Pflegegrad 2

Pflegegrad 2

Ob im Alter oder nach einer schweren Krankheit, ist es für die Betroffenen schwierig Teile ihrer Selbständigkeit zu verlieren und auf Hilfe angewiesen zu sein. Um für diesen Fall vorzusorgen, gibt es in Deutschland die Pflegeversicherung für alle gesetzlich und privat Versicherten. Besonders Personen, die auf die Hilfe und Pflege durch andere angewiesen sind, bekommen aus der Pflegeversicherung Geld- und Sachleistungen, um weiterhin möglichst sorglos zu leben.

Die Höhe der Leistungen der Pflegekasse richten sich dabei nach dem sogenannten Pflegegrad, die Sie in unserer Übersicht der verschiedenen Pflegegraden finden.

Im Folgenden informieren wir Sie über alles, was Sie im Zusammenhang mit dem Pflegegrad 2 wissen sollten.

Inhalt

Was bedeutet Pflegegrad 2?

Die sogenannten “Pflegegrade” sind in Deutschland mittlerweile die neue Bezeichnung der ehemaligen “Pflegestufen”. Im Jahr 2017 wurden letztendlich die Pflegegrade mit dem Pflegestärkungsgesetz eingeführt. Hier werden fünf Pflegegrade unterschieden, wobei Pflegegrad 1 den geringsten Pflegebedarf und Pflegegrad 5 den höchsten Pflegebedarf bedeutet.

Bei einem Pflegegrad 2 handelt es sich laut Gesetz um pflegebedürftige Personen “mit erheblichen Beeinträchtigungen der Selbständigkeit und der Fähigkeiten” (§ 15 des Elften Sozialgesetzbuches – SGB XI). Die Selbstständigkeit sowie Alltagskompetenz muss also durch körperliche oder geistige Einschränkungen bereits deutlich verringert sein.

Wann bekommt man Pflegegrad 2?

Der Pflegegrad ergibt sich aus dem Gutachten, dem sogenannten neuen Begutachtungsassessments (NBA), des Mitarbeiters des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK). Der Gutachter besucht in der Regel den Pflegebedürftigen nach der Antragstellung auf Pflegegrad in dessen Zuhause. Anhand eines fest vorgegebenen Kriterienkatalogs bewertet des Mitarbeiter des MDKs, in welchen Bereichen der Pflegebedürftige welche Einschränkungen aufweist. Bei Privatversicherten erfolgt die Einteilung durch die Begutachtung einen Mitarbeiter der Firma MEDICPROOF. 

Dabei werden fünf verschiedene Bereiche betrachtet, die in sechs Module eingeteilt werden. Diese gehen mit unterschiedlicher prozentualer Gewichtung in die Bewertung der Pflegebedürftigkeit mit eingehen: Mobilität (10 Prozent), kognitive und kommunikative Fähigkeiten (zwei Module – 15 Prozent), Selbstversorgung (40 Prozent), Bewältigung von und selbständiger Umgang mit krankheits- und therapiebedingten Anforderungen (20 Prozent), Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte (15 Prozent). Mithilfe dieser Art der Begutachtung ist es den Gutachtern möglich einzuschätzen, inwieweit die Alltagskompetenz eingeschränkt und Menschen mit Einschränkungen Pflegeleistungen erhalten sollten.

Wenn die gewichtete Gesamtpunktzahl einen Wert zwischen 27 und 47,5 Punkten, dann liegt der Pflegegrad 2 vor und Betroffene haben Anspruch auf Pflegegeld der Stufe 2.

Hier finden Sie Informationen zu den anderen Pflegegraden

Was steht mir bei Pflegegrad 2 alles zu?

Personen mit anerkanntem Pflegegrad 2 haben einen Anspruch auf jede der von der Pflegeversicherung angebotenen Pflegeleistungen. Der Pflegegrad 2 ist der niedrigste Pflegegrad, ab welchem ein Anspruch auf sämtliche Pflegeleistungen der Pflegekasse besteht. Manche finanzielle Leistungen sind dabei unabhängig vom Pflegegrad bei allen Pflegegraden gleich hoch und andere steigen mit der Schwere der Pflegebedürftigkeit. 

Für alle Pflegegrade gibt es verschiedene Leistungen, die gleich hoch sind. Das sind zum Beispiel die Pflegehilfsmittel zum Verbrauch für die Pflege zu Hause oder der Zuschuss für ein Hausnotrufsystem. Außerdem stehen der Entlastungsbetrag oder finanzielle Leistungen im Zusammenhang mit dem Umzug in eine sogenannte Pflege-WG den Pflegebedürftigen aller Pflegestufen zu.

Allerdings steigen andere Leistungen mit höheren Pflegegraden an. Das ist nachvollziehbar, da der Pflegeaufwand für Pflegekräfte oder pflegende Angehörige bei größerer Pflegebedürftigkeit steigt.

Bekomme ich das Geld überwiesen oder wird es direkt verrechnet?

Viele der monatlich wiederkehrenden Pflegeleistungen verrechnet die Pflegeversicherung, ohne Beteiligung des Pflegebedürftigen, direkt mit dem Anbieter. Bei dem in  § 40 SGB XI geregelten Betrag von 40 Euro (bzw. 60 Euro zu Corona-Zeiten) für Pflegehilfsmitteln zum Verbrauch ist das allerdings nicht der Fall. 

Entweder müssen Sie die Hilfsmittel selbst kaufen und die Belege hinterher jeden Monat bei der Pflegeversicherung einreichen. Oder Sie können mit einer Apotheke oder einem Sanitätshaus einen Versorgungsvertrag abschließen und sich monatlich Ihre Pflegehilfsmittel dort abholen. 

Dies ist für Pflegebedürftige und deren Angehörige eine sehr komplizierte Angelegenheit. Darum bieten wir einen bequemen Heimlieferservice für die monatliche Lieferung von Pflegehilfsmitteln an. Zusätzlich übernehmen wir auch noch die Abrechnung mit der Pflegeversicherung. So brauchen Sie sich um nichts kümmern und können einfach die Pflegehilfsmittellieferung zu Hause in Empfang nehmen.

Welche monatliche Leistungen werden bei Pflegegrad 2 bezahlt?

Die einzelnen Beträge, die Pflegebedürftigen mit Pflegegrad 2 monatlich zustehen, entnehmen Sie der untenstehenden Tabelle. 

Für vollstationär gepflegte Personen fallen allerdings einige der untenstehenden Leistungen, wie die Pflegehilfsmittel oder der Hausnotruf weg. Bei der vollstationären Pflege wird der Pflegebedürftige nicht nur rundum versorgt, sondern es werden auch alle dazu nötigen Hilfsmittel gestellt.

Allen teilweise oder dauerhaft zu Hause gepflegten Patienten stehen folgende monatliche Leistungen bei Stufe 2 zu:

  • Entlastungsbetrag (§ 45b SGB XI): flexibel einzusetzender Betrag zum Beispiel für:
    • Die Teilnahme an Betreuungsgruppen für leicht Hilfsbedürftige
    • Einen Alltagsbegleiter für Gespräche und Spaziergänge
    • Einkaufshilfen
    • Haushaltshilfen
    • Tages- und Nachtpflege sowie
    • stationäre Pflege
  • Zuschüsse zum Hausnotruf
  • Pflegehilfsmittel zum Verbrauch (§ 40 SGB XI): Hilfsmittel, die für die häusliche Pflege verwendet werden, wie zum Beispiel:
    • Desinfektionsmittel
    • Einmalhandschuhe
    • Mundschutzmasken
    • Bettschutzeinlagen
  • Wohngruppenzuschlag für ambulante WGs (§ 38a SGB XI)

Viele Leistungen, die die tatsächliche Pflege des Pflegebedürftigen betreffen, können miteinander kombiniert werden. Die Ausnahme bildet die vollstationäre Pflege, wo es keine weiteren Pflegegelder gibt.

Falls der Pflegebedürftige sich zum Beispiel in teilstationärer Pflege befindet und zusätzlich einen ambulanten Pflegedienst benötigt, ist das möglich. Seit dem Pflegestärkungsgesetz werden zu Hause Gepflegte und deren Angehörige durch solche Leistungen der Pflegekassen besonders unterstützt.

Folgende Pflegeleistungen für die verschiedenen Pflegeformen können einzeln oder als Kombination in Anspruch genommen werden.

  • Pflegegeld für die zu Hause pflegenden Angehörigen (§ 37 SGB XI)
  • Pflegesachleistungen für die Pflege durch ambulante Pflegedienste (§ 36 SGB XI)
  • Leistungen für teilstationäre Pflege (§ 41 SGB XI)
Wird ein Pflegebedürftiger mit Pflegegrad 2 zu Hause gepflegt, gibt es allerdings eine Möglichkeit, zwei Pflegeleistungen zu kombinieren: Das Pflegegeld und die Pflegesachleistungen.

Kombination des Pflegegelds und der Pflegesachleistungen

Wird die häusliche Pflege eines Pflegebedürftigen zwischen einem ambulanten Pflegedienst und pflegenden Angehörigen aufgeteilt, bezahlt die Pflegekasse die eine oder andere Leistung standardmäßig. Das bedeutet, Sie erhalten eine Aufwandsentschädigung in Form des Pflegegelds für die pflegenden Angehörigen oder aber Pflegesachleistungen für den ambulanten Pflegedienst.

Sollte allerdings der zur Verfügung stehende Betrag an Pflegesachleistungen für einen ambulanten Pflegedienst nicht voll aufgebraucht werden, gibt es hier die Möglichkeit, eine Kombinationspflege zu beantragen.

Bei der Kombinationspflege wird jener Prozentsatz, der an Pflegesachleistungen nicht ausgegeben wurde, dem Pflegebedürftigen als Pflegegeld ausgezahlt

Ein Beispiel: Kostet der ambulante Pflegedienst eines Pflegebedürftigen mit Pflegegrad 2 monatlich nur genau die Hälfte der Pflegesachleistungen, also 344,50 Euro, steht dem Pflegebedürftigen noch die Hälfte des möglichen Pflegegelds, also 158,00 Euro zu.

Pflegegeld316 Euro monatlich
Pflegesachleistungen689 Euro monatlich
Zuschuss zur vollstationären Pflege770 Euro monatlich
Leistungen für die teilstationäre Pflege689 Euro monatlich
Entlastungsbeitrag125 Euro monatlich
Kurzzeitpflege1.612 Euro jährlich
Verhinderungspflege1.612 Euro jährlich
WohnraumanpassungEinmalig bis zu 4.000 Euro
Zuschüsse zum Hausnotruf23 Euro monatlich
Pflegehilfsmittel zum Verbrauch40 Euro monatlich
Wohngruppenzuschlag für ambulante WG214 Euro monatlich

Welche jährlichen und einmaligen Leistungen bietet Pflegegrad 2?

Weitere finanzielle Leistungen der Pflegeversicherung stehen den Pflegebedürftigen nicht monatlich, sondern jährlich zu: Aufs Kalenderjahr gerechnet werden zum Beispiel die Leistungen für die sogenannte Kurzzeitpflege sowie die Verhinderungspflege. Beide sind Pflegeformen, die dann nötig werden, wenn die übliche häusliche Pflege nicht gewährleistet werden kann. Zum Beispiel spielt das eine Rolle bei einem zeitweise erhöhtem Pflegebedarf nach einem Krankenhausaufenthalt oder bei Urlaub des pflegenden Angehörigen. 

Bei der Kurzzeitpflege wird dabei die pflegebedürftige Person vorübergehend in einer Pflegeeinrichtung außer Haus gepflegt. Die Verhinderungspflege hingegen erfolgt wie gewohnt zu Hause und wird lediglich durch einen anderen Angehörigen oder einen professionellen Pflegedienst durchgeführt. Beide Pflegeformen werden für sechs bis acht Wochen je Kalenderjahr mit bis zu 1.612 Euro bezuschusst. Wie Sie das meiste aus einer Kombination der Kurzzeit- und Verhinderungspfleger herausholen, beschreiben wir im letzten Abschnitt.

Zusätzlich zu den jährlichen Leistungen gibt es noch weitere Leistungen, die die Pflegeversicherung einmalig übernimmt. Dazu gehören vor allem Wohnraumanpassungen sowie die Anschubfinanzierung bei Umzug in eine Pflege-Wohngemeinschaft.

Falls Ihre Wohnung oder Ihr Haus für Ihre Pflegebedürftigkeit eine bauliche Anpassung bedarf, stehen Ihnen finanzielle Mittel aus der Pflegeversicherung zu. Für jede notwendige Umbaumaßnahme kann ein Zuschuss von bis zu 4.000 Euro von der Pflegekasse erfolgen. 

Ziehen Pflegebedürftige mit anderen Pflegebedürftigen zusammen in eine gemeinsame Wohnung und gründen eine Pflege-WG, wird der Umzug ebenso mit bis zu 2.500 Euro je pflegebedürftigem Mitbewohner bezuschusst. Etwaige nötige Umbaumaßnahmen in der Wohngemeinschaft sind ebenfalls als Wohnraumanpassungsmaßnahme bei der Pflegeversicherung zu beantragen. Die Gesamtsumme der Umbaumaßnahmen darf dabei den Betrag von 16.000 Euro je Wohnungsgemeinschaft allerdings nicht überschreiten.

Kurzzeitpflege

1.612 Euro jährlich

Verhinderungspflege

1.612 Euro jährlich

Wohnraumanpassung

Einmalig bis zu 4.000 Euro je Umbaumaßnahme

Anschubfinanzierung Pflege-WG

2.500 Euro je Mitbewohner

Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege kombinieren

Es ist möglich, nicht genutztes Budget für die Kurzzeitpflege auch für die Verhinderungspflege geltend zu machen und umgekehrt. Allerdings gibt es dabei verschiedene Einschränkungen:

Verhinderungspflege in Kurzzeitpflege umwandeln

Wer das Budget für die sechs Wochen der Verhinderungspflege nicht aufbraucht, darf das gesamte Restbudget für die Ausdehnung der Kurzzeitpflege ausnutzen. Wird die Verhinderungspflege gar nicht benutzt, stehen Ihnen also 3.224 Euro für die verlängerte Kurzzeitpflege zur Verfügung. Diese darf sich in dem Fall über acht Wochen ausdehnen.

Kurzzeitpflege in Verhinderungspflege umwandeln

Nicht genutztes Budget für die Kurzzeitpflege kann umgekehrt auch für die Verhinderungspflege geltend gemacht werden. Allerdings gilt hierbei die Beschränkung, dass lediglich die Hälfte des übrigen Betrages von 1.612 Euro auf die Verhinderungspflege umwandelbar ist. Nimmt der Betroffene im gesamten Jahr keine Kurzzeitpflege in Anspruch, ergibt sich ein Gesamtbetrag von 2.418 Euro, der für die Verhinderungspflege in einem Zeitraum über sechs Wochen in Anspruch genommen werden kann.

Welche weiteren Leistungen stehen uns bei Pflegegrad 2 zu?

Neben den finanziellen Hilfen durch die Pflegekassen, stehen Pflegebedürftigen und deren Angehörigen auch noch weitere Hilfen der Pflegeversicherung zu. Insbesondere bei häuslicher Pflege möchten die Pflegeversicherungen, dass ihre Versicherten eine bestmögliche Betreuung und Pflege erhalten. Die Gefahr einer Verschlimmerung des Gesundheitszustandes durch unzureichende Pflege ist unbedingt abzuwenden, weshalb die Pflegeversicherungen Pflegekurse und Beratung für Pflegebedürftige und deren pflegenden Angehörigen anbieten.

Pflegekurse für Angehörige und Beratungsbesuche

Bevor Sie die verantwortungsvolle Aufgabe annehmen, sich um eine pflegebedürftige Person zu kümmern, können Sie sich in einem speziellen Pflegekurs darauf vorbereiten. In der Regel werden diese von Sozialstationen, kirchlichen Organisationen und Krankenkassen angeboten und dienen dem Ziel, grundlegende Kenntnisse im Bereich der Pflege sowie praktische Tipps zu vermitteln.

Teilnehmende lernen dort beispielsweise Lagerungstechniken und richtige Handgriffe bei der Körperpflege sowie wichtige Hygienemaßnahmen und Tipps zur Selbstpflege. Es gibt zudem auch Pflegekurse, die sich explizit bestimmten Krankheiten widmen. Zum Beispiel werden Teilnehmer intensiv auf die richtige Pflege demenzkranker Personen oder Pflegebedürftiger mit Parkinson, Multipler Sklerose, etc. vorbereitet.

Wichtigster Schwerpunkt aller Kurse ist jedoch, die Teilnehmenden darin zu schulen, Veränderungen im Krankheitsbild zu erkennen. Schließlich kann sich der gesundheitliche Zustand eines Pflegebedürftigen jederzeit ändern und infolgedessen neue Ansprüche an die Pflege stellen.

Kostenlose Pflegeberater

Allen Pflegebedürftigen bzw. ihren pflegenden Angehörigen steht es zu, sich kostenlos an einen Pflegeberater zu wenden. Als eine der kostenlosen Pflegeleistungen bieten die Pflegekassen den Versicherten als Unterstützung diese Art der Beratung. Ein Pflegeberater hilft Ihnen bei Bedarf beispielsweise bei der Suche nach einem Kurzzeitpflegeplatz. Er berät Sie über Hilfsmittel und mögliche Umbaumaßnahmen der Wohnung oder hilft Ihnen beim Ausfüllen von Anträgen. 

Zögern Sie also nicht, im Falle von Fragen und Problem einen Pflegeberater in Ihrer Nähe zu kontaktieren.

 

Quellen:

https://www.bundesgesundheitsministerium.de/pflegeimheim

https://www.bundesgesundheitsministerium.de/Ratgeberpflege

https://www.bundesgesundheitsministerium.de/Pflegeleistungen-Nachschlagen

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