wandern, Schwimmen und Radfahren.
Alles weitere wie Kampf- und Kontaktsportarten sind ungeeignet. Fragen Sie im Zweifel immer Ihren behandelnden Arzt, wenn Sie eine bestimmte Sportart ausüben wollen.

Welche Komplikationen kann die Knieprothese-OP haben?

Insbesondere in den ersten Wochen nach der Knie-OP besteht das Risiko einer Thrombose, insbesondere einer tiefen Beinvenenthrombose. Deren gefürchtete Komplikation ist eine Lungenembolie. Der Arzt wird Ihnen deshalb schon im Krankenhaus Medikamente zur Thromboseprophylaxe verschreiben. Er gibt Ihnen genau vor, wie Sie diese einnehmen. Außerdem wird das Thromboserisiko insbesondere zu Beginn durch regelmäßige Bewegung durch Krankengymnastik verringert. 

Des Weiteren ist wie bei jedem Eingriff sowohl mit der Narkose als auch mit der Operation selbst ein gewisses Risiko verbunden. Insbesondere besteht die Möglichkeit auf Blutungen und Infektionen im Knie, deren Behandlung anschließend während eines längeren Krankenhausaufenthalts erfolgt. 

Ihr Operateur sowie der Narkosearzt klären Sie oder Ihren Angehörigen vor einer Knieprothese-OP ausführlich auf. Im Aufklärungsgespräch in den Tagen vor der Operation können Sie alle Fragen stellen und sich noch einmal die genauen Abläufe erklären lassen

Wie lange hält eine Knieprothese?

Die Knieprothese hält etwa zehn bis maximal zwanzig Jahre, wobei Knie-Vollprothesen in der Regel länger halten als Teilprothesen. Die Haltbarkeit der Knieprothese wird außerdem durch den richtigen Umgang deutlich verlängert. 

Wenn Sie einen Angehörigen mit Knieprothese pflegen oder selbst eine Knieprothese haben, tragen folgende, funktionserhaltende Maßnahmen für das Kniegelenkersatz bei:

  • Regelmäßige Krankengymnastik oder Seniorensport, Durchführung der Übungen auch zu Hause
  • Vermeidung von schwerer körperlicher Arbeit und dem Heben von Lasten 
  • Beugung im Knie nicht über 90° 
  • Anpassung des Schuhwerks, flache Absätze und gegebenenfalls weiche Sohlen
  • Gute Körperhygiene, bei eitrigen Entzündungen ärztlichen Rat einholen

Empfehlenswert ist für Übergewichtige außerdem eine Reduktion des Körpergewichts und für Personen mit Diabetes Typ II auch eine gute Blutzuckereinstellung

Pflegen Sie einen Angehörigen mit Knie-Prothese, sollten Sie ihn zu regelmäßigen ärztlichen Kontrollen begleiten. So werden mögliche Probleme frühzeitig erkannt und behandelt. Damit wird mit der Knieprothese langfristig ein schmerzfreies Gehen ermöglicht. 

 

Quellen: 

https://www.awmf.org/leitlinien 

https://amboss.com/de 

https://www.uniklinikum-dresden.de

Niethardt F, Pfeil J, Biberthaler P. Duale Reihe Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme Verlag 6. Auflage 2009

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