Pflegegrad 3 im Überblick: Am 01.01.2017 ist das zweite Pflegestärkungsgesetz in Kraft getreten. Fünf neue Pflegegrade lösen die sieben Pflegestufen ab.

Diese „neuen Pflegestufen“ orientieren sich am Grad der Selbstständigkeit und an den Fähigkeiten pflegebedürftiger Menschen. Das bezieht sich auf Menschen mit körperlichen, kognitiven und psychischen Problemen. So berücksichtigt diese Neuerung zukünftig auch Menschen mit Demenz.

Voraussetzungen

Bei dem Pflegegrad 3 bescheinigt der medizinische Dienst der Krankenkassen dem Pflegebedürftigen eine „schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit“. Anhand des „neuen Begutachtungsverfahrens“ erhält der Betroffene zwischen 47,5 und unter 70 Punkte.

Erhalten Sie nach der Umstellung den Pflgegrad 3?

Den neuen Pflegegrad 3 erhalten Sie, wenn Sie bereits die Pflegestufe 1 mit eingeschränkter Alltagskompetenz oder die Pflegestufe 2 erhalten haben.

Ohne oder mit eingeschränkter Alltagskompetenz?

Ein Erwachsener weist eine Alltagskompetenz auf, wenn er alltägliche Aufgaben selbstständig, unabhängig und vor allem eigenverantwortlich erfüllen kann. Ist die Alltagskompetenz eingeschränkt, besteht neben einem hohen Bedarf an allgemeiner Beaufsichtigung und Betreuung, auch ein Hilfebedarf im Bereich der Grundpflege und der hauswirtschaftlichen Versorgung. Sinnvolle Ausführungen oder alltägliche Verrichtungen sind für Betroffene nicht mehr möglich. Dazu gehören die Tendenz zum Weglaufen, das Verkennen gefährlicher Situationen oder die Unfähigkeit zur Strukturierung des Tagesablaufs.

Leistungen – Pflegegrad 3

Folgende Leistungen erhalten Pflegebedürftige mit dem Pflegegrad 3. Unter der Ansicht sind die einzelnen Beiträge detailliert aufgeführt.

Pflegegeld 545 Euro/mtl.
Pflegesachleistungen 1298 Euro/mtl.
Entlastungsbeitrag 125 Euro/mtl.
Kurzzeitpflege 1612 Euro pro Kalenderjahr
Verhinderungspflege 1612 Euro pro Kalenderjahr
Tages- und Nachtpflege 1298 Euro/mtl.
Zuschuss für Wohnraumanpassung einmalig bis zu 4000 Euro
Medizinische Hilfsmittel 40 Euro/mtl.
Pflegekurse für Angehörige ja
Beratung+Beratungsbesuche ja
Stationäre Pflege 1262 Euro/mtl.

Pflegegeld

Pflegebedürftige mit dem Pflegegrad 3 beziehen bei der häuslichen Pflege durch Angehörige oder Freunde ein Pflegegeld in Höhe von 545 Euro monatlich.

Pflegesachleistungen

Die Pflegesachleistungen belaufen sich für Betroffene mit einem Pflegegrad 3 auf 1298 Euro monatlich. Der Betrag wird von dem ambulanten Pflegedienst direkt mit der Pflegekasse abgerechnet.

Entlastungsbeitrag

Um im Pflegealltag eine Entlastung zu erhalten, können Pflegebedürftige, die zuhause gepflegt werden, den Entlastungsbeitrag in Höhe von 125 Euro monatlich nutzen. Dieser besteht unabhängig eines Pflegerades und dient für Betreuungs- und Entlastungsleistungen wie:

  • Teilnahme an Betreuungsgruppen
  • Alltagsbegleiter
  • Einkaufshilfe
  • Haushaltshilfe
  • Tages- und Nachtpflege
  • stationäre Pflege

Kurzzeitpflege

Nach einem Krankenhausaufenthalt oder einer „Reha“ benötigen Menschen oft eine „Übergangspflege“. Betroffene mit dem Pflegegrad 3 können die Kurzzeitpflege bis zu 28 Tage im Jahr in Höhe und für maximal 1612 Euro nutzen.

Verhinderungspflege

Die sogenannte Urlaubspflege ersetzt die Pflegeperson bei Krankheit oder Urlaub. Eine professionelle Pflege kann für 1612 Euro und für höchstens vier Wochen im Jahr bezuschusst werden. Die Verhinderungspflege können Betroffene mit allen Pflegegraden nutzen. Der Betrag ist für die Pflegegrade identisch.

Tages- und Nachtpflege

Menschen mit einem Pflegegrad 3 können die Tages- und Nachtpflege als teilstationäre Pflegeleistung von monatlich 1298 Euro nutzen. Erfahren Sie hier mehr über die Tages- und Nachtpflege.

Zuschuss für die Anpassung eines barrierefreien Wohnens

Tritt ein Pflegefall ein, sind meist gewohnte Wege wie das Steigen einer Treppe nicht mehr möglich. Wurde der Pflegegrad 3 bewilligt, kann der Umbau in den eigenen vier Wänden mit einmalig bis zu 4.000 Euro bezuschusst werden. Dazu zählen:

  • Einbau eines Treppenlifts
  • Umbau von Wanne zur Dusche

Medizinische Hilfsmittel und Pflegehilfsmittel

Pflegebedürftige mit einem Pflegegrad 3 haben einen Anspruch auf medizinische Hilfsmittel und Pflegehilfsmittel im Wert von 40 Euro monatlich. Die PflegeBox übernimmt dabei die Antragstellung und Abrechnung bei der Pflegekasse und schickt die Hilfsmittel in einer praktischen Box direkt nach Hause.

Pflegekurse für Angehörige und ehrenamtliche Pflegepersonen

Laut § 45 SGB XI des Pflegeversicherungsgesetz haben Versicherte mit einem Pflegegrad 3 einen Anspruch auf Pflegeweiterbildungen für ihre Angehörigen. So können sie in der Hygiene geschult werden Maßnahmen erlernen, die der alltägliche Pflege dient.

Beratung und Beratungsbesuche

Verändert sich der Zustand des Pflegebedürftigen, sollten die Pflegepersonen nicht allein gelassen werden. Für eine Verbesserung der pflegerischen Versorgung oder zum barrierefreien Umbau können sich Pflegebedürftige beraten lassen, das übrigens auch zuhause.

Stationäre Pflege

Ist die Pflege stationär gewünscht, kann die Leistung in Höhe von 1262 Euro monatlich beansprucht werden.

Pflegegrad beantragen

Bevor Sie Leistungen aus der Pflegeversicherung erhalten, ist der erste Schritt die Beantragung des Pflegegrades. Abhängig von der Pflegekasse kann dies formlos passieren. Hier finden Sie alle Informationen zur Beantragung eines Pflegegrades!

Alle Angaben sind ohne Gewähr und ersetzen nicht die Angaben Ihrer Pflegekasse!