pflegegrad 1

WELCHE LEISTUNGEN STEHEN MIR ZU?

DER PFLEGEGRAD 1 UND SEINE LEISTUNGEN

Ein anerkannter Pflegegrad öffnet die Tür zu den Leistungen der Pflegekasse. Je nachdem, welcher Pflegegrad vorliegt, erhalten Betroffene unterschiedliche Leistungen. Ziel ist immer, die alltägliche Pflege zu erleichtern und die Selbstständigkeit zu fördern.

Kurz und Knapp

Personen des Pflegegrad 1 haben keinen Anspruch auf Pflegegeld. Dennoch stehen Ihnen Zuschüsse für Notrufsysteme, finanzielle Unterstützung für die Wohnraumanpassung, zuzahlungsfreie Pflegehilfsmittel zum Erhalt der alltäglichen Hygiene  sowie ein Entlastungsbetrag. Der Entlastungsbetrag kann zum Beispiel für Kurzzeitpflege aufgewandt werden. Es handelt sich um einen festen, zweckgebundenen Betrag. Pflegende Angehörige haben zudem Anspruch auf kostenlose Schulungen, damit Sie erlernen mit der neuen Lebenssituation umzugehen. Der Vorteil ist, dass sie Gleichgesinnte finden, mit denen sie ihre Erfahrungen austauschen können.

Mit den Änderungen des Pflegebedürftigkeitsbegriffs vom 01.Januar 2017 vergrößert sich der Kreis der Leistungsberechtigten Pflegebedürftigen. In den Pflegegrad 1 werden Menschen eingestuft, welche geringe Beeinträchtigungen im Alltag haben. Der Grund dafür sind meist körperliche Einschränkungen. Dazu zählen unter anderem Wirbelsäulen- und Gelenkerkrankungen. Um die geringe Ausprägung der Pflegebedürftigkeit nicht zu verschlimmern, erhalten bereits Personen mit dem Pflegegrad 1 verschiedene Möglichkeiten, um die Selbstständigkeit zu erhalten.

DURCH DIE EINFÜHRUNG DES PFLEGEGRAD 1 IST ES DEUTLICH MEHR MENSCHEN MÖGLICH LEISTUNGEN AUS DER PFLEGEVERSICHERUNG ZU BEZIEHEN!

Im §28 a Sozialgesetzbuch XI (SGB) sind die Leistungen für Personen mit einem Pflegegrad 1 festgeschrieben. Diese Leistungen sehen wie folgt aus:

  • Pflegeberatung gemäß §§ 7a und 7b
  • Beratung in der eigenen Häuslichkeit gemäß § 37, 3
  • Leistungen für Pflegebedürftige in ambulant betreuten Wohngruppen gemäß § 38a
  • Finanzielle Unterstützung zur Verbesserung des Wohnumfeldes gemäß § 40, 4
  • Versorgung mit Pflegehilfsmittel gemäß § 40
  • Zusätzliche Betreuung und Aktivierung in stationären Pflegeeinrichtung gemäß § 43b
  • Leistungen bei Pflegezeit und kurzzeitiger Arbeitsverhinderung gemäß § 44a
  • Pflegekurse für Angehörige gemäß § 45

Pflegebedürftige mit dem Pflegegrad 1 sind vergleichsweise gering beeinträchtigt. Das bedeutet, diese Personen haben bei der Begutachtung durch den medizinischen Dienst der Krankenkasse eine Punktzahl zwischen 12,5 bis unter 27 Punkten. Pflegebedürftige des Pflegegrad 1 erhalten Personen keine ambulanten Sachleistungen oder Pflegegeld.

Die Leistungen konzentrieren sich in erster Linie darauf, dem Pflegebedürftigen so lange wie möglich die Selbstständigkeit zu bewahren. Ebenso zielen die aufgeführten Leistungen darauf ab, dass sich die pflegebedürftigen Personen in ihrem vertrauten häuslichen Umfeld bleiben.

pflegegrad 1

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Ihr Anspruch auf einen Entlastungsbetrag

Trotz dessen Personen mit Pflegegrad 1 keine Sachleistungen oder Pflegegeld zustehen, erhalten sie aus der Pflegeversicherung einen Entlastungsbetrag. Dieser Zuschuss ist zweckgebunden und umfasst 125,00 EURO monatlich. Der Betrag kann für Tagespflege und Nachtpflege, Kurzzeitpflege und Angebote zur Unterstützung im Alltag verwendet werden. Die Voraussetzung für die Unterstützungsangebote im Alltag ist, dass die Anbieter nach Landesrecht zugelassen sein müssen. Diese Angebote sind auch bekannt als „niedrigschwellige Betreuungsangebote“. Unter anderem gehören dazu Unternehmungen in denen die Kreativität oder Beweglichkeit gefördert werden. Das könnten zum Beispiel ein wöchentlicher Spaziergang mit einem ehrenamtlichen Mitarbeiter, Besuche bei Singgruppe oder eine Begleitung zu wichtigen Terminen sein. Besonders interessant sind niedrigschwellige Betreuungsangebote für Demenzkranke.

Was passiert mit nicht genutzten Entlastungsbeträgen?

 Dazu ein kleines Beispiel:

Sie mussten aus gesundheitlichen Gründen im August in ein Krankenhaus und haben dafür nur 100 EURO, statt der 125 EURO Entlastungsleistung verwendet. Nun sind noch 25,00 EURO aus dem Monat August übrig. Diese dürfen Sie nun im Monat September zusätzlich zu dem Grundbetrag von 125,00 EURO mitverwenden.  Das bedeutet, Ihnen stehen im September 150,00 EURO Entlastungsbetrag zu.
Sie haben die Möglichkeit verbliebene Beträge der Entlastungsleistung mit in das nächste Jahr zu ziehen. Der Restbetrag verfällt jedoch am 30. Juni.

Weiterhin haben Pflegebedürftige mit dem Pflegegrad 1 einen Anspruch auf Pflegehilfsmittel zum Verbrauch. Diese Leistung umfasst monatlich einen Betrag von 40,00 Euro und ist auch bei höheren Pflegegraden gleichbleibend. Bei Pflegehilfsmitteln zum Verbrauch sind die Produkte der Produktgruppe 54 gemeint. Dazu gehören Mundschutz sowie Schutzschürzen, Einmalhandschuhe, Desinfektionsmittel für Hände und Flächen und Bettschutzeinlagen. Den Umfang dieser Produkte bestimmen Sie selbst. Je nachdem, welche Bedürfnisse der Betroffene hat, entscheidet sich welche Produkte er bevorzugt benötigt.

Wir helfen Ihnen gerne, die passenden Produkte zu finden.

Informieren Sie sich vorab über die zuzahlungsfreien Pflegehilfsmittel zum Verbrauch oder laden Sie sich ein Informationspaket herunter. Bei weiteren Fragen sind wir selbstverständlich auch telefonisch erreichbar.

FÜHLEN SIE SICH SICHER

Damit sich  Angehörige nicht sorgen und auch der Pflegebedürftige sich selbst in Sicherheit wähnt, erhalten Personen des Pflegegrad 1 einen Zuschuss von 23,00 Euro monatlich für Notrufsysteme. Diese Notrufsysteme gibt es in unterschiedlichen Ausführungen und orientiert sich in der Regel daran, wie mobil die zu pflegende Person ist. Das bedeutet: Ist der Betroffene viel allein unterwegs, bietet sich ein mobiler Notruf in Form eines Armbands an. Darüber hinaus gibt es stationäre Notrufsysteme oder in moderner Variante in Tablet Form. Eines haben diese Geräte alle gleich: Sie sind mit einer Notrufzentrale verbunden. Sobald ein Notruf mittels Knopfdruck gesendet wird, erhält die Zentrale diesen Ruf und kann den Aufenthaltsort der pflegebedürfitgen Person ermitteln.

Durch ein Notrufsystem ist es Pflegebedürftigen des ersten Grads möglich, ihre Selbstständigkeit weiterhin zu wahren und dennoch im Notfall nicht hilflos zu sein!

Mehr Sicherheit dank Umbau

Mit einem anerkannten Pflegegrad erhalten Pflegebedürftige Zuschüsse für Wohnraumanpassungen. Der Zuschuss für die Optimierung des Wohnumfeldes beträgt maximal 4.000 Euro. Den Zuschuss erhalten Sie bereits ab Pflegegrad 1 und die Summe ist auch bei Höherstufung gleichbleibend. Die Maßnahmen werden bezuschusst, wenn

  • die häusliche Pflege durch einen Umbau ermöglicht wird
  • die häusliche Pflege erleichtert wird
  • die Selbstständigkeit des Pflegebedürftigen gefördert und somit die Abhängigkeit einer Pflegeperson verringert wird

Eine Wohnraumanpassung verfolgt das Ziel die Selbstständigkeit zu fördern. Maßnahmen die dazu beitragen sind zum Beispiel Verbreiterung von Türen und die Entfernung von Schwellen, sodass ein ebenerdiger Untergrund vorhanden ist. Weiterhin zählt auch der Einbau eines Treppenlifts oder Rampen im Eingangsbereich dazu. Insbesondere im sanitären Bereich ist an eine Anpassung zu denken: Die Badezimmer stellen eine besondere Gefahrenzone für Personen dar, welche in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. So ist eine ebenerdige Dusche oder ein Badewanneneinstieg ebenso wichtig wie Haltegriffe.

PFLEGEKURSE ALS VORBEREITUNG FÜR DEN ALLTAG

Pflegende Angehörige haben einen Anspruch auf kostenfreie Pflegekurse. Die Grundlage dafür bildet der § 45 des Sozialgesetzbuch in welchem steht:

Die Pflegekassen haben für Angehörige und sonstige an einer ehrenamtlichen Pflegetätigkeit interessierte Personen unentgeltlich Schulungskurse durchzuführen, um soziales Engagement im Bereich der Pflege zu fördern und zu stärken, Pflege und Betreuung zu erleichtern und zu verbessern sowie pflegebedingte körperliche und seelische Belastungen zu mindern und ihrer Entstehung vorzubeugen.

Der Zweck bei einem Pflegekurs besteht darin, die pflegenden Angehörigen auf den pflegerischen Alltag vorzubereiten und einen allgemeinen Pflegestandard aufrecht zu erhalten. Sie erlernen in diesen Kurse bestimmte Handgriffe und Tricks, damit die Pflege für alle Beteiligten erleichtert ist. Es ist auf Wunsch möglich die Schulung in der eigenen Häuslichkeit stattfinden zu lassen.

Der psychische Druck für Angehörige in einem Pflegefall ist nicht zu unterschätzen. In einem Pflegekurs haben Angehörige die Möglichkeit sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und Kraft zu schöpfen.

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