• Leberzirrhose - was das Endstadium bedeutet

Eine Leberzirrhose steht für das Endstadium verschiedener Lebererkrankungen, bei welchem die gewöhnliche, gesunde Architektur der Leber zerstört und durch funktionsloses Bindegewebe ersetzt wird. Das einst intakte Lebergewebe vernarbt. Versagt das größte Entgiftungsorgan des Menschen den Dienst, hat dies weitreichende Folgen. Mehr zu Symptomen, Ursachen und Therapie der Leberzirrhose erfahren Sie hier.

Leberzirrhose ist keine Randerscheinung

Wo sitzt die Leber überhaupt, fragen sich viele Patienten. Die keilförmige Leber befindet sich zum größten Teil im rechten Oberbauch, unmittelbar unterhalb des Zwerchfells. Weil das größte und schwerste menschliche Organ mit der Unterfläche des Zwerchfells verwachsen ist, lässt es sich vom Arzt bei jedem Atemzug gut unter dem Rippenbogen tasten. Bei bestimmten Lebererkrankungen, wie etwa einer Fettleber, ist das vergrößerte Organ auch ohne Atemübung tastbar.Leberzirrhose

Im Vergleich zu anderen Organen vermag sich die Leber eigentlich vergleichsweise gut zu regenerieren. Halten allerdings bestimmte Belastungen dauerhaft an, kann die Leber nachhaltig Schaden nehmen. Schätzungsweise eine Million Menschen leiden hierzulande unter einer Schrumpfleber, wobei die Häufigkeit dieser Organveränderung bei adipösen Menschen größer als bei Normalgewichtigen ist. Ferner sind Männer statistisch gesehen doppelt so häufig wie Frauen betroffen. Auf die leichte Schulter genommen werden darf diese Erkrankung keineswegs.

Die Leberzirrhose gehört deutschlandweit zu den 20 häufigsten Todesursachen.

Relevanz der Leber für den menschlichen Organismus

Das 1,2 bis 1,8 Kilogramm schwere Organ ist für jedes Individuum überlebenswichtig, da die Leber viele essentielle Aufgaben übernimmt. Sie spielt eine wichtige Rolle bei

  • dem Stoffwechsel von Eiweißen, Kohlenhydraten und Fetten

  • der Speicherung von Vitaminen, Proteinen, Nahrungsfetten und Kohlenhydraten

  • der Erhöhung des Blutzuckerspiegels, indem sie die Stoffe bei Bedarf wieder abgibt

  • der täglichen Produktion von ca. 700 ml Gallenflüssigkeit

  • der Umwandlung körperfremder und -eigener Stoffe in unschädliche

  • der Ausscheidung „entgifteter“ Stoffe wie Alkohol oder Medikamentenresten

Darüber hinaus ist eine gesunde Leber in der Lage, sich zu erneuern.

Typische Beschwerden bei einer Leberzirrhose

Lebererkrankungen können dazu führen, dass die oben genannten Aufgaben nicht mehr wie gewohnt erfüllt werden können. Bei der Leberzirrhose ist genau dies der Fall. Ursächlich dafür ist die Tatsache, dass die Giftstoffe nicht mehr ausreichend abgebaut werden. Zudem wird der Blutstrom gestört. Diese Umstände gehen mit den typischen Symptomen einer Zirrhose einher. Hierzu zählen beispielsweise

  • starker Juckreiz, Gewichtsverlust oder Gelbsucht.
  • Betroffene fühlen sich zudem oft abgeschlagen, müde und vermindert leistungsfähig.
  • Ferner verursacht die Krankheit nicht selten eine Völle- oder Druckgefühl im Bereich oberhalb des Bauchnabels, während sogenannte Leberhautzeichen auftreten, insbesondere im Gesicht sowie am Hals und Oberkörper.
  • Totale Weißfärbung der Nägel, auffallend gerötete Lippen sowie deutlich rot gefärbte Kleinfinger- und Daumenballen sind weitere klassische Symptome.
  • Im fortgeschrittenen Stadium kommt es zu hepatischer Enzephalopathie, erhöhtem Blutdruck, gestörter Blutgerinnung, Gelbfärbung von Haut und Augenweiß, Potenzproblemen, Ödemen an Beinen sowie Fieber.

Zu beachten ist jedoch, dass eine Leberzirrhose oftmals erst nach vielen Jahren oder gar Jahrzehnten Beschwerden hervorrufen kann. Suchen Sie frühzeitig einen Arzt auf, da sich mittels rechtzeitiger Behandlung unumkehrbare Schäden verhindern lassen.

Leberzirrhose

Stadien der Leberzirrhose

Üblicherweise wird das Ausmaß der Zirrhose anhand der sogenannten Child-Pugh-Kriterien oder des MELD-Score klassifiziert. Im ersten Fall werden die Leberfunktionen (Bilirubin, Blutgerinnung, Albumin) gemessen sowie Folgeerkrankungen (Enzephalopathie, Bauchwassersucht) berücksichtigt und mit Punkten versehen. Die Einteilung in die Stadien Child A, Child B und Child C (Endstadium) ermöglicht dem Internisten eine Aussage hinsichtlich der Prognose.

Gesamtpunktzahl der Child-Pugh-Kriterien Child-Pugh-Klassifikation 1- Jahres-Überlebensraten 2-Jahres-Überlebensraten
5-6 A 95% 90%
7-9 B 80% 70%
10-15 C 45% 38%

Einfluss einer Leberzirrhose auf die Lebenserwartung

Gegenüber Gesunden ist die Lebenserwartung von Patienten mit fortgeschrittener Leberzirrhose deutlich verkürzt.

  • So verstirbt jeder zweite Patient mit alkoholbedingter Zirrhose binnen fünf Jahren, wenn dieser weiter Alkohol konsumiert.

  • Gesellen sich weitere Komplikationen hinzu, versterben sogar drei von vier Betroffenen.

  • Jeder zweite Patient mit Bauchwassersucht stirbt ferner binnen zwei Jahren.

  • Die häufigsten Todesursachen sind Leberkrebs, Blutung aus Magen und der Speiseröhre sowie Leberversagen.

Ursachen einer Leberzirrhose

In über der Hälfte der Fälle führt ein jahrelang übermäßiger Alkoholkonsum zu einer Zirrhose.

Daneben ist die Krankheit in ungefähr 20 bis 25 Prozent der Fälle die Folge einer chronischen Leberentzündung (Virushepatitis).

Neben Alkoholkonsum und chronischer Leberentzündung kommt zudem Diabetes mellitus als Ursache in Frage.

Auch wer eine Fettleber hat, sollte besonders vorsichtig sein. Denn eine Fettleber lässt nachweislich das Risiko einer Zirrhose steigen.

Behandlung der Leberzirrhose

Grundsätzlich gilt: Eine Leberzirrhose ist nicht heilbar. Allerdings kann es bei konsequenter sowie rechtzeitiger Behandlung gelingen, dass sich die Leber zumindest anteilig erholt und die Lebenserwartung nicht verkürzt wird. Interessant zur Diagnose sind die Leberwerte. Dies gilt vor allem für die Werte der Enzyme Cholinesterase sowie Albumin. Fallen diese Leberwerte niedrig aus, könnte die Leber durch eine Zirrhose gestört sein.

Wird eine Schrumpfleber diagnostiziert, besteht die Therapie insbesondere darin, auf leberschädigende Substanzen wie Zigaretten oder Alkohol zu verzichten. Ferner sollte auf eine kochsalzarme, eiweiß-, ballaststoff-, vitaminreiche sowie ausgewogene Ernährung geachtet werden. Auch die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln ist möglich. Wird die Zirrhose durch Hepatitis hervorgerufen, sollen Medikamente wie Telbivudin oder Entecavir die Vermehrung der Viren hemmen. Nur in schweren Fällen wird eine Lebertransplantation erforderlich.