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TV-Legende Werner Hansch über die Alzheimer-Erkrankung des Ex-Fußballmanagers Rudi Assauer

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Rudi Assauer, „Wie ausgewechselt“ | © riva Verlag

Die Nachricht war so schockierend, wie sie landesweit für Aufmerksamkeit sorgte: Am 7. Februar 2012 berichtete Rudi Assauer im ZDF live über seine Alzheimer-Erkrankung. An seiner Seite war sein guter Bekannter und TV Sport-Reporter Werner Hansch. Bis heute, genau drei Jahre später, ist viel passiert.

Er galt als „Fels in der Brandung“, ob beruflich in der Bundesliga als Schalke 04-Manager oder als Mensch. Im Februar 2012 aber wurden die Fernsehzuschauer Zeugen eines ungewöhnlichen Geständnisses: Rudi Assauer, damals 67 Jahre alt, bekannte sich zu seiner Alzheimer-Erkrankung. Das darauf folgende Medienecho hielt über Monate an. Was u. a. Ziel des bekannten Sportlers war: Er wollte zum Thema wachrütteln.

Inzwischen sieht man den nunmehr 70-Jährigen kaum noch in der Öffentlichkeit. Er wohnt zurückgezogen bei seiner Tochter Bettina Michel, die über das gemeinsame Leben zuletzt ein Buch veröffentlicht hat, mit dem sie Angehörigen von Menschen mit Demenz Mut machen möchte.

Auch TV-Legende Werner Hansch (76) hat den ZDF-Auftritt von Februar 2012 und vorherige persönliche Erlebnisse mit Rudi Assauer aufgearbeitet – nachzulesen in vielen Passagen seiner jüngst erschienenen Autobiografie, die sich u. a. mit Demenz beschäftigt. Nicht aus medizinischer Sicht, doch aus dem Blickwinkel eines engen Begleiters, mit allen frühen Erfahrungen und Gedanken. Denn Hansch war zeitig involviert: Aufgrund gemeinsamer Termine, bei denen Rudi Assauer plötzlich Probleme mit Namen und seinem Erinnerungsvermögen bekam, war er es, der den Sportler darauf ansprach und eine ärztliche Behandlung anstieß.

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Werner Hansch „… Alles andere ist Schnulli-Bulli“ | © Verlag Die Werkstatt

Auf unsere Frage, wie es Rudi Assauer derzeit gehe, antwortet Hansch vorsichtig: „Ich stütze mich immer auf die Aussagen seines Arztes. Also lässt sich sagen: Gemessen an den Umständen, die die Krankheit mit sich bringt, geht es Rudi relativ gut.“ Dennoch hat sich auch der Kontakt des renommierten Sportreporters zum früheren Fußballmanager zwangsweise verändert. „Ganz auffällig ist, dass mit Rudi kein zielführendes Gespräch mehr möglich ist“, so Hansch traurig, „mal kommt eine Antwort, dann nur ein Nicken.“

Erkennt Assauer seinen einstigen Weggefährten denn noch? „Das weiß ich nicht. Ich frage danach auch nicht, weil ich nicht glaube, dass das helfen würde“, so Hansch. „Aber man merkt ja, wie ein Mensch bei einem Gespräch reagiert.“

Der Sportreporter hatte im Frühjahr 2012 auch die TV-Dokumentation „Ich will mich nicht vergessen“ mit initiiert, die Assauers Weg und Alltag nachzeichnete, hohe Einschaltquoten erreichte. Schon damals stand im Raum, dass das frühere Schalke 04-Idol genetisch belastet wäre, „denn Rudis Mutter hatte auch Alzheimer, wie sein Bruder,“ erinnert Werner Hansch. Und der ältere Bruder Aussauers, Lothar, starb genau ein Jahr später an den Folgen der Erkrankung. Nur Zufälle…? Werner Hansch überlegt: „Ich stelle mir vor, dass Rudi die Krankheit schon lange ‚gehört’ hatte, bevor er tatsächlich seine eigene Diagnose bekam.“

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Bettina Michel „Papa, ich bin für dich da“ | © mvg Verlag

Aus dem öffentlichen Bekenntnis wuchs derweil etwas Zukunftsorientiertes: die Rudi Assauer Gemeinnützige Initiative Demenz und Gesellschaft (GID) GmbH. Unterstützt nicht zuletzt vom Fußballverein Schalke 04, verfolgt die GmbH etwa die Enttabuisierung von Demenz in der Gesellschaft und verleiht seit 2013 den „Rudi Assauer Preis“ – zuletzt, zum zweiten Mal, Mitte Dezember. Mit dotierten (und gespendeten) Auszeichnungen zwischen 4.000 und 500 Euro werden jeweils Initiativen prämiert, die bundesweit per Selbst- oder Nachbarschaftshilfe, oft ehrenamtlich, oder stationär Strukturen für demenziell erkrankte Menschen schaffen. Auch Förderung und Versorgung im direkten Wohnumfeld sollen Beachtung finden.

Beteiligt an dieser guten Sache ist natürlich Werner Hansch, der dafür gern moderiert und Sponsoren anspricht. „Wir wollen die Menschen zum Nachahmen anregen“, sagt er mit Nachdruck, „und wir sind sehr dankbar, dass wir im Dezember mit der Preisverleihung in der Arena auf Schalke zu Gast sein durften und der Verein uns sogar noch das Buffet inklusive der Getränke geschenkt hat!“

Rudi Assauer war informiert über diese Initiative und hatte sich einst sehr darüber gefreut.

Was bleibt, drei Jahre nach seinem öffentlichen Bekenntnis? Unabhängig von manch einer Schilderung und Entwicklung auf jeden Fall sein eigenes Zeugnis, die Memoiren „Wie ausgewechselt“, in denen er im Frühjahr 2012 seinen Werdegang, aber auch sehr klar erste Anzeichen der Alzheimer-Erkrankung beschrieb. Ein wichtiges Dokument aus der eigenen Perspektive, frei nach seinem Motto „ Ich will mich nicht vergessen“.

Lesen Sie mehr über den „Rudi Assauer Preis“ und zu dieser Demenz-Aktion unter www.rudi-assauer-initiative.de

Das Gespräch führte Carolina Heske