• Pflegende Angehörige: Ansprüche und Hilfen

Neben dem Beruf auch noch die Pflege eines Angehörigen zu übernehmen, ist sehr fordernd. Wir haben Tipps für Sie, welche Hilfe für pflegende Angehörige Ihnen zur Verfügung stehen.

Arbeit und Urlaub für pflegende Angehörige

Um die Doppelbelastung durch Arbeit und Versorgung zu verringern, stehen Arbeitnehmern verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung:

  • Kurzzeitige Arbeitsverhinderung

    Eine Freistellung von der Arbeit ist für bis zu zehn Tage ohne Ankündigungsfrist möglich. Sie dient der Gewährleistung akuter und weiterführender Pflegemaßnahmen. Eine Lohnfortzahlung während dieser Zeit gibt es nicht. Es kann jedoch Pflegeunterstützungsgeld bei der Pflegekasse des Angehörigen beantragt werden.

  • Pflegezeit

    Sie ist eine vollständige oder teilweise Freistellung von der Arbeit für bis zu sechs Monate. Bei vollständiger Freistellung gibt es keine Lohnfortzahlung. Bei der teilweisen Freistellung werden nur die geleisteten Arbeitsstunden bezahlt. Zusätzlich kann ein zinsloses Darlehen beantragt werden.

  • Familienpflegezeit

    Sie ist möglich für bis zu 24 Monate, in denen eine Reduzierung der Arbeitsstunden erfolgt. Die Lohnfortzahlung ist abhängig von den Arbeitsstunden. Wiederum kann ein zinsloses Darlehen beantragt werden.

Alle drei Varianten bieten von der Ankündigung bis zum Ende der Auszeit Kündigungsschutz.

Alternativ oder zusätzlich können Sie sich als pflegende Angehörige von einem Pflegedienst unterstützen lassen. Das ist generell sinnvoll, um beispielsweise eigene Termine wahrnehmen oder in den Urlaub fahren zu können. Bei der Pflegekasse können Sie hierzu Ersatzpflege oder Verhinderungspflege beantragen. Möglich ist dies für den Urlaub für pflegende Angehörige für bis zu sechs Wochen jährlich. Zudem bieten Krankenkassen und Rentenversicherungsträger für pflegende Angehörige Kuren und Rehabilitationen an.pflegende angehörige

Finanzielle Unterstützung

Die finanzielle Unterstützung setzt sich aus zahlreichen Möglichkeiten zusammen. Darunter:

  • Pflegegeld, das allerdings nicht der pflegende Angehörige, sondern der Betroffene erhält

  • Sach- und Kombileistungen von Kranken- und Pflegekassen

  • Ansprüche an private Pflege- und Unfallversicherung

  • Entlastungsbetrag bei Pflegedienst und Pflegekasse

  • Zinslose staatliche Darlehen vom Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben.

Rente

Pflegende Angehörige befürchten oftmals, dass sich die Pflegezeit aufgrund des geringeren oder ausfallenden Verdienstes negativ auf ihre Rente auswirkt. Die Beitragszahlungen zur Rente für pflegende Angehörige wird jedoch ebenso wie zur Arbeitslosen- und Unfallversicherung von der Pflegekasse übernommen.

Entlastung durch Beratungsstellen

Viele pflegende Angehörige fühlen sich verständlicher Weise von der enormen Belastung überfordert – Sie sind damit nicht allein. Nehmen Sie daher bei der Pflege von Angehörigen auch für sich selbst psychologische Hilfe in Anspruch. Dies ist wiederum auf verschiedenen Wegen möglich:

Selbsthilfegruppe für pflegende Angehörige

Im Vordergrund stehen Austausch und gegenseitiges Verständnis. Zudem können auch praktische Tipps vermittelt werden. Ärzte, Krankenkassen oder Therapeuten sowie online Foren helfen beim Finden der richtigen Selbsthilfegruppe.

Psychotherapie

Die individuelle Therapie kann beim Umgang mit der Situation helfen. Erhalten Sie keinen freien Termin bei einem Therapeuten mit Kassenzulassung, können pflegende Angehörige unter bestimmten Voraussetzungen die Kostenübernahme für eine private Praxis bei der Krankenkasse beantragen.

Pflegeberatung

Kranken- und Pflegekassen bieten umfassende Beratungen durch Pflegeberater an. Diese können bei Pflegestützpunkten oder auch bei Ihnen zu Hause erfolgen.

Nehmen Sie die Hilfsangebote in Anspruch – selbst wenn Sie noch nicht das Gefühl haben, dass Sie Hilfe benötigen. Unterstützungsmöglichkeiten wahrzunehmen ist keine Schande und kommt sowohl Ihnen als auch Ihrem pflegebedürftigen Angehörigen zugute.