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Licht gegen Winter-Blues – Echte Therapiechancen oder nur Geschäftemacherei?

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© Derungs (Buch „Visual Timing Light – Biodynamische Beleuchtung in der Seniorenpflege“)

Die einen verkaufen Bestrahlungsbrillen mit Grünlicht, die anderen Strahler mit Blaulicht, die das derzeit fehlende Tageslicht kompensieren sollen. Aber ist gegen den Winter-Blues tatsächlich ein künstliches Kraut gewachsen? Ja, sagen Experten – aber auch nein zu einigen Produkten.

Wenn die Tage kurz und die Farben aus der Natur verschwunden sind, leiden mehr Menschen unter depressiven Verstimmungen. Doch wann wird die Melancholie zur behandlungsbedürftigen Winterdepression? Was ist der Unterschied zur herkömmlichen Depression? Können Lampen mit 10.000 Lux dagegen helfen? Viele Betroffene sitzen ratlos mit ihren starken Leuchten zu Hause oder zweifeln, ob sie noch extra Spezialbrillen kaufen sollen. Was diese Therapie erreichen kann, zeigte das TV-Magazin „rbb PRAXIS“ kürzlich vor Ort in der Berliner Fliedner Klinik.

Die Winterdepression oder saisonal-affektive Störung (SAD) tritt regelmäßig in den Herbst- und Wintermonaten auf. Damit unterscheidet sie sich von der herkömmlichen Depression, die saisonunabhängig ist und nicht regelmäßig wiederkehrt. SAD-Betroffene verspüren zudem Heißhunger auf Süßes, andere kohlenhydratreiche Lebensmittel und nehmen so an Gewicht zu. Außerdem haben sie ein erhöhtes Schlafbedürfnis. Depressive im klassischen Sinn klagen dagegen eher über Appetitverlust und Gewichtsabnahme und leiden unter hartnäckigen Schlafstörungen.

Symptome einer SAD, die dagegen mit einer herkömmlichen Depression vergleichbar sind, sind mangelnde Energie und verminderter Antrieb sowie eine niedergedrückte Stimmung, Schuldgefühle und Freudlosigkeit. Die SAD gilt als Unterform der depressiven Erkrankung und betriff t ungefähr ein Prozent der Bevölkerung.

Die gute Nachricht: Die depressiven Wintergefühle sind gut behandelbar – und zwar mit Licht. Die Lichttherapie ist eine anerkannte Anwendung und hat bei 50 Prozent der Patienten eine positive Wirkung. Offenbar aktiviert der Lichteinfall auf die Netzhaut Rezeptoren, die dafür sorgen, dass das Gehirn vermehrt Glückshormone und wichtige Botenstoff e wie Serotonin ausschüttet. Die Produktion von Melatonin, das bei depressiven Stimmungen eine Rolle spielt, wird abgebaut. Gleichzeitig stimuliert Licht die Regulation innerer Rhythmen.

Die Wirkung des Lichts ist in Studien nachgewiesen. Für die Therapie sitzen die Patienten täglich eine halbe bis zwei Stunden vor einem speziellen Bildschirm. Die Dauer der Lichttherapie hängt von der Lichtstärke ab und variiert zwischen 30 Minuten bei 10.000 Lux und 2 Stunden bei 2.500 Lux. Lux ist die Messeinheit für Lichtstärke. 10.000 Lux entsprechen etwa dem Lichteinfall an einem hellen Frühlingstag (siehe Grafik).

Experten empfehlen für den heimischen Gebrauch Geräte, die etwa 10.000 Lux hell sind. Davor sollte man sich am besten vormittags eine halbe Stunde setzen und dabei viel Flüssigkeit zu sich nehmen, denn der Lichtreiz regt das ganze Stoffwechselsystem an. Während der Therapie kann man lesen, sich ausruhen und entspannen.