• Stuhlinkontinenz - Formen und Auslöser

Die Stuhl- oder Darminkontinenz ist die Unfähigkeit, den Stuhlabgang und Winde zukontrollieren und zurückzuhalten.

Von der Stuhlinkontinenz sind alle Altersgruppen betroffen, wobei sie häufiger bei älteren Menschen vorkommt. Schätzungsweise sind 5% der Gesamtbevölkerung in Deutschland davon betroffen. Bei den über 65-jährigen Menschen steigt die Zahl auf über 10%.

Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Die Ursache sind geburtstraumatische Folgeschäden, wie anale Verletzungen des Schließmuskels. Die Hälfte der Frauen leidet gleichzeitig an einer Harninkontinenz.

Die Stuhlinkontinenz ist ein wichtiges medizinisches Thema. Die mit der Symptomatik verbundenen psychischen Belastungen sind groß. Betroffene isolieren sich von ihrer Umwelt und bleiben aus Angst vor plötzlichem Stuhlverlust in den eignen vier Wänden.

Die als anale Inkontinenz bezeichnete Stuhlinkontinenz ist keine eigenständige Erkrankung, sondern ein Symptom, das viele unterschiedliche Ursachen haben kann.

OBSTIPATION ODER DARAUS RESULTIERENDE KOPROSTASE

Unter einer Obstipation oder Verstopfung leidet der Betroffene, wenn der Stuhl lange im Dickdarm und vor allem in der Rektumampulle verweilt. Durch den Flüssigkeitsentzug dickt der Stuhl ein und Kotsteine entstehen. Diese behindern den Passagenweg und somit den Abtransport des Stuhls und führen zu einer behandlungsbedürftigen Erkrankung.

Bei dem vollständigen Stillstand des Stuhltransports handelt es sich um eine sogenannte Koprostase. Eine spontane Entleerung des Darminhaltes ist nicht machbar, weil der Passagenweg durch die Ansammlung des Stuhls zum größten Teil verhindert ist.

STÖRUNG DER REKTALEN SPEICHERFUNKTION

Eine Störung der rektalen Speicherfunktion kann nach einer Tumoroperation im Darmbereich auftreten. Durch die Einführung von Operationen, die den Schließmuskel erhaltenen, wurde der Wiederanschluss des Darms bis zur inneren Schließmuskelöffnung ermöglicht. Durch die Vernarbung dieser Umgebung kommt es bei vielen Betroffenen zum vermehrten Stuhlgang und zur Inkontinenz. Eine weiter Ursache für den Verlust der Speicherfunktion sind chronisch-entzündliche Darmerkrankungen.

NEUROGENE STUHLINKONTINENZ

Die Ursachen neurogenen Stuhlinkontinenz sind entweder zerebral und spinal. Zu den zerebralen Ursachen gehören Schlaganfälle, Metastasen/Tumore, Demenz oder degenerative Erkrankungen. Spinale Ursachen sind Multiple Sklerose, Spina bifida, Nervenschädigungen oder Rückenmarkschwindsucht.

SENSORISCHE STUHLINKONTINENZ

Ist die sensible Wahrnehmung der Schleimhaut des Analkanals gestört, handelt es sich um eine sensorische Stuhlinkontinenz. Diese tritt im Fall einer neurologischen Erkrankung, wie Bewusstlosigkeit oder Schlaganfall auf. Eine sensorische Stuhlinkontinenz kann angeboren sein oder durch eine Korrekturoperation, bei der es zum teilweisen oder vollständigen Verlust der Analschleimhaut kommt, führen.

MUSKULÄRE STUHLINKONTINENZ

Bei einer muskulären Stuhlinkontinenz sind die analen externen und internen Schließmuskeln geschädigt, aber die sensible Wahrnehmung durch die Analkanal-Schleimhaut ist intakt. Eine muskuläre Stuhlinkontinenz hat verschiedene Ursachen. Die häufigste ist die vaginale Entbindung mit Dammriss. Eine weitere Ursache ist eine Insuffizienz des Beckenbodens. Hierbei treten komplexe Schädigungen durch eine unzureichende Funktionsfähigkeit der Muskulatur des Beckenbodens auf. Fisteln, die aus einer chronischen oder akuten Entzündung oder durch mechanische Einwirkungen von außen entstehen führen ebenfalls zu einer teilweise oder vollständige Zerstörung des Schließmuskels.