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    Kriterien und Leistungen
    im Überblick

Pflegestufe 0  – ein mehr an Pflegeunterstützung

Als Angehöriger eines Demenzpatienten den Sie mit viel Liebe und Zuneigung zu Hause pflegen, war es bis zum 1. Januar 2015 seitens des Staats eine wenig anerkannte Zuneigung. Sie konnten trotz des Verdienstausfalls und der vielen, natürlich auch meistens gern investierten Zeit nicht darauf hoffen, dass Ihnen von staatlicher Seite wirklich unter die Arme gegriffen wird. Doch seit dem 1. Januar 2015 können Sie auf das Erste Pflegestärkungsgesetz bauen, dass Ihnen nun die Möglichkeit gibt die so genannte Pflegestufe 0 zu beantragen und finanzielle Unterstützung zu bekommen. Das soll nicht bezeichnen, dass sie keine Pflege leisten müssen, sondern, da der benötigte Pflegezeitaufwand in der sog. Grundpflege nicht für die Pflegestufe 1 ausreicht nun die Pflegestufe 0 beantragen können. Mit Anerkennung der Pflegestufe 0 gibt es gewisse Zuwendungen von Ihrer Pflegekasse, um Ihnen bei der Pflege eines Angehörigen unter die Arme greifen. Sie können nun das gesamte Spektrum an ambulanten Leistungen nutzen, ohne dass wie bisher das Pflegegeld reduziert wird.

Neuerungen im Bereich der Pflegestufen

Pflegestufe 0 ist ein seit dem 1. Juli 2008 neu eingeführter Begriff im Bereich der Pflegeversorgung und Pflegeversicherung. Der Bundesregierung wurde bewusst, dass aufgrund der sich starken demographischen Entwicklung in Deutschland und der damit in Zusammenhang stehenden Häufung von Menschen, die nicht in die Pflegebedürftigkeit nach dem Pflegegesetz, also mindestens Pflegestufe 1, eingeteilt werden können, jedoch trotzdem Pflegebedürftig sind, stark zunimmt. Die Zunahme von Krankheiten wie Demenz, Altersschwäche und ähnlichem führte dazu, dass Familienangehörige in der ambulanten Pflege enorme Belastungen auf sich nehmen mussten, ohne dabei auch nur eine minimale Unterstützung seitens der Pflegeversicherung zu erhalten.

Das „Erste Pflegestärkungsgesetz“ (PSG 1), das am 1. Januar 2015 in Kraft trat, ist eine Erleichterung der ambulanten Pflege für Menschen, die Angehörige mit altersbedingten Krankheiten pflegen, die jedoch aufgrund verschiedener Bedingungen nicht in die Pflegestufe 1 eingeordnet werden können. Diese erhalten nun zielgerichtete und vor allem mehr finanzielle Unterstützung im Sinne der Pflegestufe 0. Hürden zum Erreichen der Pflegestufe 1 sind unter anderem:

  • Hilfe in einem der Grundpflegebereiche mindestens einmal täglich (mind. 2 Verrichtungen) erforderlich
  • Hilfe in der hauswirtschaftlichen Versorgung ist wöchentlich mehrmals benötigt
  • Geringstenfalls 90 Minuten Pflegeaufwand im Tagesdurchschnitt, von denen mehr als 45 Minuten auf die Grundpflege entfallen müssen

Doch vor allem bei demenzkranken Personen ist der tatsächliche Pflegeaufwand, vor allem im Bereich der Grundpflege meistens eher geringer. Dennoch brauchen sie fast dauerhafte Begleitung im täglichen Leben. Diese Hilfsbedürftigkeit umschreibt das PSG 1 mit dem Terminus „Dauerhaft erheblich eingeschränkte Alltagskompetenz“ und gibt Ihnen die neu konzipierte, so genannte Pflegestufe 0 an die Hand. Dabei sind die Voraussetzungen:

  • Dauerhaft erheblich eingeschränkte Alltagskompetenz
  • Hilfebedarf im Bereich der Grundpflege und hauswirtschaftlichen Versorgung
  • Voraussetzungen für Pflegestufe 1 nicht erfüllt

Kriterien für die dauerhaft eingeschränkte Alltagskompetenz im Sinne der Pflegestufe 0

Kriterien für eine Dauerhaft eingeschränkte Alltagskompetenz beschreibt der Gesetzgeber im Rahmen der Pflegestufe 0 folgendermaßen:

  1. Unkontrolliertes Verlassen des Wohnbereiches (Weglauftendenz)
  2. Verkennen oder Verursachen gefährdender Situationen
  3. Unsachgemäßer Umgang mit gefährlichen Gegenständen oder potenziell gefährdenden Substanzen
  4. Tätlich oder verbal aggressives Verhalten in Verkennen der Situation
  5. Im Zusammenhang mit speziellen Situationen unangebrachtes Verhalten
  6. Unfähigkeit, die eigenen körperlichen und seelischen Gefühle oder Bedürfnisse wahrzunehmen
  7. Unfähigkeit zu einer erforderlichen Kooperation bei therapeutischen oder schützenden Maßnahmen als Folge einer therapieresistenten Depression oder Angststörung
  8. Störungen der höheren Hirnfunktionen (Beeinträchtigung des Gedächtnisses, herabgesetztes Urteilsvermögen), die zu Problemen bei der Bewältigung von sozialen Alltagsleistungen geführt haben
  9. Störung des Tag- und Nacht-Rhythmus
  10. Unfähigkeit, eigenständig den Tagesablauf zu planen und zu strukturieren
  11. Verkennen von Alltagssituationen und unangemessenes Reagieren in Alltagssituationen
  12. Ausgeprägtes labiles oder unkontrolliert emotionales Verhalten
  13. Zeitlich überwiegend Niedergeschlagenheit, Verzagtheit, Hilflosigkeit oder Hoffnungslosigkeit auf Grund einer therapieresistenten Depression.

Dabei ist zu beachten, dass nur wenn mindestens zwei Kriterien, davon mindestens eins aus dem Bereich 1 bis 9 und die zu erwartenden Kriterien für mindestens 6 Monate zutreffen werden, Leistungen aus dem Bereich der Pflegestufe 0 beantragt werden können.

Um Leistungen der Pflegekasse für Pflegestufe 0 zu beantragen und bewilligt zu bekommen können Sie z.B. so vorgehen:

  1. Beratung durch einen Pflegedienst
  2. Antrag auf Pflegestufe 0 bei Ihrer Pflegekasse stellen
  3. Der MDK (Medizinische Dienst der Krankenversicherung) überprüft bei einem Hausbesuch die Kriterien zur Pflegestufe 0 und erstellt ein Pflegegutachten
  4. Die Pflegeversicherung entscheidet nach dem Pflegegutachten über die zu bewilligende Leistung

Wenn der MDK einen Pflegebedarf festgestellt hat, haben Sie Anspruch auf gewisse Leistungen im Rahmen der Pflegeversicherung und der Pflegestufe 0.

Leistungen innerhalb der Pflegestufe 0

In der Pflegestufe 0 besteht somit also ein Anspruch auf 123 Euro Pflegegeld im Monat bei ambulanter Betreuung. Wenn diese von einem professionellem Pflegedienst erbracht wird, haben Sie Anspruch auf Pflegesachleistungen im Wert von 231 Euro.

Zudem besteht Anspruch auf Leistungen der Verhinderungspflege im Sinne der Pflegestufe 0. Dies bedeutet, dass bei einer Verhinderung der Pflegeperson Leistungen einer ambulanten Pflege von bis zu 1.612 Euro in Anspruch genommen werden können.

Maßnahmen zur Verbesserung des individuellen Wohnumfeldes können Sie bei Ihrer Pflegekasse beantragen, die diese im Bewilligungsfall mit bis zu 4.000 Euro pro Anspruchsberechtigten fördert. Dazu gehören häusliche Umbauten wie etwa ein Treppenlift oder ähnliche Maßnahmen zum behindertengerechten Umbau des Wohnumfeldes. Diese sind unabhängig von der Pflegestufe und bei Bedarf auch bei Pflegestufe 0 zu bewilligen.

Zusätzlich können Sie nach Beantragung bei Ihrer Pfelgekasse Pflegehilfsmittel im Wert von bis zu 40 Euro monatlich erstattet bekommen. Diese können Sie zum Beispiel bei „PflegeBox“ bestellen. PflegeBox übernimmt nach der Bestellung Ihrer gewünschten Pflegehilfsmittel (z.B. Mundschutz, Bettschutzunterlagen, Einmalhandschuhe) die Beantragung und Abrechnung mit Ihrer Pflegekasse und schickt Ihnen diese in einer PflegeBox monatlich zu, sodass Sie keinen weiteren Aufwand haben.

Das erste Pflegestärkungsgesetz von 2015 bringt Ihnen als Pflegender oder Pflegebedürftiger einen hohen Grad an Verbesserungen. Nicht nur, dass sie nun, falls sie vorher noch keine Pflegestufe beantragen konnten nun die Pflegestufe 0 erhalten, sondern auch gestiegene Geld- und Sachleistungen sind ein Grund die neuen Regelungen im Sinne der Pflegestufe 0 zu nutzen.