• Behandlungsmöglichkeiten bei Harninkontinenz

Inkontinenz ist unangenehm und hat sowohl körperliche als auch psychische Auswirkungen auf die Betroffenen. Die gute Nachricht: Inkontinenz ist behandelbar und das entlastet den Alltag von Betroffenen und Pflegepersonen.

Zum Einsatz kommen verschiedene Medikamente, Operationen und Therapiemöglichkeiten. Deren Auswahl trifft der behandelnden Arzt. Zur Verbesserung des Wohlbefindens gibt es verschiedene Hilfsmittel. Inkontinenzeinlagen verhindern eine Rücknässung und die Verschmutzung der Kleidung.

Beckenbodentraining

Ein kräftiger Beckenboden ist Voraussetzung für viele Prozesse in unserem Körper. Die sich dort befindenden Muskeln liegen wie eine Acht um Harnröhre und After und sind somit zusammen mit anderen Faktoren verantwortlich für die Kontinenz. Krankengymnasten, Sportvereine, Fitnessstudios und Volkshochschulen bieten Kurse zum Beckenbodentraining an, um die Beckenbodenmuskulatur und damit den Schließmuskel zu stärken. Ein regelmäßiges Training über einen längeren Zeitraum wirkt der Inkontinenz entgegen. Des Weiteren beugt ein gezieltes und regelmäßiges Training des Beckenbodens einer drohenden Inkontinenz vor.

Übungen zur Stärkung des Beckenbodens können Sie ganz einfach in Ihren Alltag einbauen. Wir haben für Sie vier Übungen zusammengestellt. Ob im Liegen, nach dem Aufwachen im Bett (siehe Bild 1 und 2), beim Warten auf das kochende Nudelwasser oder bei der Gartenarbeit (siehe Bild 3 und 4) können Sie diese Übungen ausführen. Alles, was Sie für diese Übungen brauchen, haben Sie immer dabei – Ihren eigenen Körper.

Bitte beachten Sie, dass sollten Sie bei den Übungen Schmerzen verspüren die Übung zu beenden.

Miktionsprotokoll

Im Miktionsprotokoll notiert der Betroffene oder der Betreuer die Trinkzeiten und -mengen, sowie Entleerungszeiten der Blase und die Urinmenge täglich. Bei der Verwendung von Inkontinenzeinlagen vergleicht der Betreuer oder der Betroffene das Gewicht einer vollgesogenen Einlage mit dem Gewicht einer unbenutzten. Ebenfalls notiert wird, ob es zu einem ungewünschten Wasserlassen kam und wie stark der Harndrang war. Nach einiger Zeit lassen sich mit großer Wahrscheinlichkeit Zusammenhänge aufzeigen. Das Trinken und die Toilettengänge lassen sich mit anderen täglichen Aktivitäten abstimmen und gezielte Toilettengänge einplanen. Ebenfalls ist ein Miktionsprotokoll für die Diagnose des Arztes hilfreich sowie Basis für ein gezieltes Toilettentraining.

Unter folgendem Link stellen wir Ihnen ein kostenfreies Miktionsprotokoll zur Verfügung:

PflegeBox Miktionsprotokoll
PDF-Dokument [763KB]

 

Toilettentraining

Auf Grundlage des Miktionsprotokolls entwickelt der Betroffene in Zusammenarbeit mit dem behandelnden Arzt oder einer Pflegefachkraft ein Toilettentraining, das Trinkmengen und Toilettengänge strukturiert. Die Betroffenen erlernen Tricks, wie sie starken Harndrang reduzieren und damit einer Inkontinenz entgegen wirken.

Medikamente, Operationen und Nervenstimulation

Neben verschiedenen Trainings kommen Operationen und Medikamente als Maßnahme gegen Inkontinenz zum Einsatz. Anticholinergika hindern die Blasenmuskulatur an der Kontraktion und reduzieren damit die Blasenentleerungen. Das Risiko von Nebenwirkungen und Komplikationen ist vorhanden. Wenn andere Therapieformen nicht zum Erfolg gegen die Blasenschwäche führen, ist eine Operationen in Betracht zu ziehen. Bei vielen Varianten der Harninkontinenz kommt es zum Einsatz eines künstlichen Schließmuskels, bei dem ein aufblasbares Ballonsystem die Harnröhre verschließt. Über eine kleine Pumpe unter der Haut kann der Betroffene den Einsatz des künstlichen Schließmuskels steuern. In seltenen Fällen kann ein sogennanter„Blasenschrittmacher“ (Neurostimulator) implantiert werden, der die Blase stimuliert.

Weitere Maßnahmen gegen Inkontinenz

Eine Gewichtsabnahme beeinflusst die Symptome der Inkontinenz positiv. Ebenfalls kann der Verzicht auf Nikotin, Kaffee und scharfe Gewürze helfen. Bei einer Dranginkontinenz aufgrund seelischer Faktoren, helfen Entspannungsübungen.