Pflegefall - was tun

Pflegefall – was jetzt zu tun ist

Es passiert in Deutschland täglich, dass ein Angehöriger plötzlich, zum Beispiel durch einen Unfall oder eine Erkrankung wie einen Schlaganfallzum Pflegefall wird. Ein Pflegefall in der Familie bringt nicht nur die Sorge um die Gesundheit des geliebten Menschen mit sich, der seine Selbstständigkeit und somit ein Stück Lebensqualität verliert, sondern auch die Sorge über die hohen Kosten und die Aufgaben, die auf die Familie des Pflegebedürftigen zukommen.

Selbst wenn sich die Pflegebedürftigkeit über einen längeren Zeitraum ankündigt, kommt meist irgendwann recht plötzlich der Zeitpunkt, an dem die Angehörigen anfangen, sich mit der Pflegefrage zu beschäftigen.

Wir von PflegeBox wollen Ihnen einen Überblick bieten, damit Sie wissen was zu tun ist, wenn ein Pflegefall in der Familie auftritt.

Inhalt

Was ist ein Pflegefall?

Der Begriff Pflegefall definiert sich aus § 14 des 11. Sozialgesetzbuchs (§14 SGB XI) anhand der Pflegebedürftigkeit einer Person. Als wichtigstes Merkmal eines Pflegefalls bzw. einer Pflegebedürftigkeit muss eine gesundheitlich bedingte Beeinträchtigung der Selbstständigkeit oder Fähigkeiten der Person vorliegen, durch die sie auf Hilfe von anderen angewiesen ist. Die körperlichen, kognitiven oder psychischen Beeinträchtigungen können dabei nicht selbstständig kompensiert oder bewältigt werden.

Um als Pflegefall anerkannt zu werden, muss die Pflegebedürftigkeit für voraussichtlich mindestens sechs Monate bestehen und unter eine der in §15 SGB XI festgeschriebenen Pflegegrade fallen. Für die Bestimmung der Pflegebedürftigkeit werden Kriterien aus den Bereichen Mobilität, kognitive und kommunikative Fähigkeiten, Selbstversorgung, Verhaltensweisen und psychische Problemlagen, Bewältigung und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen oder Belastungen sowie die Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte herangezogen.

Wer übernimmt die Leistungen bei einem Pflegefall in der Familie?

Tritt ein Pflegefall in der Familie ein, ist die Pflegekasse Ihr Ansprechpartner. Die Pflegekassen sind an die Krankenkassen angegliederte Träger der Pflegeversicherung, welche die Leistungen für langfristig auftretenden Pflegebedürfnisse bezahlen. Die Kostenübernahme der Pflegekasse regelt sich dabei nach dem Sozialgesetzbuch XI (SGB XI).

Wollen Sie mit Ihrer Pflegekasse in Kontakt treten, können Sie sie über Ihre normale Krankenkasse erreichen. Per Post senden Sie zum Beispiel den Brief direkt an die Adresse Ihrer Krankenkasse und vermerken lediglich, dass der Brief an die Pflegekasse weitergeleitet werden soll.

Es gibt verschiedene finanzielle Leistungen, auf die ein Pflegebedürftiger Anspruch hat und die von den Pflegeversicherungen ausgezahlt werden. Je höher der Pflegegrad des Betroffenen, desto höher sind bei den meisten Leistungen die von der Pflegekasse übernommenen Beträge.

Die genauen Leistungen von Pflegegrad 1Pflegegrad 2Pflegegrad 3Pflegegrad 4 und Pflegegrad 5 können Sie beim Klick auf den jeweiligen Link nachlesen.

Welche Schritte können Sie nach eingetretenem Pflegefall einleiten?

Wenn ein Familienmitglied – ob mit Vorwarnung oder plötzlich – nicht mehr alleine sein Leben gestalten kann, sondern Hilfe benötigt, gilt es in einem ersten Schritt festzustellen, wie pflegebedürftig das Familienmitglied tatsächlich ist.

Die zu klärenden Einzelpunkte drehen sich dabei um Fragen wie:

  • Was kann und sollte der Angehörige noch alleine machen?
  • Wobei benötigt er Hilfe?
  • Wie kann die Hilfe organisiert werden?
  • Wer kann sich bei der Pflege mit einbringen?
  • Wie wird die Pflege finanziert?

Gemeinsames Besprechen der Situation

Sie sollten sich am besten im Kreise weiterer Angehöriger, und wenn möglich auch mit der pflegebedürftigen Person selbst, zusammensetzen um über die Organisation der Pflege zu sprechen.

Zu beachten ist dabei, dass die Pflege eines Angehörigen nicht nur physisch und psychisch anstrengend sein kann, sondern meistens auch von langer Dauer ist und im Sinne des Pflegebedürftigen eine kontinuierliche Organisation der Pflege angestrebt werden sollte.

Um erst einmal eine Idee über das Ausmaß der benötigten Pflege zu erhalten, können Sie sich die Einschränkungen des Pflegebedürftigen in jenen Bereichen anschauen, die auch den Pflegegrad bestimmen. Sie können auch für oder mit dem Pflegebedürftigen zusammen ausfüllen, um sich ein umfassendes Bild über die benötigte Hilfe zu machen. Einschränkungen treten vor allem in den folgenden Bereichen auf, welche mit vielen Unterpunkten in unserem Pflegegradrechner genauer untersucht werden:

  • Mobilität
  • Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
  • Selbstversorgung
  • Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
  • Bewältigung und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen oder Belastungen
  • Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

Auf der Grundlage der Antworten und im gemeinsamen Gespräch können Sie anschließend besser abschätzen, welche Pflegeform für den Pflegebedürftigen am geeignetsten erscheint.

Mögliche Wohnformen und Pflegeeinrichtungen für Pflegebedürftige

Heutzutage versuchen die meisten pflegenden Angehörigen ihre Liebsten trotz notwendiger Pflege so lange wie möglich im gewohnten Umfeld zu Hause zu betreuen.

Serviceanbieter, die Sie bei der häuslichen Pflege eines Angehörigen unterstützen, die sogenannte ambulante Pflege, gibt es flächendeckend in ganz Deutschland.

Es gibt auch die Möglichkeit, dass der Pflegebedürftige zwar zu Hause wohnen bleibt, aber zum Beispiel unter Tags oder in der Nacht zur Betreuung in eine Pflegeeinrichtung außer Haus geht.

Ist es nicht möglich, den Pflegebedürftigen zu Hause zu pflegen, weil die räumliche Situation das nicht zulässt oder kein Angehöriger die Zeit, das Know-How oder auch die benötigte psychisch und physische Konstitution mitbringt, gibt es verschiedene Möglichkeiten zur Pflege außer Haus:

Im betreuten Wohnen oder betreuten Pflegewohngruppen leben pflegebedürftige Personen entweder alleine (betreutes Wohnen) oder zusammen in einer Wohnung und werden ihren Bedürfnissen entsprechend gepflegt und versorgt.

Immer beliebter werden die sogenannten „Senioren-WGs“, in welchen Pflegebedürftige und nicht-Pflegebedürftige ältere Menschen zusammenleben und sich gegenseitig unterstützen. Für solchen Pflegebedarf, den die Mitbewohner nicht selbst gewährleisten können, wird oft ein ambulanter Pflegedienst beauftragt.

Wer es sich leisten kann, der kann als älterer Mensch die Vorzüge einer Seniorenresidenz genießen, in welcher benötigte Pflegeleistungen sowie weitere Vorzüge wie Schwimmbad oder Sauna inbegriffen sind.

Ist es nicht möglich oder erwünscht, den Pflegebedürftigen zu Hause oder in einer der obengenannten Einrichtungen unterzubringen, bleiben noch stationäre Einrichtungen wie Alten- und Pflegeheime.

Beantragung des Pflegegrads

Die Einschränkungen in den weiter oben genannten Bereichen bilden die Grundlage, um den gesetzlichen Pflegegrad des Pflegebedürftigen durch die Pflegeversicherung zu überprüfen.

Sind Sie als Pflegebedürftiger oder Angehöriger der Meinung, dass ein Pflegefall vorliegt und Ihnen Leistungen durch die Pflegeversicherung zustehen, können Sie formlos einen Antrag auf Einstufung eines Pflegegrads bei Ihrer Pflegekasse stellen.

Auch wenn Sie diesen Antrag telefonisch bei Ihrer Pflegekasse stellen könnten, empfehlen wir Ihnen, einen kurzen Brief zu schreiben und auch ansonsten wegen der Nachvollziehbarkeit möglichst schriftliche Kommunikation vorzuziehen.

Checkliste: Das gehört auf den Antrag zur Pflegegrad Einstufung

Möglicherweise möchte Ihre Pflegeversicherung weitere Angaben zu dem Pflegefall und schickt Ihnen vorab ein Formular, das Sie zurückschicken müssen, bevor mit dem Pflegebedürftigen eine Termin vereinbart wird. Ein Mitarbeiter des Medizinischen Dienstes der Krankenkasse stellt nach Kennenlernen des Pflegebedürftigen und der Situation vor Ort ein Gutachten über die Pflegebedürftigkeit aus und legt einen Pflegegrad fest. Gegen eine mögliche Ablehnung des Antrags oder Einstufung in einen zu geringen Pflegegrad können Sie innerhalb von 4 Wochen Widerspruch einlegen.

Falls Ihnen die Situation mit dem Pflegefall in der Familie und zusätzlich die Bürokratie rund um die Pflegekassenleistungen über den Kopf wächst, hilft Ihnen unser Partner FAMILIARA gerne in einem kostenlosen Erstgespräch weiter und bespricht mit Ihnen alle notwendigen Schritte.

Welche Unterstützung erhalten pflegende Angehörige bei eintretendem Pflegefall?

Neben den willkommenen Endgeldleistungen durch die Pflegeversicherung ist es für pflegebedürftige Personen und deren Angehörige wichtig, sich für Informationen und Hilfe an Pflegeberatungen zu wenden.

Jeder Pflegegeld-Empfänger hat das Recht, bzw. ab Pflegegrad 2 sogar die Pflicht, 2 Mal im Jahr eine kostenlose Pflegeberatung durch einen Pflegeexperten in Anspruch zu nehmen. In den Beratungsgesprächen können Fragen und Probleme besprochen werden, um so die pflegebedürftige Person optimal zu versorgen.

Die Pflegeexperten helfen nicht nur dabei, die Ihnen zustehende finanzielle Unterstützung gegenüber der Pflegeversicherung durchzusetzen, sondern sie stehen Ihnen auch sonst mit Rat und Tat zur Seite. Handelt es sich zum Beispiel beim Pflegefall um die Mutter oder den Partner, ist es hilfreich, sich wegen der emotional engen Verbundenheit regelmäßig mit Außenstehenden über den Umgang und mögliche Probleme bei der Pflege auszutauschen. Denn ist der Partner oder die Mutter der Pflegefall, ist man in seiner Objektivität möglicherweise etwas befangen oder man steht zwischen den Ansprüchen des Pflegebedürftigen und dem real Machbaren und fühlt sich schnell überfordert. Da kann der Austausch mit Fachkräften sehr hilfreich.

Pflegenden Angehörigen stehen darüber hinaus kostenlose Kurse zur Vorbereitung auf den pflegerischen Alltag zu Hause zu.

Wichtig ist es auch, dass es allen Beteiligten, den Pflegebedürftigen und auch den pflegenden Angehörigen, in der Pflegesituation gut gehen soll. Wenn Sie als pflegender Angehöriger merken, dass Ihnen die Pflege aus physischer oder auch psychischer Sicht allmählich zu viel wird, holen Sie sich rechtzeitig Hilfe und bitten Sie zum Beispiel andere Familienmitglieder, Sie zu unterstützen.

Einen Pflegefall in der Familie zu haben, stellt im ersten Moment immer eher eine Belastung als eine Freude dar. Mit der richtigen Einstellung, dass man es nämlich in der Hand hat, dem Pflegebedürftigen trotz Einschränkungen einen schönen Alltag zu ermöglichen, sollte man die Pflege eher als Aufgabe anstatt als Belastung ansehen. Ihr pflegebedürftiges Familienmitglied wird Ihnen die liebevolle Pflege und die positive Einstellung herzlich danken.

Thyssenkrupp Treppenlifte

 

Hinweis: Sie können Ihre Einwilligungen jederzeit mit Wirkung für die Zukunft per E-Mail an [email protected] widerrufen. Weitere Informationen zum Umgang mit Ihren personenbezogenen Daten und zu Ihren Rechten finden sich in unserer Datenschutzerklärung (www.pflegebox.de/datenschutz/).

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