• Pflegenotstand

Der Pflegenotstand in Deutschland ist bereits heute für unsere Gesellschaft real spürbar. Alleine die zahlreichen politischen Debatten über das Thema zeigen, dass wir uns ernsthaft mit dem Thema auseinander setzen müssen. Deutschland altert schnell und die Anzahl der Pflegebedürftigen wird in den nächsten Jahren rapide steigen. Schon heute ist die Institution Pflegeheim komplett aus- und überlastet.

Entwicklung der Zahl Pflegebedürftiger

In Millionen, Prognose ab dem Jahr 2020 

Quelle: BARMER GEK Pflegereport 2014

 Was bedeutet Pflegenotstand?

Der Begriff Pflegenotstand ist in Deutschland zu einem berufspolitischen Schlagwort geworden. Es beschreibt den aktuellen Personalmangel in verschiedenen Pflegeinstitutionen (Altenheim, Krankenhaus etc.) aber auch in Familien. In Deutschland wurde der Begriff das erste Mal in den 1960er und 1970er Jahren verwendet. Damals hat die Ausweitung der Krankenhäuser zu einem massiven Personalmangel geführt, der mit dem Einsatz ausländischen Pflegepersonals aufgefangen wurde.

Bekannte Ursachen für den Pflegenotstand heute

Auf Grund anderer wirtschaftspolitischer Schwerpunkte wurden in der Vergangenheit viele Stellen abgebaut und weniger Pflegepersonal ausgebildet. Heute fehlen diese Fachkräfte in der Pflege. Laut der Gewerkschaft ver.di fehlten 2017 schon rund 70.000 Fachkräfte in der Krankenpflege sowie 40.000 weitere in der Altenpflege.  Die Prognose des Deutschen Pflegerats liegt bis 2030 bei 300.000 fehlenden Pflegekräften, davon 200.000 allein in der Altenpflege.

Seit dem 01. Januar 2017 ist durch das zweite Pflegestärkungsgesetz ein grundlegend neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff eingeführt worden. Statt der bislang bekannten drei Pflegestufen gelten seit Anfang 2017 fünf neue Pflegegrade mit neuen Leistungsbeträgen. Im ersten Halbjahr 2017 sprach der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) 432.000 Versicherten erstmals einen der neuen fünf Pflegegrade zu. 175.000 Menschen mehr als im Vorjahreszeitraum. Da allerdings nicht mit einem proportionalen Wachstum des Pflegefachpersonals gerechnet werden kann, wird sich der Pflegenotstand in Zukunft noch deutlicher bemerkbar machen.

Mit dem Mangel an Pflegekräften, wächst die Belastung auf jeden einzelnen Pfleger. Gepaart mit einer überwiegend schlechten Bezahlung verliert der Beruf heutzutage immer mehr an Attraktivität. Durch die Unterbesetzung und die daraus resultierende Mehrbelastung jedes einzelnen kommt es zu noch mehr Ausfällen in Form von: Hohen Krankheitshausfällen, übermäßiger Erschöpfung hin zu verkürzten Arbeitszeiten. Daraus entsteht eine noch größere Belastung für die noch verbliebenen Pflegekräfte und steigert die Ablehnung gegenüber dem Beruf.

Maßnahmen gegen den Pflegenotstand

Der Beruf der Pflegekraft muss attraktiver gestaltet werden. Nur so kann langfristig davon ausgegangen werden, dass genügend Pflegekräfte für eine bedarfsgerechte Pflege in Deutschland zur Verfügung stehen. Um dies zu erreichen, stehen zahlreiche Vorschläge in der Diskussion: Neben einer besseren Bezahlung, gehören auch Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten dazu. Eine weitere mögliche Maßnahme gegen den Pflegenotstand ist die Selbstverwaltung der Pflege im Gesundheitswesen.  Das bedeutet, Pflegeberufe bestimmen selbst, was Pflege und Betreuung ist und wie sie diese Bereiche gestalten und definieren. Dadurch schützen sie die Bevölkerung zum Beispiel vor unsachgemäßer Pflege. Gleichzeitig sind die Mitarbeiter der Pflegeberufe  zufriedener da sie sich durch das Mitspracherecht anerkannter und ernst genommener fühlen. 

Pflegekraft ist ein körperlicher und psychisch fordernder Beruf. Daher ist hier ein ausgewogenes Verhältnis zwischen beruflichen Anforderungen und privaten Bedürfnissen, eine sogenannte Work Life Balance, wichtig. Durch die hohen, unterschiedlichen Belastungen im Beruf, können die meisten Pflegenden ihn ab dem 60. Lebensjahr nicht mehr ausüben. Ein Lösungsansatz kann ein niedrigeres Renteneintrittsalter für Pflegeberufe ab 60 Jahren sein sowie eventuell höhere staatlich und betrieblich geförderte Rentenansprüche.       

Das Problem Pflegenotstand wird nicht auf die schnelle und ohne große Inventionen und Umstrukturierungen zu meistern sein. Veränderungen der bisherigen Strukturen sind dabei unumgänglich.