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  • Wie man ein Delir erkennt und wie man richtig damit umgeht

Das Delir – wenn Ihr Angehöriger plötzlich ganz anders ist

Viele ältere Menschen leben noch ein aktives und selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden, ohne dazu besonders viel Hilfe zu benötigen. Umso unverständlicher wirkt es dann, wenn ein solcher Mensch während eines Krankenhausaufenthalts auf einmal außerordentlich verwirrt erscheint und an Selbstbestimmtheit nicht mehr zu denken ist.

Wie kommt es zu dieser plötzlichen Veränderung? Wie kann man vorbeugen und wie geht man am besten mit der Situation um? Informieren Sie sich hier über Ursachen und Maßnahmen.

Was ist das Delir?

Der Begriff Delir stammt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie „aus der Spur geraten“. Damit ist bereits sehr anschaulich beschrieben, was gemeint ist, wenn wir von einem Delir sprechen. Betroffene leiden an plötzlicher und akuter Verwirrtheit. Dieser Zustand ist in der Regel nicht dauerhaft und bessert sich nach einigen Stunden oder Tagen. Allerdings kann ein Delir, wenn es unerkannt und unbehandelt bleibt, schwere Folgen nach sich ziehen. Auch wenn der akute Verwirrtheitszustand nicht von Dauer ist, können die geistigen Fähigkeiten von Betroffenen nachhaltig beeinträchtigt sein. Im schlimmsten Fall erreichen diese nie mehr den selben Grad an geistiger Fitness, den sie vorher hatten. Vor allem bei betagten Patienten kann es vorkommen, dass das Delir mit einer grundsätzlichen altersbedingten Verwirrtheit verwechselt wird. Das eigentliche Problem wird dann gar nicht erst erkannt und folglich auch nicht behandelt.

Die folgenden Merkmale sind charakteristisch und können eine Hilfe sein, um zu erkennen, ob sich ein Patient im Delir befindet:

  • Durch eine zeitliche und örtliche Desorientierung wissen Betroffene oft nicht, wo sie sich befinden und aus welchem Grund sie dort sind.
  • Durch eine Beeinträchtigung des Kurzzeitgedächtnisses geben Betroffene auf Fragen oft unsinnig erscheinende Antworten.
  • Betroffene wirken unkonzentriert und lassen sich leicht ablenken.
  • Der Zustand von Betroffenen ist nicht konstant, geistig klare und geistig verwirrte Phasen wechseln sich teils abrupt ab.
  • Betroffene können verärgert, gereizt und unruhig aber auch ängstlich, abgestumpft oder niedergeschlagen erscheinen.
  • Betroffene leiden zum Teil an Halluzinationen und nehmen dadurch Dinge wahr, die überhaupt nicht existieren.
  • Auffällig häufig kommt es bei Betroffenen zu einer Umkehr des Tag-Nacht-Rhythmus, wodurch sie tagsüber schläfrig und bei Nacht wach und aktiv sind.

Als Angehörige von Betroffenen können Sie maßgeblich zur Erkennung eines Delirs beitragen. Sie kennen die Persönlichkeit und die individuellen Verhaltensweisen des Patienten am besten und sind dadurch im Stande, Abweichungen rasch zu bemerken. Sollten Sie die Befürchtung haben, dass ein Delir vorliegt, zögern Sie nicht sich vertrauensvoll an das Fachpersonal der jeweiligen Einrichtung zu wenden.

Wodurch kommt es zum Delir?

Grundsätzlich kann jede akute körperliche Erkrankung ein Delir verursachen. Besonders häufig ist allerdings das „Krankenhaus-Delir“, bei dem ein Patient infolge einer Narkose oder eines operativen Eingriffs, während eines Krankenhausaufenthalts, verwirrt erscheint.

Der Grund für eine geistige Verwirrtheit durch körperliche Krankheiten ist, dass es zu einer Beeinträchtigung des Stoffwechsels im Gehirn kommen kann. Auf diese Weise kann ein körperliches Leiden zu einem geistigen Leiden werden.

Folgende Erkrankungen und Umstände stehen im Verdacht besonders häufig ein Delir zu verursachen:

  • Körperliche Verletzungen sowie Narkosen, Operationen und starke Schmerzen
  • Infektionen und Entzündungen
  • Mangelhafte Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr
  • Stresssituationen und besondere psychische Herausforderungen sowie eine starke Reizüberflutung
  • Nebenwirkungen von Medikamenten
  • Abwesenheit von Seh- und Hörhilfen, die sonst getragen werden
  • Entzug von Suchtmitteln, wie Nikotin oder Alkohol aber auch von Medikamenten

Vorsorge und Behandlung

Zunächst ist es wichtig auch in Zukunft auf das Thema aufmerksam zu machen und aufzuklären. Die größte Gefahr eines Delirs ist, dass es unerkannt bleiben könnte. Gut informierte und aufmerksame Angehörige von Patienten können bei der Feststellung eines akuten Verwirrtheitszustands eine wertvolle Ergänzung zum geschulten Auge des Fachpersonals sein.

Ist ein Delir diagnostiziert worden, versucht man zunächst die Ursache zu finden und diese gegebenenfalls zu beseitigen:

Liegt zum Beispiel eine unerkannte Entzündung vor, so wird diese behandelt. Wenn ein Betroffener (regelmäßig) Medikamente einnimmt, so wird überprüft, ob diese das Delir verursachen. Des weiteren wird darauf geachtet, dass Betroffenen vermeidbarer Stress (zum Beispiel durch Straßenlärm) erspart bleibt. Tragen Patienten normalerweise ein Hörgerät oder eine Brille, wird darauf geachtet, dass diese Hilfen auch im Krankenhaus wie gewohnt genutzt werden.

Außerdem können einige Abläufe, zum Beispiel im Rahmen eines Klinikaufenthaltes, auf die besonderen Bedürfnisse von Delir-Patienten angepasst werden, sobald das Problem bekannt ist. Das Fachpersonal der jeweiligen Einrichtung wird im Umgang mit Betroffenen besondere Umgangsformen anwenden, um den Bedürfnissen des Delir-Patienten so gut es geht gerecht zu werden.