inkontinenzformen

INKONTINENZFORMEN
AUFKLÄRUNG STATT STILLSCHWEIGEN

Eine Inkontinenz kann in vielen Formen auftreten. Es ist für Betroffene sehr hilfreich, über die verschiedenen Arten aufgeklärt zu sein. Leider ist die Scham über dieses vermeintliche Tabuthema oft größer, als nötig. 

Kurz und Knapp

Eine Inkontinenz beschreibt das Unvermögen Stuhl oder Urin kontrolliert zurückzuhalten. Dementsprechend unterscheiden Mediziner auch in Harn- und Stuhlinkontinenz. Die Harninkontinenz wird wiederum unterschieden in Belastungsinkontinenz, Dranginkontinenz, Reflexinkontinenz, Überlauf- und extrarethrale Inkontinenz. Die Ursachen sind verschiedener Natur. Von normalen Alterserscheinung, bis hin zu neuronalen Schädigungen oder Alzheimer und Schlaganfall. Eine Inkontinenz ist kein Grund zur Scham: Ingesamt leiden 10% der deutschen Bevölkerung an diesem Symptom. Frauen sind aufgrund der Anatomie häufiger davon betroffen.

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WAS IST EINE INKONTINENZ?

Eine Inkontinenz beschreibt die Unfähigkeit Urin oder Stuhl kontrolliert zurückzuhalten. Fälschlicherweise wird dieses Unvermögen oftmals als Krankheit bezeichnet. Bei einer Inkontinenz handelt es sich um ein Symptom, welches durch Krankheiten, Unfälle oder normale Alterserscheinungen ausgelöst wird. So sind mögliche Ursachen zum Beispiel Harnsteine, eine vergrößerte Prostata, Tumore, Nervenverletzungen oder -reizungen sowie Alzheimer oder ein Schlaganfall. Die Liste der Möglichkeiten ist sehr lang, weshalb es stets ratsam ist, mit seinem Hausarzt über die Beschwerden zu sprechen

Sie müssen sich nicht schämen!

Viele Menschen scheuen sich davor mit jemandem über ihr Leiden zu sprechen.  Sie entwickeln ein Schamgefühl und ziehen sich automatisch aus ihrem sozialen Umfeld zurück. Sie weisen Freunde, Bekannte und Verwandte ab, weil Sie in vielen Fällen Angst haben, ein Einzelfall zu sein. Das ist aber falsch. Allein in Deutschland sind etwa zehn Millionen Menschen von einer Inkontinenz betroffen. Das macht 10% der Gesamtbevölkerung aus. Weltweit sind es sogar 200 Millionen Personen. Es ist zu vermuten, dass die „tatsächliche“ Zahl weitaus höher liegt. Der Grund ist das Schweigen der Betroffenen, selbst ihrem eigenen Arzt gegenüber.

Im Allgemeinen sind Frauen deutlich häufiger von einer Inkontinenz betroffen als Männer. Eine Ursache findet sich in den anatomischen Unterschieden zwischen den Geschlechtern. So ist zum Beispiel die Beckenbodenmuskulatur von Frauen  schwächer ausgeprägt als die der Männer. Auch macht eine Inkontinenz keine Unterschieden zwischen einzelnen Altersklassen. Trotz dessen bildet die größte Gruppe der Betroffenen die Altersklasse 80+.

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ZU UNTERSCHEIDEN SIND HARN- UND STUHLINKONTINENZ

Eine Inkontinenz unterscheidet sich in Stuhlinkontinenz und Harninkontinenz. Letztere bezeichnen viele Personen auch als „Blasenschwäche“. Jedoch ist nicht immer die Blase der Grund für den unkontrollierten Austritt von Urin. Die Harninkontinenz unterscheidet sich zudem noch in Belastungsinkontinenz, Dranginkontinenz, Reflexinkontinenz, Überlaufinkontinenz und Extraurethale Inkontinenz.

Haben Sie es gewusst?

Es gibt für jegliche Formen der Inkontinenz einige Faktoren, welche sie noch zusätzlich verstärkt! Dazu zählen zum Beispiel Medikamente wie Antidepressiva, Neuroleptika und Diurektika. Doch setzen Sie diese Medikamente nicht selbstständig ab! Sprechen Sie bitte  mit Ihrem behandelndem Arzt. Außerdem gehört Alkohol ebenfalls zu den Verstärkern einer Inkontinenz.

Belastungsinkontinenz

Die Gründe einer Belastungsinkontinenz sind unterschiedlicher Natur. Zum einen sind vaginale Geburten oder Übergewicht ursächlich. Aber auch unterschiedliche körperliche Belastungen, bei denen ein erhöhter Druck im Bauchbereich entsteht, sind mögliche Ursachen. Dazu zählen unter anderem Lachen, Husten, Niesen oder Springen. Früher wurde diese Form auch als „Stressinkontinenz“ bezeichnet. In extremen Ausprägungen verlieren Betroffene bereits im Stehen oder Liegen unkontrolliert Urin, ohne einen Harndrang zu spüren.

Dranginkontinenz

Bei einer Dranginkontinenz empfängt das Gehirn das Signal: Die Blase ist voll! Der Körper reagiert darauf hin mit einer willkürlichen Entleerung. Dies geschieht teilweise ohne Vorwarnung und das mehrmals pro Stunde.

Reflexinkontinenz

Bei dieser Form der Inkontinenz spüren die Betroffenen nicht, wann die Blase voll ist. Aus diesem Grund entleert sie sich auch unkontrolliert und in unregelmäßigen Abständen. Hinzu kommt, dass sie sich nicht vollständig entleert. Die häufigsten Ursachen bei der Reflexinkontinenz sind eine Querschnittlähmung, ein Schlaganfall oder neurologische Erkrankungen.

Überlaufinkontinenz

Der Unterschied bei der Überlaufinkontinenz im Vergleich zu den anderen Formen ist, dass Betroffene ein dauerhaftes Bedürfnis haben eine Toilette aufsuchen zu müssen. In diesem Fall ist es jedoch so, dass ein blockierter Blasenausgang den Abfluss von Ausscheidungen erschwert. Somit fließt nur ein Bruchteil von dem Urin ab, der tatsächlich in der Blase ist.

Extraurethrale Inkontinenz

Die extraurethrale Inkontinenz findet ihre Ursache in einer angeborenen Fehlbildung oder einer Fistel. Der angesammelte Urin wird nicht über die vorgesehenen Wege abgelassen, sondern mittels anderer Öffnungen entledigt. In diesem Fall ist es entweder die Scheide oder der After. Eine extraurethrale Inkontinenz ist eine der seltensten Formen und kann oftmals mithilfe von Operationen korrigiert werden.

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STUHLINKONTINENZ UND IHRE SCHWEREGRADE

Stuhlinkontinenz tritt seltener auf, als Harninkontinenz. Menschen, welche an dieser Inkontinenzform leiden, sind nicht in der Lage Darminhalte und -gase zurückzuhalten. Der Grund dafür ist oftmals eine Störung des sogenannten Kontinenzorgans. Dieser umfasst den Mastdarm, Schließmuskel und den Analkanal.
Insgesamt teilen Mediziner die Stuhlinkontinenz in drei Schweregrade ein: Die Teilinkontinenz des ersten Grades ist der Belastungsinkontinenz ähnlich. Sobald eine körperliche Belastung ausgeübt wird, tritt gelegentlich Luft oder Stuhlschmiere aus. Betroffene des zweiten Grads sind nicht in der Lage Gase oder dünnen Stuhl zurückzuhalten. Ist die Diagnose eine Totalinkontinenz, beschreibt das die komplette, unkontrollierte Darmentleerung. Betroffene leiden damit unter ständigem Austritt von Stuhlschmiere bis hin zu festem Stuhl.

Eine Inkontinenz in Kombination mit einem Pflegebedürfnis

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass eine inkontinente Person pflegebedürftig wird. Doch was heißt Pflegebedürftigkeit? Pflegebedürftig ist laut dem Gesetzgeber eine Person die seit mindestens sechs Monaten auf Unterstützung angewiesen ist. Dies schließt Verpflichtungen des Alltags genau so ein wie Freizeitaktivitäten.  So schließt dieser Begriff nicht nur Maßnahmen aus dem pflegerisch-medizinischen Fachgebiet ein, sondern auch Maßnahmen des hauswirtschaftlichen Umfelds.

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Lassen Sie sich nicht einschränken! 

Auch wenn Sie oder einer Ihrer Angehörigen an einer Inkontinenz leiden, ist das kein Grund sich zurückzuziehen und zu isolieren. Unterschätzen Sie niemals die Auswirkungen einer sozialen Isolation. Die Folgen sind verheerend: Von Depression bis zu körperlichen Leiden. Sie müssen sich keinesfalls für Ihr Leiden schämen, sie sind nicht allein damit. Sicher ist es ein Weg bis zur vollkommenen Akzeptanz, aber es lohnt sich diesen zu gehen.

Es hilft oftmals schon offen darüber zu sprechen. Je mehr Sie mit Freunden, Bekannten, der Familie oder einem Arzt sprechen, desto leichter fällt es Ihnen damit zu leben. Aber glauben Sie nicht, dass durch eine Inkontinenz plötzlich Ihr ganzes Leben auf den Kopf gestellt wird und Sie sich plötzlich einschränken müssen. Es gibt verschiedene Therapiemöglichkeiten, welche auf die Art der Inkontinenz abgestimmt sind. Darüber hinaus gibt es zusätzlich für jede Person die passenden Alltagshelfer. Die Produkte rund um die Inkontinenz sind sowohl auf männliche, als auch weibliche Bedürfnisse abgestimmt. Inkontinenzprodukte wie Slipeinlagen, Windelhosen oder Pants, ermöglichen es Ihnen Ihren Alltag wie gewohnt weiterzuführen.

Gehen Sie mit Freunden aus, trinken Sie Kaffee und essen Sie ein Stück Kuchen mit der Familie, joggen sie weiterhin mit Ihrem Bekannten, verabreden Sie sich mit Ihrem Nachbarn, um gemeinschaftlich des Menschen besten Freund auszuführen,  toben Sie mit Ihren Enkelkindern und fühlen Sie sich nicht eingeschränkt.

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