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Interview mit Schauspieler Wolfgang Winkler zu „Renterncops“

Rentnercops – Die neue Serien – Als das erfolgreiche „Polizeiruf 110“-Kommissarteam Schneider und Schmücke in Rente geschickt wurde, traf die Fans der beliebten Schauspieler Wolfgang Winkler und Jaecki Schwarz das Aus zur 50. Folge wie ein Blattschuss. Jetzt kehrt Winkler (72) mit einem neuen Volltreffer zurück: per Titelrolle in der Serie „Rentnercops“.

Der Fachkräftemangel macht auch vor der Polizei nicht Halt. So herrschen im Dezernat 12 der Kripo Köln Mülheim unhaltbare Personalzustände – zumindest laut der neuen ARD-Vorabendserie „Rentnercops“, die ab 31. März im Ersten zu sehen ist. Gut daher, dass die beiden Beamten noch leben, die einst einen Vermisstenfall bearbeitet hatten, zu dem es nun neue Spuren gibt. Warum sollten die Pensionäre nicht das zu Ende bringen, was damals unerledigt in den Akten landete? Doch die Reaktivierung der Senioren ist schwierig: Während Ex Kommissar Edwin (Tilo Prückner, 74) als Witwer in der Verwahrlosung versunken ist, hat sein früherer Kolleg Günter (Wolfgang Winkler) als Vollzeit-Opa alle Hände voll zu tun. Und: Taugen die Cops, die noch nie eine E Mail geschrieben oder im Internet recherchiert haben und jede moderne Ermittlungsarbeit sabotieren, überhaupt noch für den Job? Was passiert, wenn alte Eisen wieder antreten müssen, weil der Nachwuchs ausbleibt, will diese Serie, die mit zunächst acht Folgen startet, vor allem mit Humor beleuchten.

ARD PROGRAMMDIREKTION, RENTNERCOPS – JEDER TAG ZÄHLT! Die Dreharbeiten zu der neuen Vorabendserie mit Tilo Prückner (r.) und Wolfgang Winkler (l.) haben in Köln und Umgebung begonnen. Dezernat 12 der Kriminalpolizei Köln-Mülheim: Allein Kommissaranwärter Hui Ko (Aaron Le) hält die Stellung, sonst ist niemand weit und breit in Sicht, der den Job machen könnte – dem demografischen Wandel sei Dank! Für die ehrgeizige Dezernatsleiterin Vicky (Katja Danowski) ein unhaltbarer Zustand. Insbesondere jetzt, da eine Leiche im Stadtwald ausgebuddelt wurde, die noch in voller Karnevalsuniform steckt, mit 50.000 DM im Revers. Gut, dass die beiden Beamten noch leben, die den Vermisstenfall vor etwa 18 Jahren bearbeitet hatten. Warum sollten die das nicht zu Ende bringen, was damals unerledigt und direkt in den Akten landete!? Nur wie die beiden Kommissare Edwin (Tilo Prückner) und Günter (Wolfgang Winkler) reaktivieren? Edwin trauert seiner verstorben Frau nach und ist in Selbstmitleid und Verwahrlosung versunken, Günter, der Vollzeit-Opa, beschäftigter denn je. Mit einem Trick gelingt es Hui Ko den Stolz und den Ehrgeiz, vor allem aber die gesunde Missgunst, die beide füreinander hegen, zu aktivieren und damit beide zurück aufs Revier zu bringen. (s. auch ausführliche Pressemitteilung von heute.) © ARD/Kai Schulz, honorarfrei – Verwendung gemäß der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter ARD-Sendung und bei Nennung „Bild: ARD/Kai Schulz“ (S2). ARD-Programmdirektion/Bildredaktion, Tel: 089/5900-4302, Fax: 089/550-1259, bildredaktion@DasErste.de

Eine große Herausforderung also für Wolfgang Winkler, der soeben seinen 72. Geburtstag feierte. Geboren in Görlitz, besuchte er nach seiner Ausbildung zum E-Lokführer die Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ in Babelsberg. Danach reüssierte der Künstler, der heute in Berlin lebt, schnell zu einem gefragten Darsteller in DEFAKinofilmen und DFF-TV-Produktionen. Nach der Wende wurde er für seine „Polizeiruf 110“ Rolle – gemeinsam mit Jaecki Schwarz – zum „Ehrenkommissar“ von Sachsen und Sachsen-Anhalt ernannt.

Herr Winkler, tut der unfreiwillige Ausstieg beim „Polizeiruf 110“ noch weh?

Ach nee. Obwohl das natürlich nicht so angenehm war. Aber in den 17 Jahren war ich bei weiteren Rollenangeboten auch eingeschränkt. Seitdem klar war, dass Jaecki und ich aufhören, wurden mir neue Drehbücher geschickt.

Obwohl Sie doch nun kürzer treten dürften?

Kommissare gehen in Rente. Der Schauspieler würde am liebsten auf der Bühne sterben…

Trotzdem absurd: Der eine Sender schickt Sie als Kommissar in Pension, nun holt ein anderer Sie pünktlich zum 72. Geburtstag in selber Funktion in „Rentnercops“ wieder heraus … Ist das der Trend der Demografie?

Da bin ich überfragt. Für mich persönlich war dieses Angebot auf jeden Fall ein Glück: Es sollen 45 ältere Schauspieler beim Vorsprechen gewesen sein! Doch ich konnte gleich mit Tilo Prückner als Duo antreten – offenbar hat das mit uns zusammen sofort gut funktioniert. Aber absurd ist diese Entwicklung natürlich trotzdem.

Mit (Ex-)Kommissar Günter in den „Rentnercops“ haben Sie gemeinsam, dass Sie aktiver Großvater sind. Wie viel von Ihnen steckt in dieser Rolle?

Das Zusammenleben mit Kindern und Enkeln in einer Wohnung habe ich in Berlin auch. Bzw. wir leben in zwei benachbarten Häusern, nebenan wohnt der Sohn meiner jetzigen Frau mit seiner Familie. Da kann ich das gut nachvollziehen, dass meine Figur Günter sich um seine beiden kleinen Enkel kümmert. Allerdings ist das in der Serie Rentnercops schon Bequemlichkeit der jungen Leute, dass sie dem Opa ziemlich viel Betreuung abverlangen. Deshalb kann sich Günter erst gar nicht vorstellen, wieder zu arbeiten. Bis er dankbar ist, diesem privaten Zustand mal zu entfliehen … Was ich so nicht kenne. Außerdem will ich ja unbedingt spielen.

Und wie halten Sie es privat mit E-Mails und Internet?

Ich beschäftige mich mit beiden Sachen – im Gegensatz übrigens zu Jaecki. Das Lexikon von heute ist nun mal Google und nicht mehr das Buch. Allerdings gibt es bestimmt ältere Menschen, die mit dieser Technik besser umgehen können als ich. Ich wundere mich immer wieder über Vieles oder ärgere mich maßlos, wenn ich etwas nicht hinkriege, manchmal hätte ich Lust, auf den Computer einzuschlagen… Umso größer die Freude, wenn ich dann doch etwas Neues gelernt habe.

Rentnercops - Jeder Tag zählt!

Wolfgang Winklerund Tilo Prückner bei den Dreharbeiten | © ARD,Kai Schulz

Serien-Dreharbeiten sind über Wochen sehr anstrengend. Haben Sie dafür ein „Durchhalte-Patentrezept“?

Das sind bei Rentenrcops schon andere Bedingungen als beim „Polizeiruf 110“. Bei Serien wird schnell „geknüppelt“: Zehn Stunden Dreh, abends noch Text für den nächsten Tag lernen, das strengt mehr an als früher … Nach einer Drehwoche, wenn ich wieder zu Hause ankam, habe ich oft erst einmal geschlafen. Aber wenn man das Feedback bekommt, dass die Arbeit gut ist, dabei noch viel Spaß hat, lassen sich Zipperlein leicht ertragen. Dass ich das ohne ein Fitnessprogramm durchgehalten habe, hat mich echt gewundert.

Haben die veränderten Altersbilder, wie jetzt etwa in den „Rentnercops“, schon genug Programmplätze im Fernsehen?

Ich weiß ja nicht, ob sich da alle so einig sind, die TV-Sender, die Psychologen, Wissenschaftler und Politiker … Wer guckt denn heute fern? Doch nicht die jungen Leute zwischen 20 bis 30! Sondern das sind die älteren, so ab Mitte 40, die eine Familie und einen geregelten Alltag haben. Jaecki und ich merken das immer wieder bei unseren Lese-Terminen: Alle Veranstaltungen sind knackevoll, meist ausverkauft, und das Publikum bedauert unseren Ausstieg beim „Polizeiruf 110“. Das ist natürlich wirklich schön. Aber auch da sitzen eben schon Zuschauer und Zuhörer so ab Mitte 40.
Also das ist ein Problem, das ich habe: Ich frag’ mich immer, für wen Fernsehen gemacht wird. Jedenfalls muss für die älteren Zuschauer viel mehr getan werden!

Was können auch jüngere Zuschauer bald von den „Rentnercops“ lernen?

Die Senioren haben einen geregelten sozialen Hintergrund, müssen sich nicht mehr nach der Decke strecken und sind natürlich weniger aufgeregt als die Jungen – vielleicht lässt sich davon etwas abgucken? Ich glaube auch: Wenn einem jüngeren Publikum gute, nachvollziehbare Geschichten erzählt werden, wenn die Figuren au- thentisch sind, dann bleibt es dran. Das ist natürlich unsere Hoffnung! Aber ich denke, das wird klappen.

Das Interview führte Carolina Heske